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07.05.2014

10:07 Uhr

Preisniveau

In Deutschland lebt es sich teuer

Deutschland ist, was das Preisniveau angeht, eines der teuersten Ländern weltweit. Die Weltbank und das Statische Bundesamt bewerten 178 Länder. Überraschungen gab es insbesondere in Asien.

Euro-Münze aus einem Geldbeutel: In Deutschland zog die Inflation zuletzt wieder an. dpa

Euro-Münze aus einem Geldbeutel: In Deutschland zog die Inflation zuletzt wieder an.

BerlinIn Deutschland lebt es sich vergleichsweise teuer. Das Preisniveau liegt um 35,7 Prozent über dem Durchschnitt von 179 untersuchten Ländern, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. „Nur wenige außereuropäische Länder waren teurer“, erklärten die Statistiker. Dazu gehört Australien, wo die Lebenshaltungskosten 38,4 Prozent höher sind als in Deutschland. Auch in Japan (+27,9) und Kanada (+14,1) müssen die Verbraucher deutlich mehr hinblättern. Verglichen mit Europa liegt das deutsche Preisniveau dagegen nur leicht über dem Schnitt.

Anders fällt der Vergleich mit den boomenden Schwellenländern aus. In Indien zahlen die Verbraucher 71,8 Prozent weniger, in China und Russland jeweils 49,7 Prozent sowie in Südkorea 27,6 Prozent weniger. Auch in allen afrikanischen Ländern ist das Leben billiger als hierzulande, in Südafrika beispielsweise um 38,6 Prozent. In den USA leben die Verbraucher ebenfalls günstiger (-12,1 Prozent).

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Die Preise in Brasilien, dem Gastgeber der Fußball-WM, fallen um 12,8 Prozent günstiger aus als in Deutschland. „Generell reichten die Lebenshaltungskosten in allen am Vergleich beteiligten lateinamerikanischen Ländern nicht an Deutschland heran“, erklärten die Statistiker. Deren Untersuchung basiert auf Daten aus dem Jahr 2011, die von der Weltbank zusammengetragen wurden

Von

rtr

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.05.2014, 10:50 Uhr

Das ist doch dasselbe statistische Bundesamt, das uns seit Jahren Inflationsraten von um die 1% vorlügt, und dann auf einmal sollen wir eins der teuersten Länder der Welt sein? Da passt doch irgendwas nicht zusammen! meiner Erfahrung als Weltbürger nach, ist Deutschland eher günstig, sowohl im Vergleich zu Europa, wie auch weltweit, insbesondere den Amerikas und Australien. Und wären nicht die staatlich induzierten Preissteigerungen (Mietnebenkosten, Strom, etc) wäre es sogar richtig billig hier

Account gelöscht!

07.05.2014, 12:12 Uhr

Erstens lebt es sich teuer hierzulande (extrem hoch die Energie); zweitens wurden die Vorsorgevermögen der deutschen Bürger massiv entwertet und enteignet. Zusammen dürfte das Deutschland noch weiter nach hinten durchreichen. Ich frage mich nur, warum Millionen deutsche Bürger diese Politik der Blockparteien (Altparteien) wählen? Es gibt doch Alternativen, die etwas verändern könnten!

Account gelöscht!

07.05.2014, 12:26 Uhr

@kognitiver
Zur Zeit schönen die Statistiker die Inflation mit dem "hedonischen" Warenkorb. Zum Jahresende planen sie die neue Berechnung eines "hedonisch" gestalteten BIP. Dann geht es, nach guter alter DDR-Manier, bis zum Ende immer weiter aufwärts.

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