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09.02.2015

10:07 Uhr

Professor Tacheles zu Griechenland

Wer H wie Hitler sagt...

VonMichael Wolffsohn

... muss auch die eigene Geschichte berücksichtigen. Doch Griechenland schwingt die Moralkeule gegen Deutschland. Und dabei nimmt es Finanzminister Yanis Varoufakis mit der Wahrheit nicht immer genau.

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Ministerpräsident Alexis Tsipras, seiner nur aus Männern bestehenden Ministerriege und vielen Griechen passt das EU-„System“ nicht. Vor allem das EU-Finanzsystem passt ihnen nicht. Noch präziser: Es passt ihnen nur solange sie etwas bekommen. Symbol, Hort und Ort des nicht nur gebenden, sondern auch fordernd mahnenden EU-Finanzsystems ist in ihren Augen Deutschland. Und weil das EU-Finanzsystem geknackt werden soll, muss aus dieser Sicht Deutschland geknackt werden.

Die antideutsche, letztlich antieuropäische Speerspitze der neugriechischen Männer-Phalanx ist jetzt Finanzminister Yanis Varoufakis. Obwohl Mathematik-Professor, nimmt er es mit Genauigkeit und Wahrheit nicht wirklich genau. Ganz so sicher wie sich die reine Männerriege aus Athen gibt, ist sie freilich nicht. Außer ihren finanz- und außenpolitischen Waffen bedient sie nämlich – Geschichte verfälschend – der (Pseudo-)Moralkeule. Ohne Frau Merkel oder die CDU/CSU/SPD-Koalition ausdrücklich mit den Nazis zu vergleichen, nähert sich Varoufakis dem H-Wort, also der deutschlandpolitischen Atombombe, durchaus. Zum Beispiel in Interviews mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der ARD.

O-Ton Professor/Minister Varoufakis: „Wenn ich so etwas höre, denke ich manchmal, dass Europa aus der Geschichte nichts gelernt hat“, sagte er. Deutschland habe nach dem Ersten Weltkrieg den Vertrag von Versailles unterschrieben. „Aber dieser Vertrag war schlecht…. Europa wäre viel Leid erspart geblieben, wenn er gebrochen worden wäre…Selbst der berühmte britische Ökonom John Maynard Keynes habe damals schon gewarnt, dass es keine nachhaltige Strategie sei, ein Land in den Ruin zu treiben….Wenn wir glauben, dass die Rettungspolitik ein Fehler war, müssen wir sie ändern.“

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Fakt ist: Der Versailler Vertrag sollte Deutschland schwächen. Die Griechenlandpolitik der EU und Deutschlands will Griechenland helfen. Sie hilft Griechenland. Ohne sie bekämen noch weniger Griechen ihren Lohn. Fazit: Der Professor stellt die Wahrheit von den Füßen auf den Kopf.

O-Ton Professor/Minister Varoufakis: „Und wenn ich in mein Parlament zurückkehre, dann werde ich dort neben einer Nazi-Partei sitzen, die drittgrößte Partei in Griechenland. Ich bin mir sicher, dass Sie, dass Dr. Schäuble, Frau Merkel und jeder in Deutschland sich solidarisch zeigt. Es ist nicht im Interesse Deutschlands oder Griechenlands, dass diese Situation schlimmer wird. Denn seien wir ehrlich: Der Nationalismus verbreitet sich und kontaminiert Europa. Wir möchten nicht noch einmal die postmodernen 30er-Jahre auf diesem Kontinent erleben.“

Fakt ist: Herr Kollege Varoufakis, ein ganz linker Linker, Dunkelroter, führt mit einer ganz rechten, politisch durchaus angebräunten Partnerin eine politische Ehe. Eine Zweckheirat. Im Parlament sitzen er und andere Rote mit angebräunten Partnern auf der Regierungsbank und im Kabinett am selben Tisch. Trotzdem (oder gerade deshalb) besitzt er die Chuzpe, „Dr. Schäuble, Frau Merkel (übrigens auch Dr.)“ und jeden in Deutschland (also uns alle) für griechische Neu-Nazis verantwortlich zu machen.

Kommentare (60)

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Herr walter danielis

09.02.2015, 10:17 Uhr

Die Nazikeule funktioniert immer. Das weiß jeder, der von Deutschland etwas fordert. Die Deutschen selbst haben die Nazikeule im Angebot. Sie muß nur abgerufen werden. Es wird auch hier funktionieren

Herr Marc Otto

09.02.2015, 10:19 Uhr

Ich freue mich, dass wir bald ein freies Griechenland haben werden.

Herr Marc Otto

09.02.2015, 10:21 Uhr

Frei vom Euro, wo sie sich nur mit Betrug hereingerettet hatten. Und seit dieser Zeit haben sie EU Gelder abgezogen, wie ein Vampir.Wir sollten dieses Unrecht endlich beenden und Griechenland in die Euero-freie Gerechtigkeit entlassen. Es ist nicht gut, wenn dieses Unrecht nicht bald beendet wird.

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