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06.01.2012

05:03 Uhr

Politische Abrechnung

Strauß-Sohn rechnet mit Merkels Krisenpolitik ab

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, Max Josef Strauß, findet scharfe Worte für das deutsche Krisenmanagement in der Euro-Krise. Seine Partei kommt ebenfalls nicht ungeschoren davon.

Max Josef Strauß, Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß. ap

Max Josef Strauß, Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß.

DüsseldorfDer Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, Max Josef Strauß, hat das Euro-Krisenmanagement der deutschen Politik scharf kritisiert. Es gebe „keine Vision, wo man eigentlich hin will. Und darin zeigt sich das Versagen der europäischen Führungsspitze", sagte Strauß im Interview mit Handelsblatt Online.

„Die dauernden Besuche von Frau Merkel bei Herrn Sarkozy und umgekehrt bedeuten doch in Wahrheit, dass es beim wichtigsten Thema, den Schulden nur schlecht funktionierende Strukturen in Europa gibt." Die Verfassungsrealität stimme in Europa kaum mehr mit den Verfassungsnormen überein, fügte der Strauß-Sohn mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) hinzu, die durch die Politik genötigt worden sei, in die Krise einzugreifen.

Eine bayrische Geschichte: Der Strauß-Clan

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Was ist eigentlich aus den drei Kindern von Franz Josef Strauß und seiner Frau Marianne, Max Josef, Franz Georg und Monika geworden? Um Max und Monika ranken sich einige Affären.

„Was auf die Dauer nicht geht, ist, dass die Politik in Europa im Namen des Euros in Wahrheit den Banküberfall auf die EZB ermöglicht hat", sagte Strauß, der einfaches CSU-Mitglied ist. Das widerspricht dem Haushaltsrecht der Parlamente. „Es geht nur noch darum, wo sich irgendwo fresh money rausquetschen lässt." So sei der „große Sündenfall" gewesen, dass die EZB begonnen habe, Staatsanleihen in einer „juristisch fragwürdigen Aktion" zu kaufen.

Aus Strauß’ Sicht hätte man stattdessen im Fall Griechenland „sofort durchgreifen" müssen. „Ich meine, dass Experten von hier in das griechische Finanzministerium und andere Ministerien entsandt werden, um endlich die Verwaltung in Gang zu bringen." Die bisher entsandten Berater reichten offensichtlich nicht aus, um dem Chaos Herr zu werden. „Ich verstehe das Problem mit der nationalen Hoheit über die eigene Verwaltung, aber die Griechen haben dieses Recht durch ihre Betrügereien und ihre namenlose Korruption auf allen Ebenen meines Erachtens verwirkt."

Wie griechische Politiker früher ihren Staat abzockten

Kostenloser Dienstwagen

Ein auf Steuerzahlerkosten geleaster Dienstwagen für jeden der 300 Abgeordneten.

Kein Porto

Befreiung vom Briefporto

Acht kostenlose Telefonanschlüsse

Bis zu acht kostenlose Festnetzanschlüsse für jeden Abgeordneten

Handy-Guthaben

200 Euro im Monat für Handy-Telefonate

Kostenlose Hotel-Unterkunft

Kostenlose Unterkunft in einem Athener Hotel für Abgeordnete aus der Provinz

Freifahrscheine

Freifahrscheine für Busse, Bahnen und Fährschiffe

104 Flugtickets

104 kostenlose Flugtickets im Jahr für Abgeordnete,  deren Wahlkreis weiter als 200 Kilometer von Athen entfernt ist

Sitzungspauschale

150 Euro für jede Teilnahme an einer Ausschusssitzung. Die Unterschrift in der Anwesenheitslistereicht, die tatsächliche Teilnahme wird nicht kontrolliert

Strauß ging zudem generell mit der Politik hart ins Gericht. „Mich stören die glatten Wellness-Formulierungen, die heute zu dem Eindruck führen, dass es kaum noch profilierte Köpfe gibt, die die Dinge so beim Namen nennen können, dass die Bürger sie auch verstehen", sagte er. „Der politische Betrieb ist heute wie ein Pudding, in dem unpräzise Wortmeldungen herumwabern, die nur verwirren, aber niemanden wirklich informieren." Er sei dafür, dass man die Dinge in aller Klarheit demokratisch ausdiskutiert. „Das politische Wellness-Gequatsche hat in Zeiten der Krise nichts verloren", sagte Strauß.

