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07.04.2006

07:48 Uhr

Politikerforderung

Ausländer sollen Ausländer ausbilden

VonThomas Sigmund

Der dramatische Rückgang bei den Ausbildungsplätzen für ausländische Jugendliche schreckt die Politik auf. Sie will nun vor allem die ausländischen Unternehmer in Deutschland in die Pflicht nehmen. Denn die halten sich bislang sehr zurück – auch nach Aufforderung.

Die Ausbildung Jugendlicher übernehmen vor allem Betriebe mit deutschem Besitzer. Foto: dpa

Die Ausbildung Jugendlicher übernehmen vor allem Betriebe mit deutschem Besitzer. Foto: dpa

BERLIN. Andreas Storm (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, hat ausländische Arbeitgeber dazu aufgefordert, mehr Azubis einstellen. „Integration ist keine Einbahnstraße. Dazu müssen Unternehmen mit ausländischen Inhabern noch mehr beitragen“, sagte Storm in Berlin. Die Beteiligung vor allem der türkischen, griechischen und italienischen Kleinbetriebe sei „deutlich unterdurchschnittlich“.

Auslöser der Forderung des CDU-Politikers sind die großen Unterschiede bei der Ausbildungsquote der Unternehmen. Während sie bundesweit 23 Prozent beträgt, liegt sie bei den Firmen mit ausländischen Inhabern – je nach Nationalität – lediglich zwischen 6 und 15 Prozent. Hinzu kommen die erschreckenden Zahlen über Schulniveau und Berufsausbildung Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Deutschland. So haben knapp 17 Prozent der ausländischen Jugendlichen keinen Schulabschluss; bei deutschen Jugendlichen sind es 8,5 Prozent. Ein Drittel aller ausländischen Jugendlichen steht ohne abgeschlossene Berufsausbildung da. Bei deutschen Jugendlichen liegt die Quote bei 11,3 Prozent.

DIHK-Chef Ludwig Georg Braun zog am Donnerstag eine gemischte Bilanz einer Ausbildungsplatzinitiative führender Wirtschaftsverbände mit deutsch-ausländischen Unternehmen: „Zwar konnte die Zahl der Lehrstellen in den vergangenen vier Jahren um 6 000 auf 25 000 erhöht werden“, sagte Braun. Dies sei aber kein Selbstläufer. Mit Blick auf die aktuelle Debatte über die Eingliederung junger Zuwanderer kündigten die Verbände jedoch an, bis 2010 rund 10 000 neue Lehrstellen für nichtdeutsche Jugendliche zu schaffen.

Die Gründe für diese Entwicklung sind nicht nur die Sprachdefizite und die mangelnde Ausbildung vieler Jugendlicher. ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer wies darauf hin, dass es zwar einen rasanten Zuwachs von Existenzgründungen durch Ausländer gebe. Viele davon würden aber auch wieder Pleite machen, da sie nicht die gleiche Qualifikation wie ihre deutschen Mitbewerber hätten. „Ohne Qualifikation kann man aber auch nicht ausbilden“, sagte Schleyer. Hinzu kommt nach Ansicht von Berufsbildungsexperten die Struktur der Betriebe mit ausländischen Inhabern.

Viele der rund 300 000 Firmen sind im Einzelhandel, im Friseurhandwerk oder in der Gastronomie tätig und haben oftmals nur ein oder zwei Beschäftigte. Ausbildungsplätze werden hier nicht geschaffen. Ein weiterer Grund ist, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht unbedingt auch in diesen Betrieben arbeiten wollen. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn konnten aber drei Viertel der Jugendlichen, die im Frühjahr 2005 den Wunsch hatten, im Herbst mit einer Lehre zu starten, ihren Wunsch nicht realisieren. 41 Prozent der Erfolglosen hatten mindestens 20 schriftliche Bewerbungen versandt. Die Konsequenz daraus: Offenbar versuchen viele ausländische Jugendliche gar nicht erst, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

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