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03.03.2013

10:29 Uhr

Politikverdrossenheit

Gauck distanziert sich von Vorgänger Weizsäcker

Überraschend deutlich kritisiert Bundespräsident Joachim Gauck einen seiner beliebtesten Vorgänger, das frühere Staatsoberhaupt Richard von Weizäcker. Weniger hart geht er mit Rainer Brüderle ins Gericht.

Bundespräsident Joachim Gauck dpa

Bundespräsident Joachim Gauck

BerlinBundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Parteienkritik der früheren Staatsoberhauptes Richard von Weizsäcker distanziert. Dieser hatte die Parteien seinerzeit als „machtversessen und machtvergessen“ bezeichnet. „Eine solche Kritik an der Politik werden Sie von mir sicher nicht hören“, sagte Gauck dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Der Verdruss über sie ist zu groß, als dass ich ihn noch fördern möchte.“

Gaucks beste Sprüche

Gauck über die Euro-Krise

Gauck rief dazu auf, auch in der Euro-Krise am europäischen Gedanken nicht zu zweifeln. „Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren“. Gerade in Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgeprägt, sich in den Nationalstaat zu flüchten. „Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen.“
„Europa war für meine Generation Verheißung. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein Gewinn.“

Gaucks Appell an die Regierenden

„Erst redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.“

Gauck über Demokratie

Der Bundespräsident mahnte, die repräsentative Demokratie nicht generell infrage zu stellen. Die repräsentative Demokratie sei das einzige System, das Gemeinwohl- und Einzelinteressen ausgleichen könne. „Das Besondere des Systems ist nicht seine Vollkommenheit, sondern dass es sich um ein lernfähiges System handelt“, fügte Gauck hinzu.
Und die aktive Bürgergesellschaft bis hin zur digitalen Netzgemeinschaft ergänze das System und gleiche Mängel aus.

Gaucks Appell an die Regierten

„Seid nicht nur Konsumenten.“

Gauck über Freiheit

„Freiheit ist eine notwendige Bedingung für Gerechtigkeit.“ Umgekehrt sei Gerechtigkeit aber auch „Grundlage für die Freiheit“.

Gauck über Integration und Gesellschaft

„Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen.
Der Staat definiere sich immer mehr durch die Zugehörigkeit seiner Bürger zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft. Der Bundespräsident warnte davor, in Fragen des Zusammenlebens sich „von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen“ leiten zu lassen.

Gauck über (Selbst-)Vertrauen und Mut

„Ich bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen“.
Gauck erinnerte an ein Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi (1869-1948), wonach nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritt machen und Erfolge haben könne. Dann fügte er hinzu: „Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über aktive Bürger

Gauck sprach sich für die Stärkung der aktiven Bürgergesellschaft aus. Engagierte Bürger unterstützten die parlamentarische Demokratie und „gleichen Mängel aus“. Es seien gerade diese Bürger, die sich Demokratiefeinden und Extremisten entgegenstellen, sagte er. Zudem betonte Gauck die Notwendigkeit des Ehrenamtes.

Gauck zu Rechtsextremisten

„Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich“.
„Wir schenken euch auch nicht unsere Angst“.
„Ihr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben.“ Mit Blick auf die deutsche Geschichte nannte Gauck Deutschland ein „Land des Demokratiewunders“.

Gaucks Appell an die Deutschen

„Nur ein Mensch mit Selbstvertrauen kann Fortschritte machen und Erfolge haben - dies gilt für einen Menschen wie für ein Land.“
„Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über die 68-Generation

Im Westdeutschland der Nachkriegszeit sei der Umgang mit dem Nationalsozialismus zunächst defizitär geblieben, sagte Gauck. „Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert.“ Trotz aller Irrwege habe sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Gauck über Sport

„Wir brauchen den Sport in einer demokratischen Gesellschaft. Er ist ein wesentlicher Baustein.“ So hat Gauck vor einem Jahr im „Deutschlandfunk“ seine grundsätzliche Haltung zum Sport beschrieben.
Als Sportler könne man viel für das Leben lernen, und wenn da auch noch politisches Interesse dazu komme, „dann ist das ein großes Geschenk für die Gesellschaft“. Das hat Gauck in Berlin vor einer Woche bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Bürger Gauck vor jungen Eishockeyspielern gesagt, die sich eingesetzt haben für die von ihm angeführte Aktion „Für Zivilcourage - Gegen Diskriminierung im Sport.“
„Männer“, hat er hinzugesetzt, „ich verstehe nichts vom Eishockey, aber das was sie machen ist toll.“

Außerdem missfalle es ihm, wenn die Parteien pauschal schlechtgemacht werden. „Sie tragen seit Jahrzehnten wesentlich zur Ausgestaltung unserer Freiheit, unseres sozialen Friedens, unseres Wohlstandes bei. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind.“

Auf die Frage, ob er den öffentlichen Umgang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in der Sexismus-Debatte unfair gefunden habe, antwortete Gauck: „Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde. Es gibt sicher in der Frauenfrage bei uns noch einiges zu tun. Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen.“ Brüderle war heftig in die Kritik geraten, nachdem eine Journalistin ihm eine anzügliche Bemerkung vorgehalten hatte.

Von

dpa

Kommentare (68)

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Falk

03.03.2013, 10:47 Uhr

Ein "geschmeidiger" Herr, der Herr Gauck
Na ja, er ist eben von den "Parteien gewählt worden, nicht vom Volk.
"Wes Brot ich eß, des Lied ich sing"

Rainer_J

03.03.2013, 10:57 Uhr

Zitat:"Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind."

Das ist der einzige Satz der stimmt.

Wir wären nicht im Verbrecher-Moloch EUdSSR gefangen und müssten nicht für eine weltweite reiche Elite arbeiten, sondern könnten die Früchte unserer Arbeit auch selbst behalten.

Unsere "Parteien" sind EUdSSR-hörige Müllhaufen, die illegal das Steuergeld veruntreuen. Was macht man mit Müllhaufen? Wegräumen!

Account gelöscht!

03.03.2013, 10:59 Uhr

Außerdem missfalle es ihm, wenn die Parteien pauschal schlechtgemacht werden. „Sie tragen seit Jahrzehnten wesentlich zur Ausgestaltung unserer Freiheit, unseres sozialen Friedens, unseres Wohlstandes bei. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind.“
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"Die" Parteien werden auch gar nicht schlecht gemacht, sondern die derzeitigen Politiker dieser Parteien.
Da hat Gauck in seiner überheblichen Art wohl was nicht ganz verstanden.
Er sollte sich nicht auf eine Stufe mit Weizsäcker stellen
Die Politiker früherer Zeiten besaßen etwas sehr wesentliches, was allen Politikern heute fehlt: Anstand und außerdem den festen Willen, für unser Land das Bestmögliche zu erreichen.
Es wird im Sept. die niedrigste Wahlbeteiligung aller Zeiten ewartet, das sollte Gauck zu denken geben.
Die Menschen wenden sich mit Ekel von diesen derzeitigen Politikern ab
Wir hatten hier in usnrem Land mala Wahlbeteiligungen von 89% Lang ist es her
Die heutigen Politiker sind nur noch Abschaum.
Und Weizsäckers Kritik stimmte damals schon etwas und heute würde sie erst recht stimmig sein, wenn er dies noch mal sagen würde.
Aber da Gauck selbst an der Vernichtung Deutschlands interessiert ist, sein Geschwafel über Europa zeigt das ja, wird er das eben nicht begreifen
Gauck zeigt immer mehr, dass er den Grünen zugetan ist

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