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30.10.2014

16:00 Uhr

Prozess

Syrien-Rückkehrer bei Kämpfen „meistens hinten“

Ein Frankfurter Schüler zog nach Syrien, um gegen das Assad-Regime zu kämpfen. Vor Gericht hat sich der 20-Jährige jetzt erstmals zu seinem Motiv und seinen Einsätzen geäußert. Trotzdem bleibt noch vieles unklar.

Kreshnik B. (Mitte) wird die Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. dpa

Kreshnik B. (Mitte) wird die Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen.

Frankfurt/MainIm ersten deutschen Prozess gegen einen mutmaßlichen Kämpfer der Terrormiliz IS hat der angeklagte Syrien-Rückkehrer erstmals ausgesagt. Der 20-Jährige räumte auf Fragen des Staatsschutzsenats ein, in einem syrischen Militärlager 2013 eine Ausbildung am Sturmgewehr absolviert zu haben und bei Kampfeinsätzen dabei gewesen zu sein. „Ich habe aber nicht auf Leute geschossen“, sagte Kreshnik B. am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.

Er habe bei den Einsätzen „meistens hinten“ gestanden und mit anderen Europäern den Rückzug gesichert. In kleinen Gruppen habe er auch Wachdienste an Häusern und Straßensperren geschoben. „Ich habe nicht gekämpft“, sagte der Deutsche mit Wurzeln im Kosovo, der in Frankfurt Fachabitur machen wollte. In einem Ausbildungslager habe er kostenlos Kleidung und Essen und zeitweilig auch eine Kalaschnikow bekommen.

Zu seinem Motiv, in Syrien zu kämpfen, sagte der Angeklagte: „Ich wollte meine Brüder unterstützen.“ Ziel sei der Sturz des Assad-Regimes gewesen. Er wünsche sich noch immer, als Märtyrer im Kampf gegen dieses Regime, gegen Tyrannei und Unterdrückung zu sterben, formulierte er mit Hilfe seines Anwalts.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Er habe Syrien auf eigenen Wunsch mit Hilfe eines Onkels verlassen, der bei der freien Syrischen Armee gewesen sein soll. „Ich wollte nicht gegen andere Muslime kämpfen, die sich gegen das Assad-Regime gestellt haben.“

Auf die Fragen des Senats und der Bundesanwaltschaft, wie er sich als Schüler radikalisiert und den Entschluss gefasst habe, nach Syrien zu gehen, blieb der Angeklagte ungenau. „Der Entschluss kam von mir selber, das hat nichts mit Leuten zu tun.“ Seine Familie habe seinen Wunsch, in Syrien zu kämpfen, nicht so ernst genommen. Zu seinen Kumpeln und den sechs Männern, mit denen er Anfang Juli 2013 über die Türkei Richtung Syrien fuhr, bestätigt er nur, was das Gericht schon aus Chatprotokollen und abgehörten Telefonaten weiß.

Kreshnik B. ist wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat im Ausland angeklagt. Darauf stehen für Erwachsene bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Der Heranwachsende könnte nach Jugendstrafrecht zu einer Gefängnisstrafe von weniger als viereinviertel Jahren verurteilt werden. Voraussetzung dafür war nach einer Vereinbarung des Staatsschutzsenates, der Bundesanwaltschaft und des Verteidigers, dass er sich ausführlich auf die Fragen einlässt.

Mit der Vernehmung der älteren Schwester des Angeklagten als Zeugin geht der Prozess an diesem Freitag weiter. Sie soll klären helfen, ob Kreshnik B. auf eigenen Wunsch oder auf Druck seiner Familie aus Syrien zurück nach Deutschland gereist ist. Die junge Frau war mit einem Cousin in die Türkei geflogen, um mit ihrem Bruder zurück nach Deutschland zu fliegen. Auf dem Frankfurter Flughafen wurde Kreshnik B. dann Ende vergangenen Jahres festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Billyjo Zanker

30.10.2014, 17:35 Uhr

Das ist wieder mal der Versuch dieser Klientel sich aus allem heraus zu reden, nachweisen oder widerlegen lassen sich die „Aussagen“ eh nicht.

Er wünsche sich noch immer, als Märtyrer im Kampf gegen dieses Regime, gegen Tyrannei und Unterdrückung zu sterben....

Man möge ihn diesen Wunsch erfüllen anstatt hier, (dann aber mit vollen Programm) auf Kosten des dt: Steuerzahlers in den Knast zu stecken, schnell abschieben mit never come back Garantie.

Rausschmeißen und Ende der „Vorstellung“

Herr Peter Spiegel

31.10.2014, 13:11 Uhr

"Der 20 jährige Schüler" ich lach mich schepp.
Der war lange in der ersten Klasse mit der Aussicht zum Halbkreis-Ingenieur ein glaubhafter Zuwanderer.

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