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19.01.2004

07:32 Uhr

Qualitätsstandards sollen Finanzplatz Deutschland stärken

Verbriefungsprojekt nähert sich dem Ziel

VonA. Cünnen (P. Köhler und R. Landgraf)

Die Verbriefungsinitiative der deutschen Kreditwirtschaft TSI hat eine wichtige Hürde genommen. Auf einem Treffen zwischen dem zuständigen Arbeitskreis der Banken und dem Bundeskartellamt hätten die Wettbewerbshüter vor kurzem signalisiert, dass sie „keine grundsätzlichen wettbwerbsrechtlichen Bedenken hätten“, bestätigte eine KfW-Sprecherin auf Anfrage.

FRANKFURT/M. Über eine endgültige Zustimmung werde erst nach dem Einreichen sämtlicher Unterlagen entschieden, hieß es ergänzend. Die KfW Bankengruppe hat die Federführung bei dem Projekt, dessen ursprünglicher Zeitplan wegen unklarer kartellrechtlicher Zuständigkeiten nicht eingehalten werden konnte.

Ziel der True-Sale-Initiative (TSI) ist es, Forderungen einer oder mehrerer Kreditinstitute zu bündeln und als Wertpapiere an die Kapitalmärkte zu bringen. Das soll die Bilanzen der Banken entlasten und Spielraum für neue Kredite insbesondere an den Mittelstand schaffen.

Wie aus Kreisen der privaten Banken nach einer Arbeitsrunde Mitte vergangener Woche zu hören ist, dürften weitere Detailarbeiten dazu führen, dass die erste Transaktion nicht vor dem zweiten Halbjahr erfolgt. Die KfW bleibt dagegen bei ihrer Einschätzung, dass der Startschuss schon im Frühjahr fällt.

Es zeichnet sich ab, dass die neue TSI-Struktur auf drei Stiftungen hinausläuft. Sie sollen Anteilseigner von Spezialgesellschaften nach GmbH-Recht werden, die Forderungen ankaufen sowie strukturieren und dann als Wertpapiere verkaufen. Bei dem Projekt handelt es sich nicht um eine Handels- oder Platzierungsplattform. Vielmehr soll TSI einen einheitlichen Aufbau der so genannten Asset Backed Securities gewährleisten. Solche Assets können nicht nur Mittelstandskredite oder Wohnungsbaudarlehen sein, sondern es kann sich etwa auch um Verbraucherkredite und Autofinanzierungen handeln. Zukunftsmusik spielt zudem in der Verbriefung von Infrastrukturprojekten wie dem Straßen oder Brückenbau. In den USA gibt es diese Art von Projektfinanzierung über den Kapitalmarkt schon lange, in Europa noch nicht.

„In Deutschland existiert großer Nachholbedarf für True-Sale-Transaktionen“, sagt Norbert Bräuer, Vorstandsmitglied der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Wir haben ein riesiges Potenzial, wenn man sich einmal die Kreditportfolios über alle Bankbilanzen hinweg ansieht.“ Bisher sind in Deutschland nur Modelle üblich, bei denen die Risiken der Kredite verkauft werden, diese aber nicht tatsächlich aus der Bilanz verschwinden. Die Helaba gehört neben der staatlichen KfW und Partnern wie Deutsche Bank, Citigroup, DZ Bank und Deka-Bank zu den Gründungsmitgliedern der Initiative. „Wenn die Lokomotive TSI einmal unter Dampf steht, wird das dem ganzen Markt Schwung geben“, sagt auch Jens Schendzielorz vom Sales-Team der Citigroup. Im ersten operativen Jahr sollen nach bisherigen Planungen mindestens zehn Milliarden Euro beziehungsweise sieben bis acht Transaktionen mit Hilfe der Initiative abgewickelt werden.

Maßstab ist der Markt für Jumbo-Pfandbriefe

Maßstab für TSI ist der Markt für Jumbo-Pfandbriefe. Hier haben klare Qualitätsstandards zu einer internationalen Investorengemeinde geführt. Das strebt TSI ebenfalls an. Strategisches Ziel ist es laut Bräuer, einheitliche Standards zu setzen und eine Marke zu etablieren. „Ein internationales Produkt mit deutschen Assets wird Investoren aus angelsächsischen Ländern anziehen und ist interessant für Versicherungen und Pensionskassen“, sagt der Helaba-Vorstand. Wichtig seien etwa eine standardisierte Dokumentation, die zu einer Arbeitserleichterung für die Anleger und letztlich niedrigeren Kosten führen soll, sowie klare Rückzahlungsvereinbarungen. Die rechtlichen Feinheiten arbeitet derzeit die Anwaltskanzlei Hengeler Mueller aus. Um neue Investoren für Deutschland zu gewinnen, sollen die Verbriefungen eine Mindestgröße von einer Milliarde Euro haben. Die an TSI beteiligten Banken wollten für hohe Liquidität sorgen, damit die Anleger ihre Papiere problemlos an- und verkaufen könnten, ergänzt Bräuer. Zudem soll die Spanne zwischen Geld- und Briefkursen auf dem attraktiven Niveau von Jumbo-Pfandbriefen liegen.

„Banken waren früher an True- Sale-Verkäufen nicht sonderlich interessiert“, sagt Schendzielorz „Das hat sich aber geändert, weil die Kreditinstitute ABS verstärkt als kostengünstige, zusätzliche Refinanzierungsquelle nutzen wollen.“ Das Marktpotenzial für Verbriefungen in Deutschland wird mit insgesamt rund zwei Billionen Euro als riesig angesehen, wobei die Pfandbriefe bereits eine wichtige Rolle spielen.

Gute Möglichkeiten für ABS in ganz Europa sieht Schendzielorz auch durch Verbriefungen von Staaten. Dabei steht Portugal in den Startlöchern. Schendzielorz erwartet, dass das Land im nächsten Jahr Steuerforderungen über 1,5 Milliarden bis zwei Milliarden Euro verbriefen wird. Bislang ist nur Italien im großen Stil am ABS-Markt aktiv. Griechenland hat die Möglichkeit, Forderungen zu verbriefen, dies im vergangenen Jahr aber nicht genutzt.

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