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10.08.2012

15:27 Uhr

Prominente fragen die Kanzlerin

Angela Merkel ganz privat

VonMaike Freund

Wonach duftet die Kindheit der deutschen Kanzlerin? Wie lässt Frau Merkel Dampf ab? Und welche Sportart hatte die DDR für sie in ihrer Kindheit vorgesehen? Alles, was Sie schon immer über Angela Merkel wissen wollen.

Von Angela Merkel ist wenig Persönliches bekannt.

Von Angela Merkel ist wenig Persönliches bekannt.

DüsseldorfVielleicht liegt es daran, dass man von ihr privat so wenig weiß. Nur selten gibt es ein Foto, das Angela Merkel nicht offiziell, akkurat, als Staatsfrau zeigt. Nur selten eine Äußerung darüber, wie die Bundeskanzlerin die wenige private Zeit verbringt. Vielleicht liegt es also daran, dass man so gespannt auf die Antworten der Prominentenfragen ist. Angela Merkels Lieblingsfilm? Jenseits von Afrika. Jenseits von Afrika? Wirklich? Diese Romanze? Naja, warum nicht.

Dass die Deutschen nun ein wenig mehr wissen über das, was ihre Kanzlerin so denkt, ist dem SZ Magazin zu verdanken. 37 prominente Deutsche durften der Kanzlerin eine Frage stellen –über alles, was sie von Angela Merkel schon immer wissen wollen. Egal ob politisch oder persönlich. Und so sind die Fragen eine Sammelsurium aus Kindheitserinnerungen, Euro-Krise und allerlei Persönlichem. Und die Kanzlerin hat geantwortet. Was dabei herausgekommen ist, macht Spaß zu lesen:

An welchem Ort würden Sie morgen Früh gerne aufwachen? Zu Hause in der Uckermark. Wovor haben Sie Angst? Bei einem Gewitter ungeschützt zu sein. In der DDR wurden die Kinder einer sportlichen Frühsichtung unterzogen. Zu welcher Erkenntnis ist man Ihnen gelangt? Ich war erkennbar so wenig begabt, dass man mich für keine Sportart für geeignet hielt. Wie ist der Geruch ihrer Kindheit? Kiefern und Heu und im Herbst der Duft der Kartoffeln im Kartoffeldämpfer.

Andere Fragen beantwortet die Kanzlerin noch glatter. Vor allem, wenn es um Politisches geht, sagt sie wenig Überraschendes: Ihr politischer Traum ist es, dass Deutschland und Europa stabil, erfolgreich und der Welt gute Partner sind – das könnte sie auch auf einem der vielen Gipfel gesagt haben. Und wenn sie keine Rücksicht auf Wählerstimmen nehmen müsste? Auch dann sei es in der Demokratie immer notwendig, Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Ihr ist nichts zu entlocken, was auch nur ein Hauch unkorrekt wäre, geschweige denn verrucht wäre. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass sie antwortet, was sie wirklich denkt. Dass die Kanzlerin authentisch ist.

Fakten zur Kanzlerin

A wie Abflug bis F wie fotografisches Gedächtnis

A wie Abflug: Die Flüge der Kanzlerin gehen fast immer in Tegel ab. Allerdings vom militärischen Teil, Avenue Jean Mermoz, praktisch gegenüber des Terminals für den Publikumsverkehr. Den Sicherheitscheck übernimmt die Bundeswehr, ansonsten das gewohnte Bild: Die Aufgeregten rennen schnell noch mal aufs Klo, die Raucher pumpen sich die Lungen voll Nikotin.

B wie Bodyguards: Für die Sicherheit der Kanzlerin ist auch auf Reisen gesorgt. Männer und Frauen des Bundeskriminalamtes passen auf, dass nichts passiert. Sie tun das mit bewundernswerter Geduld, bleiben auch bei großem Stress immer höflich. Was schon eine Leistung ist, wenn plötzlich im Ausland Horden von Journalisten auf die Kanzlerin zustürzen.

F wie fotografisches Gedächtnis: Im Flugzeug bekommen die mitreisenden Journalisten immer auch ein Briefing durch die Kanzlerin. Merkel hat dabei alle wichtigen Aspekte im Kopf. Was schon zu der Vermutung geführt hat, sie müsse über ein fotografisches Gedächtnis verfügen.

H wie Hintergrundgespräch bis P wie Parade

H wie Hintergrundgespräch: Eine gute Gelegenheit, mit der Kanzlerin auf Reisen auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Dutzend Journalisten, Merkel, ihr außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, der Regierungssprecher, sowie eine Chefin oder ein Chef vom Dienst des Bundespresseamtes quetschen sich im Flugzeug in einen geschätzt fünf Quadratmeter großen Besprechungsraum. Auf dem Hinflug geht es dabei meist um die Vorbereitung aufs Reiseziel, auf dem Rückflug werden auch innenpolitische Themen angesprochen.

