Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2015

00:00 Uhr

Reaktion auf Aggression gegen Ukraine

CDU-Politiker stellen Fußball-WM in Russland infrage

VonDietmar Neuerer

ExklusivFußball-Weltmeister Deutschland will seinen Titel 2018 in Russland verteidigen. Doch in der CDU gibt es massive Zweifel, ob das Turnier angesichts des Ukraine-Konflikts dort überhaupt durchgeführt werden sollte.

Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin: Ruf nach Verlegung der WM in Russland 2018 wird lauter. ap

Sepp Blatter, Wladimir Putin

Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin: Ruf nach Verlegung der WM in Russland 2018 wird lauter.

BerlinSeit Russlands Annexion der Halbinsel Krim ist das Land weltpolitisch ins Abseits geraten. Und schlimmer noch: die Ost-Ukraine ist nach wie vor schwer umkämpft. Bisherige Vermittlungsversuche des Westens scheiterten an der unnachgiebigen Haltung von Kreml-Chef Wladimir Putin.

Nach einem heftigen Wiederaufflammen der Kämpfe in der Ostukraine richten sich nun die Friedenshoffnungen auf einen Krisengipfel in Minsk. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande sollen dort an diesem Mittwoch zu einem Gespräch mit Putin und dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko eintreffen. Hollande sagte, er reise mit dem „festen Willen zum Erfolg“ zu den Verhandlungen in der weißrussischen Hauptstadt. Doch genau dieser Erfolg ist ungewiss.

Sollte Putin im Ukraine-Konflikt keine Kompromissbereitschaft zeigen drohen neue Strafmaßnahmen des Westens. Die russische Wirtschaft steht wegen des Ölpreisverfalls, der Sanktionen des Westens und einer schon länger anhaltenden Kapitalflucht unter Druck. Doch Länder wie Großbritannien, Polen und die baltischen Staaten fordern schon heute mehr Härte gegen Russland.

Streitpunkte im Ukraine-Konflikt

Kämpfe im Donbass

Fast täglich berichten Militär und prorussische Separatisten von zahlreichen Toten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen verloren in dem Konflikt mehr als 2000 Menschen ihr Leben.

Humanitäre Krise

Hunderttausenden Menschen in der Ostukraine fehlt seit Wochen das Nötigste. Moskau schickte in einem umstrittenen Konvoi gut 2000 Tonnen Hilfsgüter. Auch die Ukraine entsandte daraufhin Hilfe ins Krisengebiet.

Hilfskonvois

Moskaus einseitig durchgeboxte Hilfsaktion ohne Zustimmung Kiews löste massive internationale Kritik aus. Die Ukraine brandmarkte die Einfahrt des Konvois als „Invasion“. Am Montag kündigte die Führung in Moskau einen zweiten Hilfskonvoi an.

Militär

Russland hat Zehntausende Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Kiew verdächtigt Russland, die Separatisten heimlich mit Waffen und Kämpfern auszustatten. Russland weist dies zurück und kritisiert die Stationierung von Nato-Einheiten in Osteuropa.

Gasstreit

Wegen unbezahlter Rechnungen hat Russland der Ukraine im Juni das Gas abgedreht. Kiew droht Moskau mit einer Unterbrechung des Öl- und Gastransits nach Westeuropa.

Freihandelsabkommen

Russland sieht in einem Freihandelsabkommen der Ukraine und der EU eine Gefährdung seines eigenen Handels. Der Kreml will dies nun von russischen und ukrainischen Experten prüfen lassen.

Krim

Nachdem prorussische Bewaffnete auf der Krim strategisch wichtige Gebäude besetzt hatten, spaltete sich die Halbinsel im März in einem umstrittenen Referendum von der Ukraine ab. Moskau gliederte die Krim in die Russische Föderation ein; Kiew erkennt dies nicht an.

Denkbar wäre - als härteste Maßnahme - ein Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift. Aber auch ein Exportverbot von Hochtechnologiegütern, Kontensperrungen auf den engsten Beraterkreis Putins oder ein Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 wären denkbar.

Ein WM-Boykott findet auch in Berlin Befürworter. „Unter den gegenwärtigen Umständen russischer Aggression gegen die Ukraine kann ich mir (…) nicht vorstellen, dass eine deutsche Mannschaft in Russland teilnimmt“, schreibt der frühere Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, auf seiner Facebook-Seite. Daher fände es richtig, wenn jetzt eine Diskussion über die Frage des Austragungsorts beginne.

Unterstützung erhält Polenz von Parteifreunden im Bundestag.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ulrich Lehmenkmühler

11.02.2015, 08:55 Uhr

Etwas anderes hat er Polenz auch nicht mehr zu sagen. Ein Kommunalpolitiker aus dem Münsterland dem eine politische Karriere auf Bundesebene versagt blieb. Mit qualitativ hochwertigeren Themen konnte Herr Polenz auch nie glänzen.

Herr Thomas Krzizok

11.02.2015, 09:58 Uhr

Guten Tag Herr Lehmenkmuehler, ein Boykott bzw. eine Nichtaustragung der Fussball WM in diesem Putin-Russland ist mehr als vernuenftig und obligat. Daher gibt es auch keinen Grund, Herrn Polenz als "Kommunalpolitiker aus dem Muensterland....versagt blieb." zu diskreditieren. Die Aussage zum Boykott ist an sich vernuenftig und gut, egal ob Sie von Herrn Meier oder Mueller oder Lehmenkmuehler kommen wuerde. Da bedarf es also keiner Polemik. Wenn Sie aber letztlich nur ein Protagonist von Herrn Putin im Gespann mit Herrn Blatter sind, dann fahren Sie doch jetzt schon mal nach Russland.

Herr C. Falk

11.02.2015, 10:15 Uhr

Die Regierung in Kiew ist an dem bisherigen Nichtzustandekommen einer Lösungmindestens ebenso stark beteiligt wie Putin und Russland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×