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08.05.2016

16:26 Uhr

Rassismus in Sachsen

„Menschenverachtung ist normal geworden“

Beleidigt, bespuckt, bedroht: Wer in Dresden anders als Einheimische aussieht, wird oft nicht nur schräg angeschaut. Seit Pegida auf der Straße ist, zeigt Alltagsrassismus hemmungslos seine hässliche Fratze.

Ein Poster auf einer Pegida-Kundgebung in Dresden zeigt Merkel mit einem Kopftuch. Daneben steht: „Merkel nimm deine Muslime mit und hau ab.“ Die rassistischen Tendenzen nehmen zu in Deutschland. AP

Rassismus ist salonfähig

Ein Poster auf einer Pegida-Kundgebung in Dresden zeigt Merkel mit einem Kopftuch. Daneben steht: „Merkel nimm deine Muslime mit und hau ab.“ Die rassistischen Tendenzen nehmen zu in Deutschland.

DresdenIn Dresden scheint die Angst vor Fremden besonders groß. Selbst wenn sie in so zierlicher Gestalt daherkommen wie Ana aus Indonesien. Ihren ersten Tag in der sächsischen Landeshauptstadt wird sie nie vergessen. Als die Studentin der Erziehungswissenschaften im Herbst 2011 das erste Mal zur Uni wollte und auf den Bus wartete, zeigte ein junges Mädchen mit dem Finger auf sie und machte abfällige Bemerkungen. Für Ana brach eine Welt zusammen: „Ich war erschrocken und musste weinen. Ich dachte, in Deutschland sind die Leute gebildet. Ich hatte doch nur auf den Bus gewartet.“

Seither hat Ana noch andere Demütigungen erdulden müssen. Als Muslima ist sie für Ausländerfeinde gut erkennbar. „Muslim-Schwein“ oder „Scheiß Muslim“ sind Ausdrücke, die sie immer wieder zu hören bekommt. Einmal habe ein etwa elfjähriger Junge sie gefragt, ob sie Auschwitz kenne. „Als ich das bejahte, sagte er nur: „Du wirst dort enden.““

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Vor allem wenn IS-Terroristen wieder für Schlagzeilen sorgten, werde auf sie geachtet. Ana hat dann das Gefühl, wie eine Täterin behandelt zu werden. In einer Straßenbahn habe ihr ein Junge seinen Finger wie eine Pistole an den Kopf gehalten. „Ein Mann hat das gesehen, gesagt hat er nichts“, erzählt sie.

Dass die Mehrheit schweigt und Einzelne gewähren lässt, hat auch Nathalie aus Kamerun schon zu Beginn ihrer Dresdner Zeit erfahren. Gemeinsam mit einer Freundin saß sie im Frühjahr 2011 in einer Straßenbahn, als ein Mann ihr ins Gesicht schaute und sie anspuckte. „Es war 11 Uhr am Vormittag, die Bahn war voll, es war Frühling und draußen sehr schön“, sagt die 25-Jährige, die an der Technischen Universität Elektrotechnik studiert und in Deutschland promovieren will – „aber nicht in Dresden“. Mit der Stadt habe sie abgeschlossen, zu viel sei passiert in letzten Jahren.

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