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25.08.2015

09:20 Uhr

Politologe zu Ausländerfeindlichkeit

Experte rechnet mit steigendem Fremdenhass

In Brandenburg und Baden-Württemberg brennen geplante Flüchtlingsunterkünfte, im sächsischen Heidenau randaliert der braune Mob. Und der Fremdenhass in Deutschland könnte noch zunehmen, sagt Politologe Werner Patzelt.

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, hier als Beobachter einer Pegida-Demonstration in Dresden im Februar dieses Jahres. dpa

Werner Patzelt

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, hier als Beobachter einer Pegida-Demonstration in Dresden im Februar dieses Jahres.

DresdenDer Politologe Werner Patzelt rechnet angesichts hoher Flüchtlingszahlen mit steigender Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Mit Blick auf die Ereignisse in Heidenau müsse man Schlimmes befürchten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Patzelt sieht dabei nicht nur Sachsen im Fokus und gibt auch der Politik eine Mitschuld. Die für die „rechte politische Spielfeldhälfte zuständige CDU“ bemühe sich zu wenig darum, die Gewinnbaren vom rechten Rand an eine vernünftige Partei zu binden. „Zunächst hat sie der NPD freien Raum gelassen, später der AfD. Und so kam es, dass viele den Rechtsradikalen überlassen wurden, die zwischen der CDU und dem rechten Rand auf der Kippe standen.“

Patzelt sieht nicht, dass die islamkritische Pegida-Bewegung den Nährboden für rechtsradikale Einstellungen und Gewalt liefert: „Soeben wurde auch im weitgehend Pegida-freien Baden-Württemberg eine Flüchtlingsunterkunft abgefackelt.“

Pegida sei nicht die Ursache der grassierenden Ausländerfurcht, sondern zunächst einmal Ausdruck von Verunsicherung in einer sich tiefgreifend wandelnden Gesellschaft: „An Pegida wurde bloß offensichtlich, was da um die Einwanderungsthematik herum an Sorgen und Empörungsbereitschaft in der Gesellschaft schlummert.“

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

„Die meisten Sachsen identifizieren sich stark mit ihrem Land und wollen es wieder so schön haben wie vor der DDR- und Nazizeit. Dem kommt aber, wie es ihnen scheint, die Zuwanderung in die Quere, wobei sehr viele ganz besonders muslimische Migranten fürchten“, erklärte Patzelt. Derlei „Behinderung des sächsischen Wiederaufstiegs zu einem prosperierenden Land“ akzeptierten viele Menschen nicht und versuchten, bereits den Anfängen zu wehren.

Laut Patzelt empfinden viele Menschen in Sachsen Begleiterscheinungen der Einwanderung als „Entheimatung“. „Das heißt: Man bleibt zwar im eigenen Land, erkennt aber in ihm so große Veränderungen, dass man sich zunehmend heimatlos fühlt. Das empört, zumal die Leute ja nie in einer Wahl oder Volksabstimmung gefragt wurden, ob sie diesen Wandel auch wollen.

Und so richtet sich der Zorn sowohl gegen jene, die zu uns kommen, als auch gegen die, welche so gewaltige Veränderungen unserer Gesellschaft einfach zulassen“, sagte Patzelt mit Blick auf Politiker und die Befürworter einer Einwanderungsgesellschaft.

Von

dpa

Kommentare (16)

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peter markgraf

25.08.2015, 10:24 Uhr

... Einwanderung als „Entheimatung“. „Das heißt: Man bleibt zwar im eigenen Land, erkennt aber in ihm so große Veränderungen, dass man sich zunehmend heimatlos fühlt. Das empört, zumal die Leute ja nie in einer Wahl oder Volksabstimmung gefragt wurden, ob sie diesen Wandel auch wollen.

Endlich trifft einer mal den Nagel auf den Kopf. So empfinden mittlerweile viele Deutsche, nicht nur die Sachsen!

Herr Hans Mayer

25.08.2015, 10:33 Uhr

Unsere selbsternannte, weltbeste Bundesregierung ever.
Sie zerstört den Mittelstands versklavt Arbeitslose, wirft den Banken und Konzernen gutes Geld hinterher, giesst öl ins Feuer zwischen den Generationen, bemächtigt sich unserer KInder (frühsexualisierung),und zwingt die Frauen in die Steuerpflicht. mischt sich in die Angelegenheiten anderer Staaten, dünnt die ethnische Kultur aus und buckelt vor jeder Anweisung aus USA oder Israel, liefert Waffen in Krisengebiete ignoriert flächendeckend die Meinung der Bevölkerung, bricht EU und Völkerrecht und erpresst Volksvertreter auf Fraktionslinie.
Das die Menschern hier langsam genug haben und sich beginnen zu erheben, ist irgendwie kein Wunder
Die Arroganz der Politik und Medien ist in letzter Zeit kaum mehr zu überbieten, es herrscht eine Meinungsdiktatur und ein Diskurs findet nicht statt, dafür Zensur.
Die "Flüchtlinge-Wirtschaftsreisende usw. sind auch die Opfer dieser Politik.
Der Zorn muss sich an die Politikkomiker wenden,

Herr Franz Paul

25.08.2015, 10:34 Uhr

Ja, so ist das. Deutschland könnte das schönste, sauberste, erfolgreichste Land der Welt sein.
Wenn wir nicht diese unsägliche Polit-Mischpoke hätten. Sind wir zur EU gefragt worden? Zum Euro?
Zu den Russland-Sanktionen? Afghanistan? Zur Überfremdung? Zum Islam?
Und das soll Demokratie sein?

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