Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.06.2013

18:01 Uhr

Porsche-Betriebsrat Hück

„Gewerkschaftsmitglieder werden doch bislang benachteiligt!“

VonBernd Kupilas

Porsche-Betriebsratschef Hück fordert eine Extra-Prämie für Gewerkschaftsmitglieder bei Tariferhöhungen. Die Arbeitgeber warnen hingegen, dass eine Besserstellung für Unruhe in den Betrieben sorgen könne.

Porsches Betriebsratschef Uwe Hück fordert eine Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern bei Tariferhöhungen. dpa

Porsches Betriebsratschef Uwe Hück fordert eine Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern bei Tariferhöhungen.

DüsseldorfDer mächtige Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat eine Diskussion um Tariferhöhungen angezettelt: Er will, dass Gewerkschaftsmitglieder anders als Nichtmitglieder nach einem Abschluss eine Extra-Prämie erhalten – als Ausgleich dafür, dass sie einen Gewerkschaftsbeitrag zahlen, Nichtmitglieder aber nicht. Denn bislang, so Hück, würden Gewerkschaftsmitglieder benachteiligt. „Es reicht“, schimpft der prominente IG Metaller. „es kann nicht sein, dass die, die gekämpft haben, schlechter gestellt sind, als die, die nicht gekämpft haben.“

Hücks Argumentation geht so: Gewerkschaftsmitglieder und Nichtmitglieder bekommen das gleiche Geld und nach einem Tarifabschluss die gleiche Erhöhung. De facto aber bekämen Mitglieder der Gewerkschaft weniger als Nichtmitglieder. Schließlich zahlten sie von ihrem Einkommen einen Beitrag an die Gewerkschaft, mit dem erst ermöglicht werde, dass etwa die IG Metall arbeitsfähig sei und Tarifverträge aushandeln könne. „Im Ergebnis bedeutet das für Nicht-Mitglieder, dass sie mehr vom Tarifabschluss haben als die Mitglieder. Diese Besserstellung ist nicht gerecht.“ IG-Metall-Mitglieder zahlen ein Prozent ihres Bruttoeinkommens als Beitrag.

Das Problem der nicht organisierten Trittbrettfahrer ist für die Gewerkschaften schon lange ein Ärgernis. Schon öfter gab es seitens der Gewerkschaften Vorstöße, für die eigenen Mitglieder bessere Konditionen auszuhandeln. Das funktioniert aber nur in engen juristischen Grenzen: Der Arbeitgeber darf nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen.

Uwe Hück – Vom Lackierer zum Millionär

Herkunft

Uwe Hück wurde am 22. Mai 1962 als eines von fünf Geschwistern in Stuttgart geboren. Nachdem er früh seine Eltern verloren hatte, wuchs er in verschiedenen Kinderheimen auf. Sein älterer Bruder nahm sich 1990 das Leben.

Ausbildung

Nachdem er zeitweise eine Sonderschule besuchen musste, machte Hück schließlich seinen Hauptschulabschluss ("Dort erkannte endlich ein Lehrer, dass ich gar nicht dumm bin", Focus, 26/2008). Mit 15 Jahren verließ er sein Heim und absolvierte von 1977 bis 1981 eine Lehre als Maler und Lackierer.

1982 bis 1987

Nach seiner Karriere als professioneller Thaiboxer heuerte Hück 1985 bei Porsche als Lackierer an. Drei Jahre zuvor trat er in die SPD ein und machte als streitbarer Vertreter bald auf sich aufmerksam. 1987 wurde er Vertrauensmann in der IG Metall.

1990 bis 2002

1990 rückte er in den Betriebsrat. Seit 1994 für diese Arbeit freigestellt, übernahm er 1997 den Vorsitz des Betriebsrats der Standorte Zuffenhausen und Ludwigsburg, bevor er 2002 zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats gewählt wurde.

2005

2005 handelte Uwe Hück einen Standortsicherungsvertrag der Porsche-Betriebe in Deutschland bis zum Jahr 2010 aus. Dieser sah eine Stellengarantie vor sowie Investitionen von gut 600 Millionen Euro.

Juli 2010

Nach schwierigen Verhandlungen erkämpfte der im März 2010 für weitere vier Jahre als Porsche-Betriebsratschef gewählte Hück dann im Juli 2010 eine weitere Jobgarantie für 8.600 Porsche-Beschäftigte bis 2015. Mit der Aushandlung der fünfjährigen Standortsicherung habe man nach seinen eigenen Worten "einen intergalaktischen Erfolg erzielt" und "die höchsten Investitionen in der Porsche-Geschichte festgeschrieben".

