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09.03.2011

16:08 Uhr

Politischer Aschermittwoch

Guttenberg begeistert – auch in Abwesenheit

Auch in Abwesenheit bringt Karl-Theodor zu Guttenberg die CSU zum Kochen. Immer wenn beim Politischen Aschermittwoch sein Name fällt, brandet Applaus auf. Der Ex-Verteidigungsminister ist noch immer der Star der Partei.

Omnipräsent am Politischen Aschermittwoch der CSU: Karl Theodor zu Guttenberg. Quelle: dpa

Omnipräsent am Politischen Aschermittwoch der CSU: Karl Theodor zu Guttenberg.

PassauPolitischer Aschermittwoch in der CSU in der Passauer Dreiländerhalle: Auch wenn er gar nicht anwesend ist - Karl Theodor zu Guttenbergs Konterfei prangt auf T-Shirts, Plakaten und Stickern. „Ich trauere ihm sehr nach“, sagt ein Parteimitglied. Guttenberg sei ein Hoffnungsträger für die CSU gewesen, schwärmt auch Lolo Schmidt. „Einen Mann zu haben wie zu Guttenberg, der die Menschen anspricht, das findet man nicht so schnell.“

Es ist der erste Stimmungstest auf einer Großveranstaltung der CSU nach Guttenbergs Rücktritt wegen seiner Plagiatsaffäre. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle wollen ihn zurück - auch weil sie den Erfolg der Partei bei den Landtagswahlen 2013 von seiner Person abhängig machen. Dann will die CSU wieder auf eine Mehrheit von über 50 Prozent kommen. „Zeit für 50 plus x - auf geht's auch ohne Doktortitel“, steht auf einem Plakat, „Minister der Herzen“ auf einem anderen.  

Parteichef Horst Seehofer will Guttenberg so schnell wie möglich wieder in die eigenen Reihen zurückholen, „wenn seine Familie und er etwas Ruhe gehabt haben“. Stimmungsmäßig ist das einer der Höhepunkte in Seehofers knapp eineinhalbstündigen Rede - auch wenn er sich das Thema bis zum Schluss aufhebt. An der vielbeschriebenen Rivalität zwischen ihm und Guttenberg sei nichts dran, sagt Seehofer. Das sei „Quatsch“. „KT ist von mir vorgeschlagen worden. Ich werde als CSU-Vorsitzender alles tun, dass Karl-Theodor wieder in die bayerische und deutsche Politik zurückkommt.“

"Die anderen haben alles nichts zu bieten"

Damit trifft er den Nerv seiner Zuhörer in der gut gefüllten Halle. Sie klatschen und johlen ihrem abwesenden Idol zu, fast als könnte er sie doch hören. Vielleicht - so die Hoffnung - verfolgt KT die Veranstaltung ja im Fernsehen. „In zwei bis drei Jahren, schätze ich, kommt er wieder“, sagt der 54-jährige Landwirt Hans Haag. Seine Hoffnung trägt er auf einem Plakat vor sich her: „KT zu Guttenberg, lass uns nicht im Stich - die CSU, Bayern und Deutschland brauchen dich.“ In welcher Funktion Guttenberg wieder auf die politische Bühne zurückkehren könnte, ist Haag egal. „Der Guttenberg kann alles machen: bayrischer Ministerpräsident, Bundeskanzler, Außenminister ...“

Andere Themen geraten angesichts des Rummels um Guttenberg am Aschermittwoch in den Hintergrund. Beim „größten Stammtisch der Welt“ - wie die CSU ihre Veranstaltung selbstbewusst nennt - wettert Seehofer in gewohnter Manier gegen die Grünen und Roten. Er fordert sogar eine Änderung der bayerischen Verfassung, um festzuschreiben, dass Einwanderer Deutsch lernen sollen. Das kommt bei den CSU-Anhängern aber nur halb so gut an, wie die Aussicht auf eine mögliche Rückkehr Guttenbergs.  

Seehofer weiß, dass der 39-Jährige für ihn ein wichtiges Zugpferd im Wahlkampf ist - Rücktritt hin oder her. Gemeinsam seien sie beide „eine fast nicht zu schlagende politische Kraft“, sagte Seehofer in einem Interview der „Passauer Neuen Presse“. Offenbleibt, ob Guttenberg rechtzeitig für die CSU auf die Politikbühne zurückkehrt, damit sie diese Kraft nutzen kann.  Darauf hofft zumindest der 83-jährige Xaver Steib. Er ist seit 1945 CSU-Mitglied, zum Beweis zeigt er seinen Parteiausweis her. Und dann dreht er ihn um und platzt fast vor Stolz: „Das ist ein Autogramm von unserem KT - die anderen haben alle nichts zu bieten.“

Politischer Aschermittwoch: CSU mit scharfen Attacken

Video: Politischer Aschermittwoch: CSU mit scharfen Attacken

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Von

rtr

Kommentare (1)

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Nelli

09.03.2011, 16:55 Uhr

Traurig, traurig, dass die CSU nur einen Täuscher und Trickser als Hoffnungsträger hat !! Nelli

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