Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2005

17:02 Uhr

Preiswettbewerb setzt private Institute unter Druck

Genlabore hoffen auf größere DNA-Datei

VonChristoph Kapalschinski

Die Diskussion um die Ausweitung der Gen-Dateien lässt die privaten Labors hoffen, dass sich ihr Geschäft mit DNA-Proben, den forensischen Analysen, stabilisiert. Sinkende Preise und die Verlagerung der Tests in Polizeilabore setzen die Anbieter derzeit unter Druck. Einige kleinere Institute haben den Markt bereits wieder verlassen.

Speichelprobe für eine DNA-Analyse. Foto: dpa

Speichelprobe für eine DNA-Analyse. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Für die Testlabore in Deutschland wäre die Ausweitung der Gendatei eine Gelegenheit, mit besserer Kapazitätsauslastung dem Preisverfall entgegenzuwirken. „Bei einer möglichen größeren Ausweitung der DNA-Tests rechne ich mit einer großen Nachfrage bei privaten Anbietern“, sagt Engelbert Precht, Geschäftsführer des Gen-Labors Medigenomix in Martinsried bei München. Seit 1998 arbeitet das Labor für die Polizei, mittlerweile macht der Bereich knapp ein Drittel des Firmenumsatzes aus. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen für drei Landeskriminalämter (LKAs) etwa 15 000 Speichelproben analysiert und die anonymisierten Daten an die Behörden weitergegeben. Das Unternehmen könne seine Kapazitäten rasch von derzeit 1 000 auf 2 000 Proben in der Woche ausbauen, sagt Precht. „Ökonomisch wäre das für uns zur besseren Labor-Auslastung höchst willkommen." Derzeit sei der Bereich forensische DNA-Anlayse nur knapp profitabel.

Auf eine Ausweitung der Kapazitäten hofft auch Christiane Lauk vom Sachverständigen-Institut Dr. Lauk & Dr. Breitling. Die Zusammenarbeit mit vier LKAs macht etwa 20 Prozent ihres Geschäfts aus. „Für uns dient die forensische DNA-Analyse derzeit eher als Prestigefeld für den Qualitätsnachweis", sagt sie. Erst wenn beim gegenwärtigen Preisniveau die Umsätze steigen sollten, können der Bereich Gewinne erzielen. Obwohl die Landespolizeibehörden ihre eigenen Labore ausbauen, verzeichnet sie in den vergangenen Jahren konstante Aufträge. Den beiden großen deutschen Privatlabore aus dem Bereich macht der Preisdruck durch den europäischen Wettbewerb zu schaffen. „Wir würden auch gern im Ausland anbieten. Dort verhindert die Politik aber häufig den europäischen Wettbewerb“, bemängelt Precht.

Institut will Kapazitäten besser auslasten

So hat etwa Professor Richard Scheithauer von der Universität Innsbruck nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag aus Hessen erhalten. „Wirtschaftlich ist das für uns vollkommen uninteressant wegen der geringen Margen. Ich zweifle daran, dass alle Mitbewerber zu kostendeckenden Preisen anbieten“, sagt er. Dem staatlichen Institut gehe es vielmehr darum, die vorhandenen Kapazitäten auszulasten. Deshalb sei es wichtig, auf dem deutschen Markt Präsenz zu zeigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×