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03.08.2015

17:36 Uhr

Professor Tacheles

Ein Loblied auf die Banken

VonMichael Wolffsohn

„Nieder mit den Banken“ rufen nicht nur griechische Demonstranten. Die Geldhäuser sind seit dem Ausbruch der Finanzkrise der große und verhasste Buhmann – auch in Deutschland. Das ist falsch, findet unser Kolumnist.

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Ich bekenne mich der Ketzerei schuldig. Ich singe das Hohe- beziehungsweise Loblied auf „die“ Banken. Wer wirft den ersten Stein? Sicher viele. Ich erwarte einen Steinhagel. Doch Vorsicht, Steinewerfer: Ihr sitzt, wie Millionen Griechen, im Glashaus.

Die haben bis vor drei Wochen noch heftiger als ihr „Nieder mit den Banken!“ gebrüllt. Die jammerten seit Ausbruch der Großen Finanzkrise, 2007, auch darüber, dass „nur die Banken“, die Starken, auf Kosten der Schwachen und Armen gerettet wurden. Manche Griechen ergänzten ihren Bann- und Bankenfluch noch um die skandalöse, nicht hinnehmbare Nazifizierung Deutschlands, der Deutschen, Schäubles und Merkels. Das aber war nur die nationalgriechisch-folkloristische Variante des weltweiten Bankenhasses.

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Dass es seit 2007 so manche bis dahin schwergewichtige Bank (wie Lehmann Brothers) nicht mehr gibt, ist kein leichtgewichtiges Argument. Aber sei´s drum. Unbestritten sind Banker keine sanft Hosianna oder Halleluja singenden Kirchenchor-Knaben. Ebenso unbestritten sind zahllose Rechtsbrüche vieler Banken. Auch der Deutschen Bank – die das inzwischen zugibt, mehrfach verurteilt wurde und sich reumütig zeigt. Sie ist es vielleicht, zumindest hoffentlich. Man wird sehen. Es läge in ihrem eigenen Interesse, denn ohne Vertrauen kann keiner langfristig Geld verdienen, verwalten, verleihen und bekommen. Dazu passt der jüngste Aufruf einer Gruppe hochrangiger Banker, die die Finanzindustrie dazu anhält, stärker auf die Moral zu achten.

Hand aufs Herz: Sind allein „die“ Banken Rechtsbrecher? Gibt es nicht zahlreiche andere? Auch Richter, also Rechtsprecher, biegen hier und dort das Recht. Selbst das Bundesverfassungsgericht sagt zur selben Sache gestern (2003) hü und heute (2015) hott. Siehe Kopftuchurteil(e).

Man muss sich schon bald fragen, welche deutsche Rechtsbehörde, welche Staatsanwaltschaft, keine Vertraulichkeiten und Gerüchte illegal und indiskret an die Öffentlichkeit durchsickern lässt.

Kommentare (35)

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Herr Werner Wilhelm

03.08.2015, 18:04 Uhr

Banken sind wichtig, ohne Frage. Und das Herumhacken auf ihnen ist falsch, auch wenn in jüngster Zeit viele Schweinereien aufgedeckt wurden und hohe Strafen bezahlt werden mussten.

Trotzdem: Es würde der Staat für seine Verschuldung keine privaten Gläubiger benötigen. Man könnte sich auch direkt von der Zentralbank das Geld leihen, zu 0,05 % Zinsen versteht sich. Für die monetäre Staatsfinanzierung benötigt es aber Vernunft. Und die ist nicht da, leider.

Herr Peter Spiegel

03.08.2015, 18:12 Uhr

Warum sollte die Gesellschaft für ihr eigenes Geld Zins bezahlen ?

Herr Johnny Ringo

03.08.2015, 18:27 Uhr

Herr Wolffsohn schreibt hier und in der BLÖD immer den selben Quark. Unlesbarer geistiger Durchfall.

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