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05.08.2014

15:30 Uhr

Protokoll einer Veröffentlichung

Israel-Artikel = Spam-Rekord?

VonMaike Freund

Artikel über Juden, Israel oder Antisemitismus? Bloß nicht mit Kommentarfunktion! Denn die Reaktionen überschreiten regelmäßig alle Grenzen. Dachten wir. Doch dann wurden wir überrascht.

Nicht alle Artikel bei Handelsblatt Online entsprechen der Nettikette. Andreas Labes für Handeslblatt

Nicht alle Artikel bei Handelsblatt Online entsprechen der Nettikette.

Düsseldorf„Beim Israel-Artikel ist noch die Kommentarfunktion an!“ Jeder bei uns im Newsroom bei Handelsblatt Online kennt diesen Zuruf. Jeder weiß, was dann zu tun ist: besonders aufpassen. Denn bei solchen Beiträgen werden in den Kommentarspalten, neben ausgewogenen Meinungen, leider regelmäßig die Grenzen zu Antisemitismus und Volksverhetzung überschritten. „Keine Kommentarfunktion“ einzustellen ist dann häufig das einzige Mittel, das gegen eine solche Flut hilft.

Es liegt nicht unbedingt in der Zahl der Kommentare, wohl aber im Inhalt. Denn von Beleidigung bis Rechtsverstößen, von Propaganda bis falschen Tatsachenbehauptungen kann man dort alles finden, was nichts mehr mit Diskussionskultur zu tun hat.

Wir haben lange mit uns gerungen und diskutiert: Was machen wir mit dem Artikel über den deutschen Juden André, der täglich in Deutschland Antisemitismus zu spüren bekommt? Der Beschimpfungen wie „Scheiß-Jude“ und „Kindermörder“ von wildfremden Menschen ertragen muss. Und der mutig genug ist, davon zu erzählen? Wir haben ein Experiment gewagt – und die Kommentarfunktion zugelassen.

Antisemitismus in Deutschland: „Oh, guck mal, ein Jude!“

Antisemitismus in Deutschland

„Oh, guck mal, ein Jude!“

„Kindermörder“, „Juden-Schwein“: André ist fassungslos, wenn er mal wieder beschimpft wird – weil er Jude ist. Mit „neuem Antisemitismus“ hat das nichts zu tun. Denn beleidigt wird er nicht erst seit dem Gaza-Konflikt.

Dann laufen doch die ersten Kommentare ein. „In Deutschland gibt es einen Antisemitismus, getragen aus der Politik“, glaubt ein Leser (Anmerkung der Redaktion: Die Zitate wurden zum Teil grammatikalisch, jedoch nicht inhaltlich verändert). „Der junge Jude kann nichts für Israels Politik, das ist auch meine Meinung.... Aber die kleine Minderheit an Juden kann bei uns nicht so leben und sich zeigen, wie Muslime es können.“

Ein anderer meint: „Was kann der junge Mann für die menschenverachtende Politik des israelischen Staates?“ Und ein weiterer Leser schreibt: „Es war schon immer schwierig, Religion und Politik auseinander zu halten und derzeit ganz besonders. In einer Woche, in der täglich über neue Gräuel der israelischen Armee berichtet wird ist es naheliegend, dass eine Kippa als Solidaritätsbekundung für diese Taten (miss)verstanden wird. Mit neuem Antisemitismus hat das nichts zu tun. Ich würde mir wünschen, dass André seine Kippa weiterhin trägt, aber gleichzeitig seine Distanzierung von der israelischen Politik zum Ausdruck bringt. Ein Jude mit Kippa und Palästinensertuch – ich würde ihn auf offener Straße umarmen.“

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