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15.01.2007

14:08 Uhr

Presseschau zur CSU-Führungskrise

„Der Sturz hat längst stattgefunden"

In den meisten Pressekommentaren wird kaum noch gefragt, ob Stoiber geht, sondern wie es dem bayerischen Ministerpräsidenten noch gelingen kann, seinen Abgang einigermaßen würdevoll zu gestalten. Die weitere entscheidende Frage lautet: Wer wird der Königsmörder?

Wie lange noch? CSU-Chef Edmund Stoiber schaut auf die Uhr. Foto: dpa dpa

Wie lange noch? CSU-Chef Edmund Stoiber schaut auf die Uhr. Foto: dpa

„Braunschweiger Zeitung“: „Wann tritt er ab? Heute? Morgen? Übermorgen? Wer ist der Königsmörder? Und wer wird der neue König? Das sind die Fragen, die sich nach den Ereignissen der vergangenen Tage stellen. Sollten wir Mitleid haben? Wenigstens ein wenig Mitgefühl für einen Mann, dessen Leben die Politik ist und der am Ende vor einem Trümmerhaufen steht? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. In der CSU-Spitze jedenfalls, im politischen Leben Bayerns und Berlins wird man Stoiber schnell abhaken. Ein paar anerkennende Reden, vielleicht eine Ehrenbürgerschaft, das wars.“

„Süddeutsche Zeitung": „Er will als Ministerpräsident weitermachen und das Land wie schon 2006 mit einer Serie von Regionalkonferenzen überziehen. Das zeigt allerdings nur, dass er den Bezug zur Realität verloren hat. Stoiber muss noch vor den Kommunalwahlen im Frühjahr 2008 gehen - so lautet inzwischen der Konsens in großen Teilen der Parteispitze. Nur will ihm das noch niemand öffentlich sagen. (...) Für die CSU kommt es nun darauf an, den Machtwechsel halbwegs im Konsens zu organisieren. Am Wochenende hat sich unter den CSU-Revoluzzern die Erkenntnis durchgesetzt, dass man einen Regierungschef nicht eben mal so vor die Tür stellen kann wie ein durchgesessenes Sofa.“

„Sächsische Zeitung“: „Seit dem selbst verschuldeten Hick-Hack um den Einzug als Superminister ins Bundeskabinett ist der Autoritätsverlust des CSU-Chefs rasant vorangeschritten. Es gibt nur noch einen, der die Demontage von Edmund Stoiber stoppen kann: Und das ist Stoiber selbst. Er täte gut daran, rechtzeitig vor der Wahl 2008 den geordneten Rückzug anzutreten, um wenigstens noch einigermaßen einen würdevollen Abgang hinzubekommen.“

„Fränkischer Tag“: „Der Sturz hat längst stattgefunden. Gestürzt ist nicht Stoiber, sondern seine Partei. 45 Prozent für die CSU in Bayern, das ist ein Warnsignal, dessen Stärke sich an einem unerhörten Faktum fest machen lässt: In der jüngsten Umfrage erreicht die Opposition eine Mehrheit. Eine Momentaufnahme, gewiss. Aber sie zeigt, wohin es führt, wenn eine Partei zur Erfüllungsgehilfin der Lebensplanung eines einzelnen, wenn auch bedeutenden Mannes wird.“

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