Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.05.2011

13:08 Uhr

Polizeistatistik

Internetkriminalität steigt auf Rekordwert

Das Internet wird zunehmend Tummelplatz für Kriminelle: 2010 stieg die Zahl der Cyber-Delikte um 8,1 Prozent auf 225.000. Prompt fordert das Innenministerium wieder die Vorratsdatenspeicherung für Internet-Verbindungen.

Bundesinnenminister Friedrich: „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden.“ Quelle: dpa

Bundesinnenminister Friedrich: „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden.“

Das Internet wird immer stärker zum Tatort: Die Zahl der Straftaten im Netz ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Die Delikte im Internet hätten 2010 gegenüber dem Vorjahr um 8,1 Prozent auf knapp 225.000 zugenommen, erklärte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am Freitag bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. Bei rund 80 Prozent der Fälle handle es sich um Betrug. Friedrich forderte erneut eine Vorratsdatenspeicherung für Internet-Verbindungen, um solche Straftaten besser verfolgen zu können. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Vorratsdatenspeicherung vor einem Jahr gekippt, und der Koalitionspartner FDP lehnt eine Wiedereinführung strikt ab.

„Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden“, sagte der CSU-Politiker Friedrich. Im Kampf gegen die Internet-Kriminalität seien allerdings nicht nur die Sicherheitsbehörden und der Gesetzgeber gefragt. „Gerade auch Anbieter und Nutzer des Internets sind zum sicheren und sorgfältigen Umgang mit diesem Medium aufgerufen“.

Insgesamt ist die Zahl der Straftaten ist in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Im vergangenen Jahr wurde mit rund 5,93 Millionen registrierten Vorfällen erstmals die Sechs-Millionen-Marke unterschritten. Im Vergleich zu 2009 ging die Kriminalität um zwei Prozent zurück. Sorgen bereitet dagegen ein deutlicher Anstieg der Straftaten im Netz um acht Prozent sowie beim Betrug mit Zahlungskarten um fast zwölf Prozent. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) bezeichnete die Statistik als verzerrend.

Innenminister Friedrich für „Warnschussarrest“

Die Aufklärungsquote habe bei 56 Prozent gelegen und damit einen Höchststand seit Erfassung der PKS vor 18 Jahren erreicht. Dies sei ein „hervorragender Beleg für die Polizeibeamten“, so Innenminister Friedrich.

Die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen ging um fast sieben Prozent auf 232.000 zurück. Trotzdem sei dies „kein Grund zur Entwarnung“, sagte der Bundesminister. Das Niveau sei weiterhin hoch. Er verwies auf brutale Überfälle auf U-Bahnhöfen. „Man ist entsetzt, offensichtlich haben viele keine Hemmschwelle mehr.“

Der Bundesminister sprach sich für schärfere Maßnahmen in Form eines „Warnschussarrests“ aus. Eine Verwarnung hinterließe bei straffälligen Jugendlichen häufig wenig Eindruck. Ein kurzzeitiger Freiheitsentzug werde als Warnschuss gesehen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU), sagte: „Eine schnelle Verurteilung ist der wichtigste Weg.“ Die Zahl der bundesweit registrierten Gewaltdelikte ging um insgesamt 3,5 Prozent auf 201.000 Vorfälle zurück. Allerdings wurden mehr Fälle von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung festgestellt. Zudem wurde häufiger eingebrochen (+ 6,6 Prozent) und mehr Autos wurden gestohlen (+ 4,0 Prozent).

Die Dunkelziffer wird in der Statistik nicht erfasst. Nach Ansicht des DPolG-Vorsitzenden, Rainer Wendt, sind die Zahlen deshalb nicht aussagekräftig. Die Fallzahlen seien gestiegen und nicht gesunken, sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Er geht von zehn Millionen statt sechs Millionen Straftaten in 2010 aus. Friedrich räumte ein, dass die Dunkelziffer nicht miteinbezogen wurde. Trotzdem sei die Statistik ein Indikator.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Alternativlos

20.05.2011, 14:02 Uhr

Zitat Bundesinnenminister Friedrich: „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden.“

Ja wie jetzt? So langsam kenne ich mich gar nicht mehr aus. Seit Jahren wird gebetsmühlenartig vor DEM rechtsfreien Raum schlechthin, dem Internet, gewarnt. Letzte Woche las ich auf Heise.de einen Artikel in dem das Internet von einem Minister für seine Freiheit gelobt wurde. Heute lese ich, das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden. Ja was denn nun?
Ich habe eigentlich nur einen, einen einzigen Wunsch: An entsprechender Stelle einen Minister(in), der einen Computer rudimentär bedienen kann und diesen nicht nur aus Werbeprospekten kennt. Vielleicht könnte diese(r) seinen Kolleginnen und Kollegen dann auch beibringen was ein Browser ist.
http://www.youtube.com/watch?v=X92GtG1G_hY

Gerecht

16.08.2011, 13:23 Uhr

Warum gibt es nicht Server, Webseiten, Mailadressen, Nicknamen nur in Verbindung mit dem Personalausweis sowie die ID auf diesem? So könnte man jeden Stalker- oder Web-Kriminellen sofort lokalisieren.
Eine Ummeldung von Adresse A nach Adresse B bekomme ich auch nur bei Vorlage meines Personalausweises.
Da dieses über dem Amtsweg (Bürgerhaus) laufen würde, hätte jede ermittelnde Institution einen Zugang auf dem Besitzer eines Nicknamen und könnte so viel schneller gefasst werden.

Die Gebühr für die einmalige Aufnahme in die Datei von 10 Euro würde ich gern bezahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×