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31.03.2006

15:02 Uhr

Polizei von Situation in Neukölln überrascht

Länder sehen Gewalt an Schulen im Griff

Die Vorkommnisse an der Berliner Rütli-Hauptschule haben eine breite Diskussion über Gewalt an Schulen und die Zukunft der Schulform Hauptschule ausgelöst. In anderen Bundesländern räumen die Behörden zwar auch Fälle von schulischer Gewalt ein, verweisen aber auf eine Vielzahl von funktionierenden Präventionsmaßnahmen. Auch die Forderung, die Hauptschule als Schulform abzuschaffen, stößt auf Skepsis.

HB BERLIN. Vor der Rütli-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln versuchte die Polizei am Freitag, durch Präsenz für Sicherheit und eine Entspannung der Lage zu sorgen. Als Reaktion auf die Zustände an der Rütli-Schule forderten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Kriminologe Christian Pfeiffer die Abschaffung der Hauptschule zu Gunsten eines anderen Schulsystems. Vertreter der CDU und der Verband der Gymnasiallehrer lehnten diese Forderung dagegen ab und forderten verstärkte Anstrengung zu Integration von Schülern mit Migrationshintergrund. Die Rütli-Schule wurde unter Polizeischutz gestellt. Anders als zuvor angekündigt, wurden die Schüler aber nicht auf Waffen durchsucht. Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD) verteidigte sich gegen Vorwürfe, die Regierung habe zu spät auf die Probleme der Schule reagiert.

Die Polizei zeigte sich überrascht von den Berichten über die Zustände an der Schule. Sie stehe regelmäßig mit der Schulleitung in Kontakt und habe davon erst aus dem Schreiben erfahren, sagte ein Sprecher. Dass es „so brandaktuell“ sei, habe sie bisher nicht gewusst.

An der Rütli-Schule wurden am Freitag mehrere Polizisten postiert, die für Sicherheit und eine Entspannung der Lage sorgen sollten. Eine Schülerin, die wie viele andere ein Kopftuch trug, berichtete den zahlreichen Journalisten von heftigen Konflikten zwischen rivalisierenden Cliquen unter den Schülern, die zum Teil mit Messern und anderen Waffen ausgetragen würden.

Schulsenator Böger zeigte sich bei einem Besuch der Schule positiv überrascht von der Lage: „Mein Eindruck ist, dass hier viel mehr Bewegung zum Guten ist als ich gedacht habe.“ Gegenwärtig seien die zuvor angekündigten Kontrollen der Schüler durch die Polizei nicht nötig. Böger verteidigte sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit mit dem Hinweis, er habe den bereits Ende Februar an eine Außenstelle seiner Behörde geschickten Brief erst am Donnerstag erhalten.

GEW-Chef Ulrich Thöne bezeichnete die Lage an der Berliner Schule als Alarmsignal für die Politik: „Der Brandbrief der Rütli-Schule ... ist ein Zeichen für das Versagen der Bildungs- und Integrationspolitik - auf Landes- und Bundesebene.“ Die Lehrer der Hauptschule hatten in einem Brief an die Schulbehörde über unhaltbare Zustände geklagt. Angesichts der Gewalt unter Schülern und Drohungen gegen Lehrer sei ein normaler Unterricht nicht mehr möglich. Das Kollegium hatte die Auflösung der Schule ins Gespräch gebracht. An der Schule machen arabisch- und türkischstämmige Schüler über 80 Prozent aus.

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