Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.09.2014

10:37 Uhr

Populisten unter sich

Herr Sarrazin zu Gast bei der AfD

Thilo Sarrazin und die SPD, das ist eine ziemlich schwierige Geschichte, spätestens seit dem Buch „Deutschland schafft sich ab“. Nun ist er ausgerechnet bei einer AfD-Veranstaltung aufgetreten. Will er Mitglied werden?

Sarrazin (l.) mit AfD-Spitzenmann Hampel: „Einige Landesverbände haben ein Chaotenproblem“. dpa

Sarrazin (l.) mit AfD-Spitzenmann Hampel: „Einige Landesverbände haben ein Chaotenproblem“.

Bad Iburg74 Euro sind für den Abend zu berappen, als Speisen werden unter anderem Hirschkeule in Hagebuttensauce und Landschwein-Filet an einer Cognac-Rahmsauce angeboten. Zum Empfang im „Gasthof zum Freden“ gibt es deutschen Secco. Begrüßung durch den niedersächsischen Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD), Armin Paul Hampel, vielen Fernsehzuschauern noch als Südasienkorrespondent der ARD bekannt.

Dann hat der Hauptgast das Wort. Ein prominenter SPD-Politiker, der bei der Parteispitze in Berlin in Ungnade gefallen ist. Doch bisher wird sie ihn nicht los.

Rund 50 Zuhörer hat Thilo Sarrazin an diesem Abend in Bad Iburg, einem kleinen Kurort in der Nähe von Osnabrück. Manche sitzen im Anzug da, manche sind leger gekleidet, von Ende 30 bis ins Rentenalter. Der im Plauderton vorgetragene Gedankengang des umstrittenen früheren Berliner Finanzsenators und Vorstandsmitglieds der Bundesbank findet freundlichen Applaus.

Offiziell geht es um sein neues Buch „Der neue Tugendterror“. Aber der Auftritt bei der eurokritisch-konservativen Partei sorgt in Berlin für Ärger. Generalsekretärin Yasmin Fahimi fordert Sarrazin zum Parteiaustritt auf: „Die SPD kommt gut ohne ihn aus.“

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Am Samstag kamen 200 Delegierte zu einem Parteikonvent der SPD in Berlin. Der Erfolg der AfD in Ostdeutschland - in Sachsen und Thüringen lag die SPD mit jeweils 12,4 Prozent nur knapp vor der AfD - irritiert die Sozialdemokraten. Zumal die AfD mit oft recht einfachen Antworten auf komplexe Fragen auch im SPD-Milieu erfolgreich wildern konnte. Nach ihren Wahlerfolgen hat die AfD laut einer aktuellen Umfrage von Emnid und „Bild am Sonntag“ bundesweit in der Wählergunst mit 8 Prozent den höchsten Stand seit ihrer Gründung erreicht.

Mit seinen Thesen zur „Überfremdung“ im Buch „Deutschland schafft sich ab“ trifft Sarrazin sicher das Gefühl vieler AfD-Mitglieder. Die SPD sucht noch ihre Strategie zum Umgang mit der AfD. Ist es der richtige Weg, wenn Fahimi die Partei pauschal als „braune Suppe“ verteufelt? Und wenn sie reflexhaft Sarrazin den Austritt nahelegt? SPD-Chef Sigmar Gabriel will sich erstmal nicht äußern zum AfD-Ausflug des ungeliebten Genossen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Paul Müller

22.09.2014, 15:53 Uhr

Lobbyisten vs. Populisten.
Wer richtet mehr Schaden an?
Erstere sind bei den etablierten Parteien quasi "zu Hause". Kein Bericht mehr wert oder schon zu gewöhnlich?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×