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12.04.2012

11:45 Uhr

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Die Falle der Piraten

VonDietmar Neuerer

Ihr Umfrage-Höhenflug bringt die Piraten in die Bredouille. Jetzt müssen sie mit Inhalten punkten, wenn sie langfristig überleben wollen. Doch die Polit-Neulinge tun sich schwer, ihre Rolle zu finden.

Ein Pirat ballt die Fäuste. dpa

Ein Pirat ballt die Fäuste.

BerlinDamit haben die Piraten nicht gerechnet. Aus dem Stand holten sie bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 8,9 Prozent und zogen erstmals in ein Landesparlament ein. Mit einem Schlag waren die Polit-Freibeuter in der politischen Wirklichkeit angekommen. Seitdem stehen sie unter einem gewaltigen Erwartungsdruck. Täglich werden sie mit den Mühen des Politikbetriebs konfrontiert, und sie müssen beweisen, dass sie wirklich als neue politische Kraft gebraucht werden.

Dass die Wähler die Polit-Neulinge wollen, zeigt nicht nur die Landtagswahl im Saarland, wo die Piraten ebenfalls auf Anhieb den Sprung ins Parlament schafften. Man kann ihren Siegeszug auch in den Woche für Woche veröffentlichten Umfragen der Meinungsforschungsinstitute beobachten. Zuletzt kam die Piratenpartei in einer Erhebung von Forsa auf 13 Prozent und wäre damit drittstärkste Kraft hinter Union und SPD bei einer Bundestagswahl.

Und auch bei der Mitgliederzahl legen die Piraten kräftig zu: Die junge Partei kann sich vor Eintrittsanträgen kaum retten. Am Donnerstag nahmen die Piraten das 25.000ste Mitglied auf. Vor einem Monat hatte die Partei ihre Anhängerzahl noch mit 21.600 angegeben.

Wie ist dieser Erfolg zu erklären? Experten sind überzeugt, dass die Medien-Aufmerksamkeit den Piraten sehr geholfen hat, in der politischen Landschaft Fuß zu fassen. Außerdem hat sich die Partei von ihrem Markenkern, der Netzpolitik, gelöst und Transparenz zum Thema gemacht. Ihr politischer Einfluss wird zwar als nicht besonders dramatisch eingeschätzt. Aber die Partei könne die Parlamente als Bühne für ihre Forderung nach Transparenz nutzen. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus.

Das Geheimnis der Piraten: Ihr „Kapitän“ erklärt

Video: Das Geheimnis der Piraten: Ihr „Kapitän“ erklärt

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Die Piraten hängen, so scheint es, in der Erfolgfalle fest. In Berlin jedenfalls waren sie auf die professionelle Politik-Arbeit nicht wirklich vorbereitet. Auch heute wirken die Piraten noch oft überfordert, verheddern sich in Regularien, ringen um die Formulierung von Anträgen und ihre Auftritte im Plenum. Doch am meisten kämpfen sie mit sich selbst. Den Strick haben sich die Piraten selbst gedreht. Ihr Hauptanliegen, Politik transparent zu gestalten, macht jeden Fehler, jedes Streiten um Macht und Ämter, jedes Skandälchen sofort im Netz publik.

Ist also nicht alles gold, was glänzt bei den Piraten? Wo ihre Schwachstellen, wo ihre Pluspunkte sind und wie die anderen Parteien damit umgehen, zeigt der folgende Überblick.

Kommentare (49)

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Holzauge

12.04.2012, 10:16 Uhr

Der Weg ist das Ziel; die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger in der Politik umzusetzen ist erst einmal Programm genug.

Weg von der Hinterzimmerdiktatur der von Antidemokraten unterwanderten "Volkspartein" und hin zu echter Demokratie, die Schweiz als Vorbild.

Deutschland und Europa brauchen den offenen Wettbewerb der Ideen und nicht die geistige Behinderung durch Zensur.

vandale

12.04.2012, 10:17 Uhr

Die Piraten sind, soweit mir deren Programm bekannt ist, eine weitere Linkspartei. Somit wird Sie irgendeinen Aufhänger benötigen um sich die Gunst einer linken Wählerschaft zu erkämpfen. Die Grünen stehen für einen Oekofundamentalismus, die SPD für "Soziale Gerechtigkeit" die Linkspartei für "noch mehr soziale Gerechtigkeit". Die CDU sucht die anderen Linksparteien zu überhololen, Herr Röttgen ist ökoreligiöser als Trittin, Frau V. d. Leyen radikalfeministischer als ihre linken Pendants.

Insofern bleibt den Piraten der freie Internetzugriff und die Aufhebung der Urheberrechte.

Schade, dass es keine Partei gibt, die nicht nach links strebt.

Vandale

Account gelöscht!

12.04.2012, 10:33 Uhr

Ich denke wir brauchen sehr sehr direkte Demokratie, mehr nicht! Aber zuerst müssen diese grossen PArteien weg denn so lange diese regieren, wird sich in diesem Land nichts ändern und man wird andere auch nichts ändern lassen. Normal wäre eine Revolte längst überfällig aber die Geschichte zeigt dass der dumme deutsche Michel ALLES aber auch wirklich ALLEs mitmacht bis nichts mehr steht. Aufstehen tut er nicht, er lässt sich sogar grinsend schlachten wenn es sein muss. Die Schweiz wäre ein sehr gutes Vorbild in dessen Richtung man streben sollte.

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