August 2010

2010 übernahm Hück bei der Porsche AG den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz. Nachdem er sich monatelang für das Stammwerk Zuffenhausen als Produktionsstandort des neuen Hybrid-Sportwagens "918 Spyder" eingesetzt hatte, bekam der Stammsitz vom Porsche-Aufsichtsrat Ende Juli 2010 schließlich den Zuschlag für den Bau des innovativen Drei-Liter-Wagens.

Oktober 2010

Im Vorfeld der Verhandlungen hatte Hück auf eine Beschleunigung der geplanten Ablösung des Wiedeking-Nachfolgers Michael Macht durch den designierten neuen Porsche-Chef Matthias Müller gedrängt, der bei den Gesprächen über die Standortsicherung auch schon mit am Tisch saß und nun bereits zum 1. Okt. 2010 seinen Dienst in Zuffenhausen antrat. "Arbeiterführer Hück blockiert den Konzern nicht, behält aber seinen Querkopf und zwingt Wolfsburg zu Zugeständnissen", wertete das Handelsblatt (22.7.2010) diesen Vorgang.

Hier hakt Hück ein: „Es geht doch gar nicht darum, dass ich Mitglieder besserstellen will“, erläutert er. „Ich will nicht, dass Mitglieder mehr bekommen; ich will, dass sie erst mal genauso viel bekommen wie Nicht-Organisierte.“ Hinzu komme, dass die Gewerkschaftsmitglieder durch Warnstreiks Einbußen hätten. „Die gehen beim Warnstreik eine Stunde raus und bekommen die Stunde vom Lohn abgezogen. Der Nicht-Organisierte geht arbeiten und bekommt die Stunde bezahlt.“

Schützenhilfe erhofft sich Hück von einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG). Das hatte 2009 geurteilt, dass der Arbeitgeber zwar keinen Unterschied beim Entgelt machen darf; dass es aber durchaus zulässig sei, eine Prämie für Gewerkschaftsmitglieder auszuhandeln. Warum die Gewerkschaften dieses mehrere Jahre alte Urteil nicht schon früher für sich entdeckt hätten, „verstehe ich selbst nicht“, sagt Hück. „Ich bin regelrecht erbost, dass wir das jahrelang hingenommen haben.“

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

joe

14.06.2013, 18:27 Uhr

Na dann bin mal gespannt , wann der erste AG diese Vorlage, zu recht , umdreht und nicht Gewerkschaftlern für das Nichtstreiken eine Prämie zahlt . Außerdem wieviel Lohnerhöhungen bekommen den Gewerkschaftmitarbeiter so???????

Nichtgewerkschafter

14.06.2013, 18:37 Uhr

...so ein Gelaber! Vermutlich nach einer Gewerkschaftsfeier mit Champagner in der Birne.

IckkotzimStrahl

14.06.2013, 18:48 Uhr

Wir fassen die Forderung mal anders formuliert zusammen: "Der Gewerkschaft gehen durch Mitgliederschwund die Mittel aus und daher möchte sie sich jetzt direkt durch den Arbeitgeber finanzieren lassen."

Ich hab mal eine andere Idee gegen diese Idioten in den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden: Jegliche Streikkosten (Produktivitätsausfälle, Gegenmaßnahmen etc.), die durch deren ständigen Schaukampf entstehen, werden direkt von den Verhandelnden bezahlt. Und zwar gerecht in Bezug zum jährlichen Gehalt aufgeteilt. Mal sehen, wie schnell man sich dann einigen kann.

Oder man legt eine feste Spanne in% fest vom niedrigsten zum höchsten Lohn gesetzlich fest und auszuschüttende Gewinne werden zur Hälfte auf die komplette Belegschaft nach Köpfen aufgeteilt und zur anderen Hälfte an die Aktionäre.

Oder man beteiligt mal die ganzen über Zeitarbeit ausgelagerten Billigarbeitsplätze. Oder oder oder...ich bekomme das Kotzen, wenn ich das Wort Gewerkschaft nur höre.

Ich bin sehr wohl der Meinung, dass JEDER an dem Erfolg einer Firma beteiligt sein sollte - aber Gewerkschaften sind bei diesem Ziel in keinster Weise konstruktiv.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×