Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.05.2012

15:31 Uhr

Prämien fließen selten

Krankenkassen rüsten sich lieber für Krisen

VonThomas Schmitt

Regierung und Aufsicht drängen die Krankenkassen, die Versicherten mit Prämien zu beglücken. Viele können das nicht, und einige wenige spielen auf Zeit. Denn ab 2013 könnte das Geld schon wieder knapp werden.

Ob bald mehr Krankenkassen Prämien zahlen? ZB

Ob bald mehr Krankenkassen Prämien zahlen?

DüsseldorfIm Gesundheitsfonds ist derzeit genug Geld. Für das vergangene Jahr rechnen Schätzer mit Überschüssen, auch im laufenden Jahr dürften die Einnahmen die Ausgaben mindestens decken. Das weckt Begehrlichkeiten in Berlin. Mit Blick auf die nächsten Wahlkämpfe drängen Politiker aus FDP und CDU, dass die Krankenkassen Überschüsse in Form von Prämien an ihre Versicherten zurückgeben. Denn nur wenige der rund 150 Krankenkassen tun das bisher.

Im Fokus steht derzeit vor allem die Techniker Krankenkasse (TK), die acht Millionen Menschen versichert und damit die zweitgrößte Krankenkasse im Lande ist. Die zuständige Aufsicht, das Bundesversicherungsamt (BVA), hat die TK sowie zwei kleinere Kassen, die Hanseatische Krankenkasse (HEK) und die IKK Gesund plus, schriftlich aufgefordert, darüber nachzudenken. Schließlich hätten die drei unerwartet viel Finanzvermögen aufgebaut.

IfW-Berechnungen: Sozialkassen machen 15 Milliarden Überschuss

IfW-Berechnungen

exklusivSozialkassen machen 15 Milliarden Überschuss

Nach Berechnungen des IfW kommt eine Milliarde mehr rein als im Vorjahr.

Die im Sozialgesetz festgelegte Höhe der Rücklagen von 1,5 Monatsausgaben werde bei allen drei Kassen „deutlich“ übertroffen, lautet das Argument. Nach einem Bericht der FAZ erwarten die Aufseher, dass die drei Kassen mindestens 5 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr ausschütten. Das würde für die insgesamt knapp 6,3 Millionen Kassenmitglieder der drei Institute einen Geldsegen von mehr als 360 Millionen Euro bedeuten.

Die Krankenkassen sind jedoch alles andere als begeistert von der Idee. Die Ausgaben für Krankenhäuser, Medikamente und Arzthonorare würden steigen, stellte der Spitzenverband in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fest. Gleichzeitig kündige die Regierung an, den Bundeszuschuss zu kürzen. Da habe er für die Prämien-Zurückhaltung der Krankenkassen großes Verständnis, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es, anders als in der privaten Krankenversicherung, keine Gewinnausschüttungen für Aktionäre. Deshalb sei jeder Euro, der heute als Überschuss bei den gesetzlichen Kassen liegt, in der Zukunft für die Versorgung der Versicherten da, sagte Lanz.

Die drei angeschriebenen Krankenkassen brüten nun darüber, wie sie mit der Bitte der Aufsicht umgehen. Zahlen sie etwas Geld aus und gönnen der Politik den Sieg? Oder spielen sie auf Zeit? Und riskieren im Zweifel eine Anweisung der Aufsicht und womöglich einen Streit vor Gericht?

Haushaltssanierung: Schäuble erhält Milliarden aus Krankenkassen-Reserven

Haushaltssanierung

Schäuble sichert sich Geld für Krankenkassen

Zwei Milliarden Euro sollen von den Krankenkassen zur Haushaltssanierung benutzt werden.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

SteuerKlasseEins

16.05.2012, 17:36 Uhr

Warum wird die Krankenkassen-Pflicht nicht einfach aufgehoben?

...und ich weiß was jetzt kommt, jetzt wird man sagen "was wäre im Fall des Falles". Dann zahlt man selber, und für den Fall daß man nicht zahlen kann, kann man dies entweder privaten Instituten überlassen die freiwillige Spenden entgegen nehmen, oder man schränkt die Krankenkassenpflicht auf eine mit hoher Eigenbeteiligung ein - damit würde der Beitrag massive nach unten gehen.

So wie die Dinge jetzt stehen - Zwang der Mitgliedschaft, hohe Beiträge im dreistelligen Bereich, geringe Gegenleistung - ist das Krankenkassenprinzip nichts weiter als eine Steuer-Abzocke.

MaWo

16.05.2012, 20:03 Uhr

@ SteuerKlasseEins,
das derzeitige System leistet Zahlung, die aus Steuermittel zu leisten wären und die nur teilweise erstattet werden.
Warum nicht solidarisch in Prozentpunkte vom Einkommen für eine Leistung nach der Prämisse; so viel wie nötig und so wenig wie möglich?
Da bleibt noch reichlich Platz für private Zusätze

Transparenz

16.05.2012, 20:41 Uhr

Überschüsse im Gesundheitsfonds!? Wer Bilanzen lesen kann, entdeckt den jährlichen Bundeszuschuss von ca. 15 Mrd. EUR! Richtig gelesen: Jährlich! Beweis auf der Homepage des GKV-Spitzenverbands bzw. des Gesundheitsministeriums für Gesundheit!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×