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15.03.2012

16:13 Uhr

Präsident in spe

Die Gauck-Agenda

VonDietmar Neuerer

Horst Köhler galt als Bürgerpräsident, Christian Wulff wollte mit dem Thema Integration punkten – und Joachim Gauck? Vorschusslorbeeren für ihn gibt es viele. Doch wie wird seine Agenda aussehen? Eine Spurensuche.

Joachim Gauck. dpa

Joachim Gauck.

BerlinJoachim Gauck hat gegenüber seinem Vorgänger Christian Wulff einen entscheidenden Vorteil – er hat bei der Wahl zum Bundespräsidenten am Sonntag keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten. Wulff brauchte drei Wahlgänge, um ins Amt zu kommen, Gauck dürfte schon nach dem ersten Urnengang als neues Staatsoberhaupt gewählt sein. Dann beginnt für ihn der Ernst des Lebens – zumal alle genau darauf achten werden, mit welchen staatstragenden Worten er seine Agenda umreißen wird.

Der Erwartungsdruck ist groß, zumal Gauck vor knapp zwei Jahren Wulff unterlegen war. Jetzt, da auch er weiß, dass seine Wahl eigentlich nur reine Formsache ist, ticken die Uhren anders. Umso wichtiger wird seine erste Ansprache im Bundestag sein. Bei Wulff hat sich sehr schnell angedeutet, dass Integration sein Leitthema werden würde. Und er wollte als großer Versöhner auftreten mit dem Ziel, die Gräben zwischen Bürgern und Politik, Parteien und politischen Institutionen zu schließen. Genau das erwartet nun auch die FDP von Gauck. Ob er den Wunsch derjenigen erfüllen wird, die ihm die erneute Kandidatur erst ermöglicht haben?

Dass Gauck kein Gefälligkeitspräsident werden wird, zeigte sich schon bei seinen Vorstellungsrunden. Auf die Frage, ob er FDP-Chef Philipp Rösler für die Unterstützung gedankt habe, sagte Gauck nach einem gut einstündigen Besuch bei der Liberalen-Spitze: „Nein, habe ich nicht. Es gab keine Runde Dankbarkeitsbezeugungen gegenüber der Freien Demokratischen Partei.“ Klare Worte des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers - freilich gerichtet an eine Partei. Interessant dürfte es dann werden, wenn Gauck sich an das gesamte Volk wendet.

In der Vergangenheit ist Gauck schon durch große Reden aufgefallen. Daran kann man in etwa ableiten, welches seine Grundlinien als Bundespräsident sein könnten. Im Sommer 2010 hielt er im Deutschen Theater in Berlin eine viel beachtete Rede, in der er zu mehr Bürgersinn aufrief und davor warnte, in Zeiten der Krise Freiheit und Demokratie in Frage zu stellen. Er schlug damals einen großen Bogen, erzählte auch von seiner Kindheit im Nationalsozialismus, seiner Sehnsucht nach geistiger Freiheit in der DDR-Diktatur und der ermutigenden Kraft der friedlichen Revolution von 1989. „Ich bin mir sicher, dass unser deutsches 'Yes, we can" das sächsische 'Wir sind das Volk' war“, sagte Gauck damals.

Kommentare (1)

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15.03.2012, 16:20 Uhr

Je mehr Gauck die aktuelle Politik stört um so liebr ist er mir dann. Ich hoffe auf viele tapfere Aussagen ! Er soll dicke Bretter bohren und ein dickes Fell haben.

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