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22.02.2012

09:22 Uhr

Politischer Aschermittwoch

Edmund Stoiber sprüht wieder in die lodernde Flut

Seine Versprecher sind Kult - und heute am politischen Aschermittwoch kehrt Edmund Stoiber als Redner zurück. Die Festhalle der CSU ist ausverkauft, aber auch bei der SPD erwarten Tausende Zuhörer bissige Kommentare.

Edmund Stoiber winkt als bayrischer Ministerpräsident nach einer Rede bei einem CSU-Parteitag in Augsburg. Manche seiner Reden genießen wegen unfreiwilliger Versprecher bis heute Kultstatus. ap

Edmund Stoiber winkt als bayrischer Ministerpräsident nach einer Rede bei einem CSU-Parteitag in Augsburg. Manche seiner Reden genießen wegen unfreiwilliger Versprecher bis heute Kultstatus.

München/Demmin/BerlinDie heftigen Redeschlachten und die deftige Rhetorik sind legendär - und dieses Jahr bietet der politische Aschermittwoch den Parteispitzen mit dem Rücktritt des Bundespräsidenten und einer vorgezogenen Landtagswahl im Saarland genug Gelegenheit für Attacken auf den politischen Gegner. Dafür begeben sich die Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien in die Bütt. Schwerpunkt des traditionellen Politspektakels, zu dem tausende Parteianhänger erwartet werden, ist wie jedes Jahr Bayern.

Neu ist diesmal, dass ein deutsches Staatsoberhaupt Hauptredner einer Aschermittwochsveranstaltung sein wird. CSU-Chef Horst Seehofer hat jedoch angekündigt, wegen seiner Rolle als amtierender Bundespräsident in seiner Rede auf die sonst üblichen Attacken zu verzichten. Stattdessen soll Edmund Stoiber, Ehrenvorsitzender und vor seinem Sturz vor fünf Jahren leidenschaftlicher Aschermittwochs-Redner, die Dreiländerhalle in Passau zum Kochen bringen - ob dabei wieder einer seiner berühmten Versprecher wie etwa dem vom "kleinen Sprühen" in die "gludernde Lot, in die gludernde Flut" oder "die lodernde Flut" fallen wird, bleibt abzuwarten. Zur 60. Ausgabe der traditionell bierseligen Veranstaltung, von der CSU gern als „größter Stammtisch der Welt“ gefeiert, werden mehrere tausend Parteianhänger erwartet.

Zu Polit-Kundgebungen laden zum Auftakt der Fastenzeit auch die anderen Parteien: Bei der SPD im niederbayerischen Vilshofen sprechen Parteichef Sigmar Gabriel und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, der nach der Landtagswahl 2013 Seehofer als bayerischen Ministerpräsidenten beerben will. Weil sich dank seiner Beliebtheit überraschend viele Zuhörer anmeldeten, musste die SPD, die im Freistaat sonst Mühe mit der Mobilisierung von Anhängern hat, ihr Festzelt vergrößern.

Nach Angaben der CSU ist die Dreiländerhalle in Passau schon seit vergangener Woche überbucht - dort gibt es laut Eigentümer 3600 Sitzplätze oder 7000 Stehplätze. Die Sozialdemokraten, die es zuletzt nicht einmal mehr geschafft hatten, die 600 Plätze in ihrem Stammlokal in der Vilshofener Altstadt zu füllen, haben ein riesiges Bierzelt aufbauen lassen. Es hat 3500 Plätze.

Kommentare (7)

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EinNarr

22.02.2012, 09:34 Uhr

"Die Festhalle der CSU ist verkauft ...", soviel
zu "Kult-Versprecher" des Herrn Stoiber. Die eigene
Nase ist immer am dichtesten ...

weltenbrand

22.02.2012, 10:06 Uhr

Gib alles, Edmund!

Politikverdrossen

22.02.2012, 10:08 Uhr

Stoiber mag rethorische Aussetzer gehabt haben, aber inhaltlich hatte der Mann fast immer recht - wie Strauß traute er sich, auch unpopuläre Wahrheiten anzusprechen, hatte einen klare Vorstellung für Bayerns Weg und ein überzeugendes Konzept für das Land und die CSU.

Das unterscheidet ihn grundlegend von seinem Nachfolger Horst Seehofer, der bloß ein planloser Populist ist, aber rethorisch besser ankommt.

Leider ist in den Medien der Schein und das unterhaltsame Element wichtiger als der Inhalt, weshalb es Menschen wie Gysi, Wagenknecht etc. mit abstrusen Ideen aber geschliffenem Auftreten immer wieder zu Medienlieblingen schaffen.

Frei nach dem Motto: "Es lebe die Spaßrepublik - politische Inhalte sind irrelevant, Politik dient bloß der Unterhaltung des Volkes"

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