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09.05.2011

19:46 Uhr

Rainer Brüderle

Ein großer Gewinner wird zum großen Verlierer

Das FDP-Personalkarrussel kostet Rainer Brüderle wohl seinen Traumjob als Bundeswirtschaftsminister. Damit endet eine Amtszeit, die bislang wie eine Achrterbahnfahrt war - voller Höhen und Tiefen.

Rainer Brüderle muss wohl als Bundeswirtschaftsminister gehen. Quelle: dapd

Rainer Brüderle muss wohl als Bundeswirtschaftsminister gehen.

BerlinAm Ende steht Rainer Brüderle wohl als Verlierer da. Noch zu Anfang des Jahres war der Bundeswirtschaftsminister in der öffentlichen Wertschätzung quasi der einziger Star der liberalen Ministermannschaft im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch eine politische Ungeschicklichkeit, sein Hang zum feihändigen Parlieren - und eigene Ambitionen des neuen Parteichefs Philipp Rösler kosteten ihn nun wohl seinen Traumjob, das Ministeramt. Stark unter Druck als einer der „Alten“, die in den Neuanfang seiner Partei unter dem designierten Parteichef Rösler nicht mehr so recht passten, soll er nun nach Angaben aus Parteikreisen auf den Posten des Fraktionsvorsitzenden wechseln. Was andere als Aufstieg sehen würden, ist für den Polit-Veteranen wohl der Höhepunkt seiner Demontage. Und schon die Wochen seit den herben Wahlschlappen der FDP in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, dessen Landesverband er 28 Jahre lang führte, waren für den 65-Jährigen persönlich verletzend und Nerven aufreibend.

Der Umschwung kommt trotz eigener Fehler Brüderles nun überraschend. Rösler hatte noch am Wochenende in einem Interview gesagt: „Rainer Brüderle steht für eine solide und erfolgreiche Wirtschafts- und Ordnungspolitik im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft.“ Und Brüderle selbst hatte bis zuletzt trotzig verkündet: „Ich sehe keinen Anlass, warum ich meine erfolgreiche Tätigkeit nicht fortsetzen sollte“. All das ist wenige Tage später offenbar nicht mehr entscheidend.

Die Amtszeit des liberalen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle, der im Juni 66 Jahre alt wird, war bislang eine schnelle, turbulente Achterbahnfahrt. Mit dem Start der schwarz-gelben Koalition und seiner Berufung zum Bundeswirtschaftsminister schaffte der geborene Berliner die lang erhoffte Krönung seiner jahrzehntelangen Politiker-Karriere. Elf Jahre war er zuvor rheinland-pfälzischer Landesminister, ebenfalls elf Jahre stellvertretender FDP-Fraktionschef im Bundestag.

Von vielen unterschätzt, belächelt und alles andere als unumstritten startete er seine Berliner Ministerzeit im Schatten seines Vorgängers, des vielversprechenden Polit-Popstars Karl-Theodor zu Guttenberg - der inzwischen wegen seiner Promotionsaffäre der Politik Adieu sagen musste. Doch mit beharrlicher Arbeit, endlos vielen Interviews und einem gehörigen Maß an Sachkunde - Brüderle ist Diplomvolkswirt - erarbeitete sich der freundliche ältere Herr Zug um Zug Respekt und Anerkennung. Und er zeigte, für manchen unerwartet, nicht nur im Streit um Staatshilfen für den Autobauer Opel, Steherqualitäten. Gegen den Willen von Kanzlerin Angela Merkel hielt er den ordnungspolitisch begründeten Nein-Kurs zu Subventionen durch. Brüderle wuchs in der öffentlichen Wertschätzung, die Presseresonanz wurde besser und so stand er zu Beginn des Jahres als FDP-Star da.

Doch dieses Hoch trug nicht lange. Es war eine politische Ungeschicklichkeit, die einem so erfahrenen Mann wie ihm eigentlich nicht passieren dürfte, die ihn wieder auf Abwärtskurs brachte. In einer vertraulichen Runde von Industrievertretern hatte er kurz vor den Wahlterminen in Stuttgart und Mainz offenbar etwas zu freimütig über auch wahltaktisch bedingte Hintergründe für den schwarz-gelben Sinneswandel in der Atompolitik schwadroniert. Die Sache wurde durch eine Indiskretion bekannt - und trieb die schwächelnde FDP bei den folgenden Wahlen ins Niemandsland. Am Ende musste er in Rheinland-Pfalz, wo er noch kurz zuvor erneut zum Parteichef gewählt worden war, die Segel streichen - am letzten Wochenende wurde er nun dort Ehrenvorsitzender.

Das wird ihn genauso wenig trösten, wie die Tatsache, dass er nun als wahrscheinlicher Fraktionschef in Berlin trotz allem weiterhin eine wichtige Rolle im Regierungsgefüge spielt. Gewünscht hatte er sich das nicht. Er musste offenbar vielmehr ein Angebot der neuen Führung der FDP annehmen, um nicht ganz im Keller der Bundespolitik zu verschwinden.

Von

rtr

Kommentare (2)

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boxerhandschuh

10.05.2011, 09:40 Uhr

Was will der Dr. med. Rösler gegen den Diplom-Volkswirt Brüderle im Bundeswirtschaftsministerium, früher schon mal 11 Jahre Wirtschaftsminster in Rheinland-Pfalz, besser machen? Lächerlich, als wenn dies für die schwächelnde FDP ein echter Neuanfang wäre! Etwas, nein deutlich mehr Sachverstand über Wirtschaftspolitik und Marktwirtschaft, die eigentliche Domäne der FDP, wie sie selbst erklärt, sollte ein neuer BWiMin schon mitbringen. Wenn der FDP ihr Schwerpunktthema auch noch aus der Hand gleitet, wird sie nur noch historische Bedeutung haben. Dafür muss man kein Prophet sein.
Wenn man bedenkt, wieviele bedeutende Köpfe aus dem Politgeschehen in Berlin in den letzten 2-3 Jahren verschwunden sind, vor allem bei der CDU, dann ist die zunehmende Politikverdrossenheit der Deutschen leicht nachvollziehbar. So lange die Bundeskasse (+135 Mrd. € erwartete Steuermehreinnahmen)klingelt, wird jedes Problem mit EUROS erledigt. Eine gute Politik braucht sachverständige Köpfe.

goo

11.05.2011, 00:16 Uhr

Dieser Mann ist eine Zumutung, ein Typus Politiker, den man nicht mehr sehen möchte.

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