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15.09.2011

06:59 Uhr

Porträt

Renate Künast – die Grundlinienspielerin

VonDietmar Neuerer

Renate Künast ist die Frontfrau der Grünen im Berliner Wahlkampf. Angetreten ist sie mit dem Ziel, Klaus Wowereit das Amt des Bürgermeisters abzujagen. Daraus wird wohl nichts, was nicht zuletzt an ihr selbst liegt.

Die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin, Renate Künast. dpa

Die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin, Renate Künast.

BerlinDie beiden sind ein ungleiches Paar – er schaut meist drein, als habe er einen Kobold verschluckt, sie gibt die Resolute, der man kein X für ein U vormachen kann. Klaus Wowereit und Renate Künast kämpfen beide um den Regierungsthron im Roten Rathaus. Doch beide werden es nicht schaffen, einer muss kleinbei geben. Und es wird, das ist jetzt schon so sicher wie das Amen in der Kirche, wohl der SPD-Mann Wowereit sein, der die Berliner Abgeordnetenhauswahl am Sonntag für sich entscheiden wird.

Für Künast ist das bitter. Denn noch vor wenigen Monaten gab man ihr gute Chancen, den SPD-Mann zu überrunden. Doch Künast hat es womöglich versiebt, weil sie nicht allzu große Distanz zur CDU erkennen ließ und sich in der Frage der Bündnisoptionen für die Grünen zunächst nicht klar positionierte. Inzwischen hat sie das klargestellt und sich zu einem Bündnis mit der SPD bekannt, sollte sich diese Konstellation nach der Wahl tatsächlich anbahnen. Ob diese späte Einsicht ihr und den Grünen nutzen wird?

Künast ist nicht gebürtige Berlinerin – anders als Wowereit, der in Berlin-Lichtenrade geboren wurde, kommt sie aus dem Westen. Aus Recklinghausen im Ruhrgebiet. Ihre Heimat hat sie geprägt. Dort hat sie Sozialarbeit studiert und ein Diplom erworben. Doch so einfach war das alles nicht. Die Stationen in ihrem beruflichen Werdegang musste sie sich Stück für Stück erkämpfen. Auch gegen den Willen ihrer Eltern musste sie sich durchsetzen. Sie sei 1955 in eine Gesellschaft hineingeboren worden, in der man nicht in Jeans ins Theater habe gehen können und in der die Frauen- und Männerrollen noch sehr scharf geregelt gewesen waren, beschrieb sie mal ihre Lebenswelt. Das Gegebene war für sie aber nicht dauerhaftes Gesetz.

Schon damals zeigte sich bei Künast der unbedingte Wille zur Veränderung. Ungerechte Zustände wollte sie nicht akzeptieren. Auch nicht, dass ihre Eltern für sie nur die Hauptschule vorsahen. Künast lehnte sich mit Hilfe ihrer damaligen Grundschullehrerin auf und durfte auf die Realschule. Eigensinnig setzte sie ihren Weg fort, ging auf die Fachoberschule und studierte. Seit 1977 lebt sie in Berlin, arbeitete als Sozialarbeiterin, wurde Juristin und mischte bei der Gründung der "Alternativen Liste" mit.

Kommentare (2)

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15.09.2011, 07:52 Uhr

Interessant ist eher die Frage, ob Frau Künast anch der grandios verlorenen Wahl in der Berliner Landespolitik bleibt oder ob sie sich wieder anderen Dingen zuwendet, wie seinerzeit eine Frau Pieper in Sachsen-Anhalt.

Daran wird man sehen, ob es Frau Künast ernst war/ist um Berlin oder ob die ganze Kandidatur nichts weiter ist, als ein riesen PR-Gag!

Account gelöscht!

15.09.2011, 09:37 Uhr

Die Grünen verstehen ihre Wähler noch immer nicht, das ist in Baden Württemberg so und in Berlin scheint es nicht anders zu sein. Die meisten Grünenwähler kommen eben aus dem bürgerlichen Lager und nicht aus irgendwelchen Kommunen. Deshalb werden sie auch gewählt um nachhaltige Politik für's Volk zu machen und nicht um Extremposition zu vertreten ...

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