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04.11.2016

16:41 Uhr

Präsidenten-Poker

Union muss Karten auf den Tisch legen

Formal machtlos, aber durchaus einflussreich: Das Amt des Bundespräsidenten ist das höchste im Staat, und die Erwartungen der Bürger sind hoch. Deshalb ist die Suche nach einem geeigneten Kandidaten auch so schwierig.

Nachdem er seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit bekannt gegeben hat, stellt sich nun die Frage, wer sein Nachfolger wird. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck

Nachdem er seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit bekannt gegeben hat, stellt sich nun die Frage, wer sein Nachfolger wird.

BerlinNoch sind es drei Monate bis zur Wahl des nächsten Bundespräsidenten, und von Zeitdruck zu sprechen wäre übertrieben. Aber es sind auch schon fünf Monate vergangen, seit Joachim Gauck seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit im Schloss Bellevue erklärt hat. Seitdem sind viele Namen durchgespielt und einige verbrannt worden. Am Sonntag wollen Union und SPD einen neuen Versuch unternehmen, doch noch einen gemeinsamen Kandidaten zu finden. Erfolgsaussichten höchst ungewiss.

Nachdem SPD-Chef Sigmar Gabriel seinen populären Parteikollegen und Außenminister Frank-Walter Steinmeier als besten denkbaren Bewerber präsentiert hat, sind Kanzlerin Angela Merkel und die Union unter Druck. Bei der SPD können sie dem Präsidenten-Poker im Kanzleramt entsprechend gelassen entgegensehen.

Das sind die möglichen Gauck-Nachfolger

Norbert Lammert

Norbert Lammert (67): Seit 2005 ist der CDU-Mann aus Bochum Präsident des Bundestages, der Umzug ins Schloss Bellevue wäre ein naheliegender Karriereschritt. Lammert gilt als wortmächtig und intellektuell brillant, was er andere auch gerne spüren lässt.

Ursula von der Leyen (

Ursula von der Leyen (57): Ihr Name fällt immer, wenn es um Spitzenämter geht, auch als künftige Kanzlerin ist die CDU-Frau im Gespräch. Schon 2010 war die amtierende Verteidigungsministerin als mögliche Kandidatin für das Präsidenten-Amt im Gespräch.

Volker Bouffier

Volker Bouffier (64): Früher eher dem rechten Flügel der CDU zugeordnet, führt er seit 2014 relativ geräuschlos und erfolgreich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen. Ein Signal für Schwarz-Grün auch im Bund also.

Frank-Walter Steinmeier 

Frank-Walter Steinmeier (60): Beinahe so etwas wie der natürliche Kandidat für das höchste Amt im Staate. Beliebt bei den Bürgern, angesehen über Parteigrenzen hinweg, diplomatisch erfahren. Aber hat ein SPD-Mann diesmal überhaupt eine Chance?

Martin Schulz

Martin Schulz (60): Der Präsident des Europaparlaments wird immer wieder genannt, wenn die SPD nach Kandidaten für Spitzenämter sucht. Doch abgesehen von der Schwierigkeit, eine Mehrheit zu finden: Kanzlerin Angela Merkel gilt nicht als Schulz-Fan.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer (53): Die CDU-Ministerpräsidentin aus dem Saarland genießt Ansehen auch bei der SPD und den Grünen. Sie ist linker und jünger als andere CDU-Kandidaten, und sie ist eine Frau.  

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann (68): Der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg ist nicht nur in seiner Heimat populär. Sein landesväterlicher Habitus könnte auch für die Rolle des Bundespräsidenten passen. Wenn sich Union und SPD nicht einigen können, wäre er ein Kompromiss.

Gabriel hat es der Union mit seinem öffentlichen Vorpreschen für Steinmeier nicht leicht gemacht. Um ihn als gemeinsamen Vorschlag mitzutragen, hätten CDU und CSU ihn wohl auch mitverkünden müssen. Nun sind jene Unionspolitiker intern in Stellung gegangen, die auf einen eigenen Kandidaten pochen. Nach dem Motto: Jetzt erst recht.

In Teilen von CDU und CSU wird eindringlich davor gewarnt, bei der Bundespräsidentenwahl am 12. Februar ein schwarz-rotes Signal für die Bundestagswahl zu geben. Viele Bürger hätten genug von der großen Koalition. Die Union müsse einen eigenständigen Kurs fahren.

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