Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2010

10:00 Uhr

Privatschulen

Eltern wünschen sich mehr Wettbewerb

VonKerstin Schneider

Die Erfolgsgeschichte der Privatschulen in Deutschland setzt sich fort. Vor allem in Ostdeutschland werden sie als Alternative zu öffentlichen Bildungseinrichtungen immer beliebter. Eltern erwarten von den Schulen eine bessere Betreuung ihrer Kinder und eine internationale Ausbildung.

Für Privatschulen in Deutschland geht es seit Jahren aufwärts. Quelle: Pressebild

Für Privatschulen in Deutschland geht es seit Jahren aufwärts.

BERLIN. Der Boom der Privatschulen ist seit 20 Jahren ungebrochen. Im vergangenen Schuljahr besuchte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schon jeder 13. Schüler eine Privatschule; seit dem Schuljahr 1992/93 ist die Zahl der Privatschulen um 55 Prozent gestiegen. Die Erfolgsgeschichte könnte weitergehen, denn die Unzufriedenheit mit den staatlichen Schulen sorgt für Zulauf.

Mehr und mehr Eltern suchen nach Alternativen. Laut einer repräsentativen Studie im Auftrag des Verbands Deutscher Privatschulen würden 30 Prozent der Eltern ihre Kinder in eine Privatschule geben. Über 57 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass mehr Wettbewerb unter den Schulen die Qualität des Unterrichts verbessern würde.

Dabei geht die Meinung der Bildungsforscher weit darüber auseinander, wie groß der Schulerfolg an privaten Schulen wirklich ist. Auch die Klassengröße, die als Merkmal für die Qualität des Unterrichts gilt, war laut Statistik in öffentlichen und privaten Realschulen und Gymnasien im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 27 Schülern gleich groß. Der Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich von der Universität Mainz betont, dass es in Deutschland ein sehr heterogenes Privatschulgefüge gibt, das von reformpädagogischen Schulen bis hin zu internationalen Schulen mit sehr hohen Leistungsforderungen reicht.

Zwei Tendenzen prägen seiner Ansicht nach die aktuelle Entwicklung: In Ostdeutschland sind die privaten Alternativen zur staatlichen Schule beliebt, vor allem die Schulen in kirchlicher Trägerschaft und die Begabtenschulen. „Im Osten gibt es mehr kirchliche Schulen als im Westen“, so der Bildungsexperte.

Die Zahl der Privatschulen stieg dort von 2000 bis 2008 um 65 Prozent, während die Zahl der Schulen insgesamt wegen des Geburtenrückgangs um fast 30 Prozent sank. Vor der Wiedervereinigung hatte es im Osten kaum Privatschulen gegeben. Der zweite Trend betrifft vor allem in großen Städten die Internationalisierung: Bilinguale Schulen stehen auf dem Wunschzettel der Eltern ganz oben. Auch private Gymnasien folgen diesem Trend und bieten zweisprachige Züge an. Auch internationale Schulabschlüsse rücken mehr und mehr in den Fokus.

Nur 4,5 Prozent aller ausländischen Schüler gehen laut Statistischem Bundesamt in eine private Schule, weil sich nur wenige Eltern mit Migrationshintergrund das Schulgeld leisten können. Dabei ist das Einkommen der Eltern für die Schulwahl allein nicht entscheidend, wie Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung herausfanden. Der Bildungshintergrund der Eltern spielt eine größere Rolle: Zwölf Prozent der Eltern mit Abitur schickten ihre Kinder auf eine Privatschule; bei den Eltern mit Haupt- und Realschulabschluss sind es nur fünf Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×