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25.10.2013

15:09 Uhr

Porträt

Die vielen Gesichter des Sigmar G.

VonSebastian Schaal

Sigmar Gabriel ist beliebt in der Partei, denn er hat die SPD endlich wieder geeint. Mehr noch: Er lässt die Genossen mitentscheiden. Doch da gibt es auch noch eine andere Seite des SPD-Chefs.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ist beliebt bei den Genossen. dpa

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ist beliebt bei den Genossen.

DüsseldorfEs war der Moment seines größten Triumphs in den vergangenen Jahren, doch anstatt voller Freude das Ergebnis des Parteikonvents zu verkünden, tritt ein sehr ruhiger Sigmar Gabriel vor die versammelte Hauptstadtpresse. Müde, abgekämpft. In geradezu staatsmännischer Manier trägt der SPD-Chef vor, was die 229 Delegierten auf dem Konvent soeben entschieden hatten. Die Sozialdemokraten nehmen Koalitionsverhandlungen mit der Union auf. Wieder jene Große Koalition unter der Führung von Angela Merkel, an deren Ende mit 23,0 Prozent das schlechteste Wahlergebnis der Parteigeschichte stand.

Dass die Sozialdemokraten jetzt wieder kurz vor der Regierungsverantwortung stehen, ist das Verdienst von Sigmar Gabriel. Nach der bitteren Wahlniederlage 2009 übernahm er von seinem Vorgänger Franz Müntefering eine zerstrittene Partei. Gabriel war es, der die SPD wieder aufrichtete und die Partei hinter sich einte. Grabenkämpfe zwischen den unterschiedlichen Strömungen in der SPD konnte er erfolgreich unterbinden. Die SPD sprach wieder mit einer Stimme und nicht mit gegensätzlichen Aussagen aus dem konservativen Seeheimer Kreis und der Parlamentarischen Linken.

Zu Gabriels Erfolg gehört, dass er die SPD-Mitglieder mehr einbezieht. Die Basis konnte erstmals am Wahlprogramm mitschreiben. Die Aufnahme der Koalitionsverhandlungen mit den Schwarzen lässt Gabriel vom Parteikonvent abnicken und der Koalitionsvertrag soll sogar per Mitgliederentscheid abgesegnet werden. „Wir leben in Zeiten, in denen man als Partei den Mitgliedern nicht einfach etwas vorsetzen kann“, begründete Gabriel den Mitgliederentscheid. „Wer heute in einer Partei ist, der will auch etwas zu sagen haben. Die Zeiten, in denen eine kleine Gruppe an der Spitze einer Partei entscheidet, sind vorbei. Und das ist ganz gut so.“ Sigmar Gabriel, der Parteipolitiker.

Gabriel: Der unberechenbare Vizekanzler

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Die stärkere Einbeziehung der Parteimitglieder brachte Gabriel großen Kredit bei der Basis ein. Wegen dieser Beliebtheit ließen ihm die Genossen auch so manchen Alleingang durchgehen. Einzig SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wagte es einmal, gegen den Parteichef aufzubegehren. „Ich erwarte, dass sich alle – auch der Parteivorsitzende – in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen“, sagte Steinbrück im Juni dem „Spiegel“. So deutlich hat sich selten ein Spitzenkandidat über seinen eigenen Parteivorsitz geäußert. Aber in der Tat waren Gabriels unabgesprochene Vorstöße zu den Steuerplänen oder Tempolimit im Wahlkampf nicht gerade hilfreich. Die geschlossene Partei, die Gabriel selbst in den vergangenen Jahren geformt hatte, sah in der wichtigsten Phase des Jahres 2013 plötzlich gar nicht mehr so geschlossen aus. Dieser Aktionismus ist das andere Gesicht des Sigmar Gabriel.

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