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25.03.2012

14:08 Uhr

Quoten-Debatte

Brüssel fordert 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten

„Ich will 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen bis zum Jahr 2020“, fordert EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Familienministerin Schröder bezeichnet das als „absurd“.

Viviane Reding fordert mehr Engagement von Deutschland beim Thema Geschlechter-Gleichberechtigung. AFP

Viviane Reding fordert mehr Engagement von Deutschland beim Thema Geschlechter-Gleichberechtigung.

BerlinDer Druck auf Familienministerin Kristina Schröder (CDU) zur Einführung einer verbindlichen Frauenquote wächst. „Ich werde alles dafür tun, dass die Quote für Aufsichtsräte kommt“, bekräftigte EU-Justizkommissarin Viviane Reding am Wochenende. Schröder selbst wehrte sich gegen Belehrungen aus Brüssel. Aber auch innerhalb der Union wird der Ruf nach einer gesetzlichen Regelung lauter. Laut einer Studie des Auswärtigen Amtes drohen deutschen Unternehmen wegen der fehlenden Quote im Ausland Wettbewerbsnachteile.

„Ich will 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen bis zum Jahr 2020“, betonte die EU-Kommissarin im „Spiegel“. In einem Streitgespräch mit Schröder forderte sie die CDU-Politikerin auf, Vorschläge für Quoten sowohl in den Vorständen als auch in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen vorzulegen. Die Selbstverpflichtungen der Wirtschaft für einen höheren Frauenanteil in Spitzenpositionen hätten praktisch keine Ergebnisse gebracht.

Schröder verwahrte sich gegen Ratschläge aus Brüssel. „Die Bundesregierung ist der Meinung, dass Brüssel uns keine Quote vorschreiben kann“, entgegnete sie Reding. Der Frauenquote liege „kollektivistisches Denken“ zugrunde. „Ich halte es für absurd, ganz unterschiedlichen Unternehmen, von der Stahlbranche bis zu den Medien, eine einheitliche Quote vorzuschreiben“, fügte die Ministerin hinzu. Sie setzt auf die sogenannte Flexiquote, nach der Unternehmen selbst bestimmen können, welchen Geschlechteranteil sie anstreben.

Aber auch innerhalb der Union wird der Ruf nach einer verbindlichen Regelung lauter. „Wir brauchen jetzt eine gesetzliche Regelung für mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft“, forderte die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU), in der „Rheinischen Post“.

Unterstützung kommt auch von den Unions-Männern: „Die Flexiquote ist weiße Salbe“, sagte der CDU-Abgeordnete Marco Wanderwitz der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der CDU-Abgeordnete Jan-Marco Luczak forderte einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag zur Quote, wenn sich im Laufe dieses Jahres kein Ergebnis abzeichne. „Wir haben zehn Jahre auf Freiwilligkeit gesetzt. Das hat fast nichts gebracht“, sagte Luczak der Zeitung. Auch der CSU-Abgeordnete Josef Göppel sprach sich für eine „gesetzliche Vorgabe“ aus.

Alle drei haben die „Berliner Erklärung“ unterschrieben, in der Politikerinnen und Politiker aller Fraktionen eine Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte fordern. Mittlerweile haben 15.066 Personen den Aufruf unterschrieben, zu den Erstunterzeichnerinnen gehört neben Böhmer auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Kommentare (18)

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cilla

25.03.2012, 14:40 Uhr

Familienministerin Schröder ist eine Quotenfrau, aber gegen die Quote. Man könnte die mangelnde Kompetenz der Ministerin als überzeugendes Argument gegen die Quote sehen, wenn es nicht in allen Positionen gute und schlechte Männer wie Frauen gäbe. Ich empfehle ihr dringend mal nachzulesen, welche Rechte Frauen sich in den letzten Jahrhunderten mühsam erkämpfen mussten und welche historischen Benachteiligungen und Vorurteile sich heute immer noch auswirken. Selbst nimmt sie es als selbstverständlich und profitiert davon, was andere Frauen erkämpft haben. Dabei gäbe es Handlungsspielraum genug.

StefanS

25.03.2012, 15:12 Uhr

Frau Reding sollte sich einmal auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen! Unsere deutsche Wirtschaft steht besser da, als jede Quotenwirtschaft aus Spanien oder Frankreich. Die sollen ihre Quoten ruhig behalten!

Wieso führen wir eigentlich keine Quoten in der Mühlindustrie ein? Hier sind Frauen auch unterrepräsentiert. Natürlich macht es mehr Spaß in DAX-Konzernen zu sitzen, die zu über 90 % von Männern gegründet wurden, als in der Mühlindustrie zu arbeiten.

Das ist Planwirtschaft ala DDR in perfekter Vollendung. Diese Rosinenpickerei kotzt mich an!

Kuchenteig

25.03.2012, 15:29 Uhr

Ich selbst habe früher an einer Forschungseinrichtung im öffentlichen Dienst das Thema "Frauenquote" hautnah mit verfolgen dürfen. Bei uns gab es auch Programme zur Frauenförderung, sogenannte "gender aspects". In fast allen Abteilungen lag der Frauenanteil bei über 40%, in einigen sogar über 50%. Allerdings wurde verheimlicht, wie dieser "Erfolg" tatsächlich erkauft wurde. Schaut man sich nämlich den prozentualen Anteil der Frauen an den Bewerbern an, lag dieser nur bei etwa 20%. D.h. Männer wurden bei der Auswahl massiv diskriminiert. Und genau das wird in den Medien immer wieder verschwiegen. Die Frauenquote ist nichts anderes als eine versteckte Einstellungsgarantie für die wenigen Frauen, die sich aktiv auf solche Positionen hin orientieren. Man merkt hier genau, dass es nicht mehr um "Gleichberechtigung" geht, sondern nur noch um Privilegierung von Frauen. Sollte das wirklich eingeführt werden, wäre für betroffene Männer eine Klage auf Grundlage der Gleichbehandlungsgesetze üerlegenswert. Übrigens: den gleichen medialen Enthusiasmus würde ich mir auch bei dem Thema "Lebenserwartung von Männern" wünschen. Aber dazu hat eine Viviane Reding plötzlich nichts mehr zu sagen. Soviel zum Thema "Gleichstellung".

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