Harsche Kritik äußerte Strauß in diesem Zusammenhang an seiner eigenen Partei, der CSU. „Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, wie man fordern kann, dass auch noch andere Länder womöglich den Euro verlassen können sollten", sagte er. „Die Folgen wären verheerend und im Wesentlichen von den Ländern zu bezahlen, die im Euro bleiben."

In der CSU herrsch oft das Prinzip: „Wir fragen die Meinungsforscher, was wir meinen sollen, damit wir konfliktfrei Dienstwagen fahren können“, kritisierte Strauß. "Da ersetzt die Lufthoheit über den Stammtischen Meinungsführerschaft. So jetzt auch in Griechenland, wo die Meinung „Schickt die Griechen in die Drachme“ beim CSU-Anhang sehr populär ist."

Strauß im Video

„Mein Vater wäre ein großer Euro-Befürworter gewesen“

Strauß im Video: Max Strauß: Wie hätte der Vater auf die Eurokrise reagiert?

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Kommentare (8)

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Gast

06.01.2012, 05:45 Uhr

in der Problembeschreibung stimme ich Herrn Strauß voll zu aber nicht in seinen Lösungsansätzen.

"Aus Strauß’-Sicht hätte man stattdessen im Fall Griechenland „sofort durchgreifen" müssen. „Ich meine, dass Experten von hier in das griechische Finanzministerium und andere Ministerien entsandt werden, um endlich die Verwaltung in Gang zu bringen."

Sowas geht, wenn es ein europäisches Reich gibt, dann kann der Kaiser dieses Reiches sogenannte Experten in seine Provinzen schicken, die seinen Willen dann dort erzwingen. In demokratischen Gefügen klappt das nur ganz kurzfristig, denn es fehlen die Truppen des Kaisers, die den Worten des Kaisers Gewicht verleihen.
Es gäbe noch einen anderen Lösungsansatz: Die Sache ist nicht durchführbar und wird allen schaden, wir hören lieber heute als morgen auf und lecken unsere Wunden.

winter

06.01.2012, 06:11 Uhr

Wegen der Beihilfe zum Betrug in drei besonders schweren Fällen ist Max Strauß, der Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, zu 600 Tagessätzen à 500 Euro verurteilt worden. Die insgesamt 300 000 Euro kann er in 20 Raten, beginnend am 1. Oktober, abzahlen. Strauß ist damit vorbestraft.

winter

06.01.2012, 06:17 Uhr

Als Justitiar der Anlagefirma Wabag AG war er Mitwisser von Betrügereien, die die Firmenspitze systematisch betrieb. Insgesamt waren in den neunziger Jahren über 5000 Anleger um über 100 Millionen Mark geprellt worden. Die Wabag AG hatte vorgegeben, in den neuen Bundesländern im großen Stil Unternehmen zur Müllentsorgung und zur Energiegewinnung aufzuziehen, doch von insgesamt 244 Millionen Mark, die dem Unternehmen von Investoren zur Verfügung gestellt worden waren, wurden lediglich 55 Millionen auch wirklich investiert, der Rest verschwand in den Taschen des Managements, meist getarnt als Sonderprovision oder Verwaltungsaufwendung. In dem Verfahren vor dem 6. Strafsenat des Münchner Landgerichts ging es um ein Bio-Kraftwerk in Zittau, die Trentec AG und die Sachsenholz AG, die inzwischen alle insolvent sind. Die Gründer und Vorstände der Wabag AG wurden bereits zu Freiheitsstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt.

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