J wie Joachim Sauer: Merkels Ehemann ist selten bei Reisen dabei. Warum sollte er auch, schließlich hat er seinen eigenen Job. Der Professor für physikalische und theoretische Chemie an der Humboldt-Universität gilt national und international als einer der besten Wissenschaftler im Bereich der Quantenchemie und ist selber oft unterwegs. Zuletzt war er im Juni mit dabei, als seine Frau im Weißen Haus in Washington von US-Präsident Barack Obama die „Medal of Freedom“ überreicht bekam.

K wie Kanzlermaschine: Eine der „Kanzlermaschinen“ ist die Konrad Adenauer. Früher flog ein Airbus A 310 unter diesem Namen, seit März ist es ein Airbus A 340. Die alte „Konrad Adenauer“ ist aber immer noch ganz flott und bleibt wohl bis 2013 im Dienst. Mitte Oktober nutzte Merkel diese Maschine bei ihrer Reise nach Vietnam und in die Mongolei, weil die Landebahn in Ulan Bator für den A 340 zu kurz gewesen wäre. Bei der Reise machte die Maschine ohnehin was mit. Von 78 Stunden Reisedauer wurden 34 im Flugzeug verbracht.

P wie Parade In vielen Ländern wird die Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. Merkel muss dann die Ehrenformation an Soldaten abschreiten, besonders ergiebig war das in Kenia, wo der Paradeweg über 100 Meter lang war. Manchmal geht es auch schneller, bei Zeremonien am Flughafen etwa. Oder wenn das Wetter schlecht ist.

R wie Reisepass bis U wie Unternehmer

R wie Reisepass: Wird auch auf Kanzlerreisen benötigt. Die Mitarbeiter der Kanzlerin verfügen in der Regel über Diplomatenpässe. Darüber hinaus sitzen alle Reisenden wie auf normalen Flügen auch mit gerunzelter Stirn gebeugt über irgendwelchen Einreiseformularen.

S wie Steffen Seibert: Der Regierungssprecher ist bei Auslandsreisen immer dabei. Meist twittert er die Ankunft in einem fremden Land schon, wenn die Maschine noch ausrollt und hält auch danach Journalisten wie Internet-Gemeinde auf dem Laufenden. Siehe auch C und D.

U wie Unternehmer: Ab und an nimmt die Kanzlerin neben den Journalisten auf ihre Auslandsreisen auch eine Wirtschaftsdelegation mit. Deren Mitglieder verhandeln dann vor Ort, manchmal geht der Schuss nach hinten los. So bei der Afrika-Reise Merkels im Juni, als Meldungen über die geplante Lieferung von Patrouillenbooten nach Angola für Schlagzeilen sorgten.

Y wie Yellow Press bis Z wie Zahlungsanweisung

Y wie Yellow Press: Der Glamour-Faktor bei Merkel-Reisen ist eher gering. Die Boulevardpresse kommt nicht so zum Zuge. Dass sie auch Glamour kann, zeigte Merkel aber im schicken langen Abendkleid beim Staatsbankett in Washington mit Gästen wie Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann.

Z wie Zahlungsanweisung: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Journalisten auf Reisen von Angela Merkel für lau mitreisen dürfen. Flug und Hotel zahlt jede Redaktion selbst.

Manchmal sind die Antworten humorvoll: Zum Beispiel, wenn sie sagt, sie schätze an Hanelore Kraft, dass sie sich auch für Fußball interessiere. Und auf die Frage: Haben Sie eine Witz auf Lager?, lautet die schlichte Antwort: „Ja, immer.“ Schade nur, dass sie keinen erzählt.

Schöne Antworten sind dabei, zum Schmunzeln auch mal berührend. Manche sind sachlich, andere knapp und präzise. Sie lassen den Leser vielleicht ein wenig mehr davon erhaschen, wie der Mensch Merkel tickt – neben der offiziellen Figur der Kanzlerin. Übrigens: Der größte Mist, den die Kanzlerin als Jugendliche je gebaut hat, ist mit ihrem neuen Trainingsanzug aus einem Westpaket in eine harzige Baumhöhle zu kriechen. Irgendwie ganz schön brav.

Kommentare (50)

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PeterShanghai

10.08.2012, 16:04 Uhr

Ich bin froh, dass wir so eine unprätentiöse Kanzlerin haben! Ihre Antwortensind sehr menschlich! Deutschland, Du hast es gut!

Betterbanker

10.08.2012, 16:57 Uhr

Leute wie Silvercoin82 sind es, die mit haßerfüllten, aber dafür inhaltslosen Beiträgen Bloggs zur Sinnlosigkeit verkommen lassen.
... schweigen ist manchmal auch in der Anonymität des Netzes die bessere Alternative.

Edelzwicker

10.08.2012, 17:06 Uhr

Ja, ihre Antworten sind sehr menschlich, weil sie eine intellektuelle Flachzange ist, die mit ihrem schmalspurigen Sprachschatz und ihren Plattitüden ("Scheitert der Euro, scheitert Europa!") noch den letzten Klappstuhl "alternativlos" erreicht.
Aber sie ist ganz sicher "auf einem guten Weg!"

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