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05.12.2013

17:21 Uhr

Politik vs. Fitschen

Volle Breitseite gegen den Deutsche-Bank-Chef

VonDietmar Neuerer

Wenige Sätze von Schäuble zur Bankenregulierung haben gereicht, um Deutsche-Bank-Chef Fitschen aus der Fassung zu bringen. Die Wirkungen seiner Kritik sind fatal: Plötzlich wendet sich die Politik geschlossen gegen ihn.

Mit seinem Populismus-Vorwurf an Finanzminister Schäuble hat sich Deutsche-Bank-Chef Fitschen keinen Gefallen getan. dpa

Mit seinem Populismus-Vorwurf an Finanzminister Schäuble hat sich Deutsche-Bank-Chef Fitschen keinen Gefallen getan.

BerlinZwischen der Bankenbranche und der Politik bahnt sich ein Großkonflikt an. Auslöser ist ein Interview mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Handelsblatt. Darin macht er unmissverständlich deutlich, dass die harten Zeiten für Geldhäuser noch lange nicht vorbei sind. Das Interview finden Sie hier im Wortlaut.

Zwar verhängte die EU-Kommission am Mittwoch Rekordstrafen gegen amerikanische und europäische Großbanken, die wichtige Referenzzinssätze manipuliert haben sollen. Doch damit seien die Sünden der Finanzbranche keineswegs vergessen, sagte der amtierende Finanzminister: „Ich weiß, dass die Banken meinen, es reiche nun.“ Man habe auch einiges geschafft, um für mehr Stabilität zu sorgen, etwa durch die strengeren Eigenkapitalvorschriften. „Aber die Kreativität der Banken, die Regulierung zu umgehen, ist weiterhin groß.“

In diesem Zusammenhang erinnerte er Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen vor einigen Tagen daran, dass es nicht die Staaten gewesen seien, die die Krise ausgelöst hätten. „Das war die Finanzbranche. Deshalb kann es kein Ende der Regulierung geben.“ Was Schäuble sagt, hat einen realen Hintergrund. In der Finanzkrise – ausgelöst durch hochspekulative Verbriefungsgeschäfte – mussten zahlreiche Banken vom Staat gerettet werden. Die Hilfen strapazierten die Staatshaushalte und trugen mit zur Euro-Schuldenkrise bei.

Fitschen, zugleich Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, sah sich am Mittwochabend durch das Schäuble-Interview aus der Reserve gelockt und redete sich bei einer Veranstaltung seines Verbandes in Berlin in Rage. Es sei „unverantwortlich und populistisch“, wenn man die Fortschritte im Bankenbereich nicht sehe. Sinnvolle Regulierung erhöhe die Sicherheit der Finanzmärkte. Banken müssten aber auch weiter ihre Aufgaben für die Wirtschaft erfüllen können.

Für die Bankenbranche mag Fitschen den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde gelegt haben. Der andere Effekt ist jedoch, dass er damit die gesamte Politik gegen sich aufgebracht hat. Eine breite Allianz aus Union, SPD, Linken und Grüne wendet sich nun gegen ihn – mit teilweise harschen Attacken. Schäuble selbst ergriff sogar noch einmal das Wort. In ungewöhnlich scharfer Form wies er Fitschen zurecht. Wenn sich Fitschen seine Aussagen anschaue, werde er sehen, dass er in der Sache nicht Recht habe. „Und im Ton hat er sich ganz sicher vergriffen“, sagte Schäuble nach einer Sitzung des Stabilitätsrates von Bund und Ländern.

Kommentare (41)

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HofmannM

05.12.2013, 15:26 Uhr

Wieso MUSSTEN die Banken vom Staat gerettet werden!?
Der Staat wollte doch die Banken retten und hat damit in die Marktbereinigung (Insolvenz) eingegriffen. Der Staat steckt jetzt, mit den Schuldenübernahmen der Banken, genauso tief mit drin, in der Schuldenspirale! Der deutsche/europäische Bürger spürt das jeden Tag mit immer mehr Wert- und Wohlstandsverlust!
ESM/EEG/Energiewende = Armut und Mangel für Deutschland und Europa!

Account gelöscht!

05.12.2013, 15:29 Uhr

Zitat : Auch wenn der Skandal auf das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter zurückgeht

- diese vorgeschobene Floskel kann man so nicht stehen lassen !

Die einzelnen Mitarbeiter hatten alle samt Vorgesetzte, die die Verantwortung für diese Mitarbeiter tragen ! Was können denn Mitarbeiter einer Bank anstellen, ohne dass die Vorgesetzten dies genehmigen und verantworten !

Und die Ausrede mit einzelnen Mitarbeitern ist billig und polemisch.

Zu den Vorgesetzten und Verantwortlichen haben auch das Pferdle und das Äffle der Deutschen Bank gehört !

Pharisaeer

05.12.2013, 15:36 Uhr

"Es waren nicht die Staaten..."

Soso, es war also nicht die amerikanische Gesetzgebung, die ein Recht für jeden Amerikaner auf sein eigenes Haus postulierte und die Banken geradezu zwang, Hauskredite an jedermann auszureichen. Es waren auch nicht Politiker wie Asmussen, die die Deregulierung für Verbriefungen initiierten und damit die Saat für die Verbriefungskatastrophe gelegt haben. Es waren auch nicht die vom Gesetzgeber kontrollierten nationalen Aufseher, die die Risiken nicht erkannt und nicht begrenzt haben. Es waren auch nicht die Politiker in den Verwaltungräten öffentlich rechtlicher Finanzinstitute saßen und die Milliardenschieflagen mit zu verantworten hatten. Es waren auch nicht die Regierungen, die trotz massivster Warnungen von Fachleuten eine Währungsunion bauten, die niemals funktionieren kann. Es waren auch nicht die Regierungen der Pleiteländer, die massiv vom Euro profitierten und - anstatt verantwortlich und nachhaltig damit umzugehen - eine rauschende Party feierten.

Wie ich diese verlog.... S..ande verachte!

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