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03.11.2013

16:26 Uhr

Politiker aufgebracht

Ruf nach Staatsanwaltschaft im Debeka-Adressskandal

ExklusivDer schwunghafte Handel mit Adressdaten beim Versicherer Debeka schreckt die Politik auf. Der Datenschutz bei privaten Krankenversicherern müsse geprüft werden, fordert etwa SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

Debeka-Schriftzug auf einem Berliner Gebäude. Imago

Debeka-Schriftzug auf einem Berliner Gebäude.

DüsseldorfDie Adressen-Affäre beim Versicherer Debeka schreckt die Politik und die Branche auf. Die SPD will den vor wenigen Tagen vom Handelsblatt aufgedeckten Skandal zum Anlass nehmen, das Thema Datenschutz in der Privaten Krankenversicherung (PKV) auf die politische Tageordnung zu setzen. „Die beunruhigende Praxis der Debeka in der Vergangenheit wirft ein Schlaglicht auf den wenig sensiblen Umgang mit Versichertendaten in der PKV insgesamt“, sagte der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Die Grünenfraktion im Bundestag fordert die Debeka auf, alles zu unternehmen, „um diese erheblichen Rechtsverstöße aufzuklären“. Fraktionsmitglied Gerhard Schick sieht auch die Staatsanwaltschaft unter Zugzwang. Es stünden „strafrechtlich relevante Delikte im Raum“. Weiterhin müsse die Finanzaufsicht Bafin untersuchen, ob es sich um branchenübliche Vertriebspraktiken handele.

Fest angestellte Mitarbeiter der Debeka haben jahrelang die Adressen von angehenden Beamten gekauft und sich so einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschafft. Konzernchef Uwe Laue bestätigte einen Bericht des Handelsblatts vom Freitag und gab zu, dass „in den 1980er und 1990er Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden“.

Unerlaubte Wettbewerbsvorteile: Debeka-Mitarbeiter bestachen jahrelang Beamte

Unerlaubte Wettbewerbsvorteile

exklusivDebeka-Mitarbeiter bestachen jahrelang Beamte

Der Versicherungsbranche droht ein Korruptionsskandal. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, haben Mitarbeiter der Debeka im großen Stil Adressen von Beamten gekauft. Der Konzern zieht nun Konsequenzen.

Verbraucherschützer reagierten schockiert. Die Selbstreinigungsbemühungen und Verhaltensrichtlinien der Versicherungen seien offenbar unzureichend, sagte Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. „Die Branche schafft es nicht, sich selbst zu disziplinieren.“ Staatliche Stellen wie die Bafin müssen dafür sorgen, dass solche Praktiken unterbunden werden“, sagte Kleinlein. „Nur so werden effektiv die Rechte der Verbraucher geschützt.“

Auf Nachfrage teilt der Konkurrent Axa mit: „Natürlich müssen zunächst die Ergebnisse weiterer Ermittlungen abgewartet werden. Aber im Zeitalter von Verhaltenskodex und Compliance – einmal ganz abgesehen von Rechtsfragen – muss Fehlverhalten klare Konsequenzen nach sich ziehen.“ Eine Sprecherin des Gesamtverbands GDV sagte auf Nachfrage, die Klärung der erhobenen Vorwürfe obliege dem Unternehmen „und – falls erforderlich – der Staatsanwaltschaft und der Versicherungsaufsicht“.

Von

oz

Kommentare (12)

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R.B.

04.11.2013, 08:31 Uhr

der Deckmantel Vertrauensleute in den Behörden zu haben war doch ideal für die Debeka. Das Sponsoring für Beamte funktionierte reibungslos.

kfvk

04.11.2013, 09:26 Uhr

Der Adressenkauf ist doch längst überall übliche Praxis und man bekommt sie säuberlich sortiert nach seinen Wunschkriterien frei Haus geliefert. Das merkt man immer dann, wenn nach einem privaten Ereignis plötzlich das Telefon klingelt und jemand die dazu passenden Angebote macht, ohne dass man auch nur ahnt, was einem diese Ehre verschafft.
Und die Politiker sollten sich nicht so aufregen. Es ist noch nicht so lange her, dass die Gemeinden ganz groß in den Adresshandel einsteigen wollten und keiner der Politiker fand etwas dabei. Wach werden sie meist erst, wenn es sie selber betrifft oder wenn der Protest von außen sie um ihre Wiederwahl fürchten lässt. Man muss nur einmal die CDU und die NSA sehen, wo es auch jetzt schon wieder Stimmen gibt, die z. B. Abhören in großem Stil für ein ausgezeichnetes Mittel halten.
Politiker haben beim Thema Datenschutz wohl meist Krokodilstränen im Auge und wenn man sie lässt, vergessen sie ihn am liebsten.

jimbobkeli

04.11.2013, 10:05 Uhr

So eine richtige Neuigkeit ist das in Branchenkreisen nicht gerade. Dass die Debeka teilweise sogar Büros in Behörden hatte konnte ja wohl kaum übersehen werden. Der abendliche Debeka-Vertreter vor der Haustüre hatte mir vor 25 Jahren auch als ertster die Information überbracht, dass meine Bewerbung für dieReferendariatszeit in Stuttgart angenommen sei.
Nikolaus Caesar

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