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28.04.2013

11:58 Uhr

Rauchverbot in NRW

Orangenduft statt Zigarettenqualm

Eckkneipe ohne Zigarettenqualm: Geht das? Es muss, zumindest in Nordrhein-Westfalen: Das Bundesland verschärft die Regeln für den Nichtraucherschutz. So streng ist sonst nur noch Bayern.

Raucher müssen vor die Tür: In NRW gilt bald ein landesweites Rauchverbot. dpa

Raucher müssen vor die Tür: In NRW gilt bald ein landesweites Rauchverbot.

DüsseldorfDie Zigarette gehört in der Düsseldorfer Kneipe „Dä Spiegel“ einfach dazu. Ab dem 1. Mai ist damit aber Schluss – dann tritt in Nordrhein-Westfalen ein landesweites Rauchverbot in Kraft. „Dä Spiegel“-Betreiber Peter Klinkhammer hat als Ersatz ein Beduftungsgerät installiert. Ab Mittwoch riecht es in seiner Gaststätte nach Orange.

Dem Verbot sieht Klinkhammer gelassen entgegen. Zwar werde ihn die Regelung bestimmt Umsatz kosten, ist sich der 56-Jährige sicher. „Zum Wohlfühlen gehört für viele nun einmal der Griff zur Zigarette“, sagt er. Aber schon nach wenigen Monaten würden selbst die hartnäckigsten Raucher zurückkehren. „Wir müssen die Leute erst einmal erziehen.“

Das neue Nichtraucherschutzgesetz verbietet Zigaretten, Wasserpfeifen (Shishas) und auch E-Zigaretten in allen Bars und Kneipen. Neben Bayern gibt es dann in NRW bundesweit die schärfsten Regeln. Auch bei Brauchtumsveranstaltungen wie Karneval und Schützenfesten wird der blaue Dunst vor die Tür verbannt. Nur bei privaten Feiern in geschlossener Gesellschaft in einem abgetrennten Raum ist Rauchen dann noch erlaubt. Wer gegen das Verbot verstößt, muss bis zu 2500 Euro Strafe zahlen.

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Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht Kneipen wie „Dä Spiegel“ durch das absolute Rauchverbot akut gefährdet. 20 Prozent der kleinen Eckkneipen seien existenziell betroffen, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. „Das bedeutet die Schließung von 3000 Betrieben“, rechnet er vor. Hellwig vergleicht das Konzept einer Kneipe mit einem dreibeinigen Barhocker: „Reden, Trinken und Rauchen“. Sobald ein Bein des Barhockers verschwinde, breche die Konstruktion in sich zusammen.

In dem Düsseldorfer Restaurant „Im Goldenen Kessel“ darf schon länger nicht geraucht werden. Zapfer Ralf Piotraschke findet das auch gut so. Selbst Raucher wollten nicht im Zigarettenqualm essen, weiß er. In Kneipen ohne Speisen gehöre der blaue Dunst aber einfach dazu, findet der 47-Jährige.

Für das strikte Rauchverbot im bevölkerungsreichsten Bundesland haben sich Ärzte und Gesundheitsverbände eingesetzt. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, sieht die neue Regelung nicht als Einschränkung, sondern als Schutz. Bisher hätten Angestellte von Raucherkneipen in einer giftigen Atmosphäre gearbeitet. „An keinem anderen Arbeitsplatz würde das toleriert“, ist Henke überzeugt.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Ludwig500

28.04.2013, 13:20 Uhr

"Bisher hätten Angestellte von Raucherkneipen in einer giftigen Atmosphäre gearbeitet."

Die armen Kneipenangestellten. Aber das wird ja jetzt besser. Als nächstes sollte man die Temperatur, bei der sich Stahl bequemt, flüssig zu werden, deutlich senken. Dann ist den Stahlkochern nicht mehr so heiss. Und dann müssen noch die Mitarbeiter in Zoos und Landwirtschaft vor Gestank bewahrt werden. Und Rennfahrer vor Lärm geschützt, und das Herunterfallrisiko in der Fliegerei sowie die Sinkgefahr in der Schifffahrt eliminiert werden...

Alles wird gut, so lange wir Bürohengste in Berlin und Brüssel mit Steuerzahlergeld beschäftigen. Wer weiss, was die sonst anstellen würden.

Tabu

28.04.2013, 13:25 Uhr

http://www1.wdr.de/themen/politik/nichtraucherschutz134.html
Rauchverbot: Erzwingt SPD-Basis Ausnahmen?
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Nein..auch da behielten die Grünen das Zepter in der
Hand.
Die strenge Regelung kam vor allem bei Sozialdemokraten im Revier schlecht an. "Jeder soll selbst entscheiden, in welche Kneipe er geht", sagte der Dortmunder SPD-Politiker Florian Meyer. Der rot-grüne Gesetzesplan sei lebensfremd und mit sozialdemokratischen Vorstellungen von Freiheit nicht zu vereinbaren.
---
Aber wie das so ist in der Politik..Man dealt untereinander.
Wenn die SPD nicht aufpaßt,wird sie eine Filiale
der Grünen.
Wie sagt es Peter Klinkhammer so entlarvend:
„Wir müssen die Leute erst einmal erziehen.“
Law and Order Politik die nur einschränkt,wo
nette Menschen Entspannung suchen.
Aber den Besuffskis mit all dem Dreck,der Gewalt
den öffentlichen Raum zur Verfügung stellen.
Hier in Berlin,meist auf Kinderspielplätzen,oder im Park,wo sie die Bänke belagern.
Nachts sind dann die Junkies und deren Dealer da.

Moika

28.04.2013, 14:04 Uhr

Da muß ich 66 Jahre alt werden, um mich von einem Kneipier erziehen zu lassen.

Leute, Euch geht's einfach noch viel zu gut.

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