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08.03.2013

05:00 Uhr

Rainer Brüderle

„Meine Aufgabe ist es, Tore zu machen“

VonThomas Sigmund

ExklusivFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle verteidigt seinen Vorstoß zur Deckelung von Managergehältern. Beim Parteitag soll Brüderle zum Spitzenmann gekürt werden. Bereits im Vorfeld hat er eine Warnung an seine Partei.

Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle (M.). dpa

Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle (M.).

BerlinKurz vor dem FDP-Parteitag hat Fraktionschef Rainer Brüderle seinen Führungsanspruch deutlich gemacht. „Die Bezeichnung als Spitzenmann oder Spitzenkandidat ist für mich nicht entscheidend“. Er nehme aber für sich in Anspruch, „die Partei an der Spitze in den Wahlkampf zu führen“, sagte Brüderle dem Handelsblatt.

Parteichef Philipp Rösler sei als Kapitän für die Organisation und den Mannschaftsaufbau zuständig. „Meine Aufgabe ist es, Tore zu machen“, sagte Brüderle.

Brüderle, der am Wochenende offiziell zum Spitzenmann der FDP gekürt werden soll, warnte seine Partei, die Bundestagswahl als Selbstläufer zu sehen. „Wir können alle zusammen nur erfolgreich sein, wenn wir so geschlossen bleiben, wie wir jetzt auftreten. Jeder aus der Mannschaft muss wissen, dass er sich auf die anderen verlassen kann“, sagte Brüderle.

Konkret auf die Kritik von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel an Parteichef Rösler angesprochen, sagte Brüderle: „ Dirk Niebel und auch alle anderen wissen um die Lage der FDP in einem Wahljahr. Für Streit hätte niemand mehr Verständnis“.

Der tiefe Fall der FDP

September 2009

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene.

Dezember 2009

Die FDP setzt kurz nach Regierungsantritt die Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen durch. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

Februar 2010

In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit folgender Äußerung in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."

Mai 2010

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Steuersenkungsplänen ab, einem zentralen Wahlversprechen der FDP.

März 2010

Eine Serie von Landtagswahlen wird zum Fiasko: Weder in Sachsen-Anhalt noch in Rheinland-Pfalz schafft es die FDP ins Parlament. In Baden-Württemberg erreicht sie magere 5,3 Prozent.

April 2011

Angesichts wachsender parteiinterner Kritik kündigt Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die FDP-Gremien auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

Mai 2011

Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

September 2011

Die Schwäche der FDP hält an: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab.

Oktober 2011

Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der Parteiführung auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

Dezember 2011

Der Euro-Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Generalsekretär Christian Lindner seinen Rücktritt. Der bisherige Bundesschatzmeister Patrick Döring wird sein Nachfolger.

März 2012

Lindner kehrt nach dreimonatiger Auszeit als FDP-Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen auf die politische Bühne zurück.

Mai 2012

In Schleswig-Holstein kommt die FDP mit Landeschef Wolfgang Kubicki trotz Einbußen mit 8,2 Prozent sicher in den Landtag. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen in NRW verbessern sich die Liberalen um fast zwei Punkte auf 8,6 Prozent. Lindner hatte zuvor noch den FDP-Landesvorsitz übernommen.


August 2012

Kubicki drängt auf die Ablösung Röslers und wirbt für Lindner als neuen FDP-Bundesvorsitzenden. Eine offene Personaldebatte tritt er damit aber nicht los. Bis zur Landtagswahl in Röslers Heimatland Niedersachsen im Januar 2013, so die Hoffnung vieler Spitzenliberaler, soll die Partei still halten.

November 2012

Die FDP setzt in der Koalition ihre Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr durch - ein Erfolg auch für Rösler. Allerdings muss sie dafür dem ungeliebten Betreuungsgeld zustimmen.

Dezember 2012

Entwicklungsminister Dirk Niebel regt an, Parteivorsitz und Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zu trennen. Seine Ideen sorgen für Unruhe. Die parteiinterne Kritik an Rösler wird lauter.

Januar 2013

Die FDP geht nervös ins entscheidende Wahljahr. Rösler lässt offen, ob er im Frühjahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Die Partei diskutiert offen über seine Führungsqualitäten. Röslers politisches Überleben, so die allgemeine Einschätzung, ist eng mit dem Abschneiden der FDP bei der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar verknüpft.
Doch dann gewinnt die FDP in Niedersachsen knapp zehn Prozent - und Rösler fordert eine Entscheidung. Er sei bereit auf den Vorsitz zu verzichten, wenn Rainer Brüderle übernimmt. Doch der zuckt zurück - und am Ende steht eine Zwitterlösung: Die FDP will mit dem Parteivorsitzenden Rösler und dem "Spitzenmann" Brüderle als Tandem in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Unterdessen verteidigte Brüderle seinen Vorstoß zur Deckelung von Mangergehältern: „Mein Vorschlag, die Aktionäre über die Gehälter von Managern abstimmen zu lassen, ist urliberal“, sagte Brüderle dem Handelsblatt. Bisher hätten Kungelrunden im Aufsichtsrat von Arbeitgebervertretern und Gewerkschaften darüber entschieden.

„Da nicken manche Gewerkschaftsvertreter die zum Teil unmoralisch hohen Gehälter der Vorstände ab und schieben sich gleichzeitig noch selbst eine Abfindung zu“. Die FDP wolle dagegen den Aktionären, also den Eigentümern eines Unternehmens, zu ihrem Recht verhelfen.

Brüderle betonte, er habe nichts gegen hohe Gehälter. „Mir geht es darum, dass die Aktionäre als Eigentümer darüber entscheiden“. Der Aufsichtsrat habe bisher keine Rücksicht auf die Aktionäre in der Hauptversammlung nehmen müssen. „Das will ich ändern und das entspricht klarer liberaler Kante“, sagte Brüderle.

Vom wirtschaftspolitischen Kurs der Union grenzte Brüderle sich klar ab: „Die Kanzlerin hat auf dem CDU-Parteitag gesagt, die FDP sei eine Prüfung Gottes. Die Union sollte eher denken, die schickt der Himmel“, sagte er und. „Der Union tut unser wirtschaftspolitisches Profil gut“.

Als Beispiel nannte Brüderle die Debatte über Subventionen für die Unternehmen Opel oder Schlecker. „Die FDP hat hier dafür gesorgt, dass die Steuergelder nicht verplempert wurden“, sagte Brüderle.

Bei der Energiewende sei es die FDP, die für mehr Soziale Marktwirtschaft und niedrigere Strompreise für Verbraucher und Unternehmen sorgt. „Die Erfolgsbilanz der schwarz-gelben Koalition mit einem starken Mittelstand und einem robusten Arbeitsmarkt sähe ohne die FDP nicht so gut aus“, sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister.

Kommentare (5)

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melancholiker

08.03.2013, 10:20 Uhr

schlecker uznd opel- die einzigen erfolge der großen bürgedrlichen koalition - welch traurige bilanz.
steuerreform, neugliederung des länderfinanzausgleiches, u.u. der bundesländer, nachhaltiger subventionsabbau für alle, ausgeglicherner haushalt bei hochkonjunktur, sozialistische euro-rettung, mittäterschaft bei einer planwirtschaftlichen energiewende -lieber herr brüderle treten sie ab.

FollDenPfostenGetroffenOder

08.03.2013, 11:02 Uhr

Jeder Fußballspieler muß es wissen, Selbsttore verhindern den Sieg.

FollDenPfostenGetroffenOder

08.03.2013, 11:04 Uhr

Darauf einen Brüderle, Cheers.

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