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16.09.2012

22:03 Uhr

Pro Deutschland-Einladung

US-Hassprediger darf nicht nach Deutschland einreisen

Das Bundesinnenministerium will offenbar kein Risiko eingehen und verweigert dem amerikanischen Hassprediger Terry Jones vorsorglich die Einreise. Auch das Zeigen des Anti-Islam-Films müsse verhindert werden.

Terry Jones darf nicht nach Deutschland einreisen. dpa

Terry Jones darf nicht nach Deutschland einreisen.

Berlin/PassauDer US-Hassprediger Terry Jones darf nicht nach Deutschland einreisen. Ein entsprechender Erlass sei am Sonntag ergangen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Die rechtspopulistische und islamfeindliche „Bürgerbewegung pro Deutschland“ hatte angekündigt, die Möglichkeit zu prüfen, den Geistlichen nach Deutschland einzuladen.

Jones hatte im vergangenen Jahr dazu aufgerufen, Korane zu verbrennen und damit weltweit Proteste von Muslimen provoziert. Jones zählt auch zu den Unterstützern des Schmäh-Films über den islamischen Propheten Mohammed. Der Film „Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime) hat in vielen muslimischen Ländern zu gewalttätigen Protesten geführt, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Auch die deutsche Botschaft in Khartum war von aufgebrachten Muslimen gestürmt und in Brand gesetzt worden. Der Sudan hatte die Bundesregierung kritisiert, weil sie Demonstrationen von Pro Deutschland mit Mohammed-Karikaturen zugelassen hatte.

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Botschaftsangehörige wurden aufgefordert, das Land zu verlassen.

Zuletzt hatte es Hinweise gegen, wonach Jones in den kommenden Tagen von antimuslimischen Kräften in der Bundesrepublik - etwa Pro Deutschland und Pro NRW - eingeladen werden sollte. Auch Außenminister Guido Westerwelle hatte sich für das Einreiseverbot eingesetzt. Westerwelle sagte dazu: „Bei uns wird nicht über andere Kulturen und über andere Religionen hergezogen. Jedenfalls nicht ohne Konsequenzen.“ Die deutschen Justizbehörden würden alles tun, „damit hier kein falscher Eindruck in die Welt gesendet wird“.

Der Hassprediger Jones war weltweit bekanntgeworden, als er im März 2011 eine Koran-Ausgabe mit Kerosin tränkte und verbrannte. Diese Aktion hatte in der muslimischen Welt zu schweren Ausschreitungen geführt.

Eine Chronik islamistischer Anschläge auf US-Einrichtungen im Ausland

7. August 1998

Bei zeitgleichen Anschlägen auf die Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen, Tausende werden verletzt. Drahtzieher ist Osama bin Laden.

12. Oktober 2000

Bei einem Anschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole“ sterben im Hafen von Aden (Jemen) 17 Soldaten und zwei Täter, 39 Menschen werden verletzt. Hinter dem Anschlag steht eine mit Osama bin Laden verbündete Terrorgruppe.

14. Juni 2002

Vor dem US-Konsulat im pakistanischen Karachi explodiert ein Auto. Zwölf Pakistaner sterben. Im Februar hatte ein Attentäter vor dem Konsulat drei pakistanische Polizisten erschossen.

15. Oktober 2003

Bei einem Sprengstoffanschlag auf US-Bürger in den palästinensischen Autonomiegebieten sterben am Grenzübergang Eres drei Sicherheitsbeamte der US-Botschaft in Israel.

26. Mai 2004

Bei einer Explosion zweier Autobomben vor dem Pakistanisch-Amerikanischen Kulturzentrum im pakistanischen Karachi wird ein Polizist getötet.

6. Dezember 2004

Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im saudi-arabischen Dschidda werden fünf Konsulatsmitarbeiter und vier Attentäter getötet. Al-Kaida bekennt sich zur Tat.

18. März 2008

Bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Sanaa stirbt ein jemenitischer Wachmann. Daraufhin werden große Teile des Personals abgezogen.

9. Juli 2008

Bei einem Feuergefecht vor dem US-Konsulat in Istanbul sterben drei türkische Polizisten und drei der vier Angreifer. Die Männer werden Al-Kaida zugerechnet.

4. März 2011

Ein Kosovo-Albaner beschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bus mit US-Soldaten. Zwei Amerikaner werden getötet, zwei weitere schwer verletzt. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Als Motiv nennt er Rache für US-Angriffe auf Muslime.

12. und 13. September 2012

Als Reaktion auf ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed stürmen Muslime US-Botschaften in mehreren Ländern. Beim Angriff auf das Konsulat im libyschen Bengasi werden vier Amerikaner getötet, darunter der Botschafter. Ägyptische Demonstranten greifen die Botschaft in Kairo an. Im Jemen stürmen am folgenden Tag mehrere hundert Demonstranten die US-Vertretung in Sanaa. Drei Angreifer sterben.

Innenminister Hans-Peter Friedrich hatte am Wochenende nationalistische Gruppen und Organisationen in Deutschland davor gewarnt, durch Verbreitung des „unsäglichen Mohammed-Films“ Muslime in Deutschland zu provozieren. Dem müsse man Einhalt gebieten. Pro Deutschland verbreitet den Schmäh-Film auf ihrer Internetseite und hat angekündigt, ihn auch in Berlin zu zeigen. Im „Spiegel“ kündigte der Chef der rechtsextremen Splitterpartei Pro-Deutschland, Manfred Rouhs, an, den umstrittenen Film in voller Länge in Berlin präsentieren zu wollen.

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