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12.12.2013

10:00 Uhr

Querelen-Partei

Der unheimliche Erfolg der AfD

VonDietmar Neuerer

Ist bei der AfD der Lack wieder ab? Nach dem Beinahe-Einzug der Euro-Kritiker in den Bundestag ist die Euphorie weg, interne Grabenkämpfe bestimmen das Bild. Experten aber sagen: Mit der Partei ist weiter zu rechnen.

Wahlplakat der AfD: Härtetest bestanden.

Wahlplakat der AfD: Härtetest bestanden.

BerlinDie internen Grabenkämpfe der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) haben diese Woche einen neuen Höhepunkt erreicht. Wolf-Joachim Schünemann ist von seinem Amt als Beisitzer im Vorstand der AfD zurückgetreten. Der Bayer ist in der AfD kein Unbekannter: Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und war maßgeblich am Aufbau des bayerischen Landesverbandes beteiligt. Gründe für seinen Abgang hat er nicht genannt. Und auch AfD-Chef Bernd Lucke ließ die Öffentlichkeit darüber im Unklaren. Nüchtern ließ er über eine Pressemitteilung verlauten, dass der Vorstand Schünemanns Entscheidung respektiere und ihm für seine geleistete Arbeit danke.

Genau diese von Schünemann verrichtete Parteiarbeit dürfte jedoch mit den Ausschlag für seinen Abgang gegeben haben. Der AfD-Mann war einige Zeit Vorsitzender des Problem-Landesverbands in Bayern. Unter seiner Führung gab es monatelang heftige Auseinandersetzungen zu Fragen der innerparteilichen Demokratie. Im Mai musste die Partei dann einen Landesparteitag wiederholen, weil der erste im Chaos unterging. Darüber stürzte ein Landesvorstand. Am 26. Mai wählte der Parteitag dann eine neue Führung und ersetzte den bisherigen Vorsitzenden Schünemann durch Schatzmeister André Wächter. Als weitere Folge dieses tiefgreifenden Konflikts nahm die Partei nicht, wie ursprünglich geplant, an der bayerischen Landtagswahl teil.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Solche Vorkommnisse sind nicht ungewöhnlich für die noch junge Partei. Immer wieder wird von parteiinternen Querelen, Grabenkämpfen und Führungsstreits berichtet. Auch die Frage, wie sich die Partei neben ihrer eurokritischen Ausrichtung inhaltlich positionieren soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Hinzu kommen Debatten darüber, inwieweit die AfD zu einem Sammelbecken für rechtspopulistische Strömungen werden könnte.

Eigentlich schlechte Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Doch für die AfD gelten offenbar andere Gesetze. In der Wählergunst liegt die Partei jedenfalls konstant vor der FDP, die bei der Bundestagswahl erstmals in ihrer Geschichte aus dem Parlament gewählt wurde. Wie ist dieser fast schon unheimliche Erfolg zu erklären?

Kommentare (107)

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Account gelöscht!

12.12.2013, 10:17 Uhr

Der Themenkern der AfD ist ja in Ordnung und füllt eine riesengroße Lücke, die die anderen Parteien jeden Tag von Neuem hinterlassen. Die Partei zieht aber in meinen Augen zu viele Personen von Rechtsaußen an.

Mit Gedankengut, das auf gesellschaftliche Spaltung, besonders im Hinblick auf Migranten gerichtet ist, statt auf Integration, lässt sich aber kein dauerhafter Erfolg jenseits der 5% erreichen - und das ist auch gut so.

AfD Symphaitsanten sind für mich diejenige "Mitte der Gesellschaft", die die Ausländer hassen und auch ansonsten aus welchen Gründen auch immer frustriert und unzufrieden mit vielen Dingen aus ihrem Leben sind. Das sind keine Personen, die an einem Strang ziehen werden, sondern sich untereinander die Augen aushacken, das wird sich auch nicht ändern.

Nach außen werden diese Themen dann weichgespült in den Papiere geschrieben, wenn keine Mikofone dabei sind, aber wird kollektiv über Ausländer bzw. das Ausland (Euro) gehetzt, dass die Wände wackeln. Vereint im Frust , im Hass und im Gegeneinander - niemand wünscht so einer Gruppe Erfolg oder gar Verantwortung für Deutschland.

Muendiger_Buerger

12.12.2013, 10:19 Uhr

Die AfD ist die letzte Chance für den mündigen Bürger. Die Politik der letzten 15 Jahre zeigt eindrucksvoll wo unser Land hinsteuert. Soziale Spaltung, EU-Regime, Armutseinwanderung, Streit zwischen Nachbarländer, Konflikt mit Russland. Wer ein "weiter so" bevorzugt, kann einfach ein Kreuz zwischen CxU und Grüne ankreuzen, auch ockerfarbene Blockunion genannt.

Gast

12.12.2013, 10:23 Uhr

Wenn man keine Argumente hat, behilft man sich halt mit diffamierenden Mutmaßungen, was hinter "verschlossenen Türen" stattfindet, und man stellt fernpsychologische Betrachtungen an. Man kann nur hoffen, dass Leute wie Sie nie in eine Position kommen, in der sie Macht über andere haben. Jämmerlich.

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