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15.08.2013

12:03 Uhr

Reaktion auf Grass-Kritik an Lafontaine

„Größter SPD-Verräter war Gerhard Schröder“

VonDietmar Neuerer

Die Linke weist die scharfen Attacken des Schriftstellers Günter Grass auf Oskar Lafontaine schroff zurück - mit einem Hinweis auf den Altkanzler. Und auch in der SPD kann man der Grass-Volte nur wenig abgewinnen.

Gerhard Schröder: Die Linke nimmt den Altkanzler aufs Korn. dpa

Gerhard Schröder: Die Linke nimmt den Altkanzler aufs Korn.

BerlinDer Sprecher des Seeheimers Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, hat der Einschätzung des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass widersprochen, wonach Oskar Lafontaine das Haupthemmnis für Rot-Rot-Grün sei. „Mit Lafontaine hat das eher weniger zu tun, der ist schon Geschichte. Die Linke ist zurzeit nicht koalitionsfähig, weil es die Linke mindestens zweimal gibt: Ost/West oder pragmatisch/ideologisch“, sagte Kahrs Handelsblatt Online. Linksfraktionschefs Gregor Gysi habe sogar von „Hass in der Fraktion“ gesprochen.

Mit vielen Kollegen aus dem pragmatischen Teil der Linken könne man aber bei allen Unterschieden „pragmatisch und lösungsorientiert zusammenarbeiten“, sagte Kahrs weiter. Bei der anderen Hälfte der Fraktion sei das „garantiert nicht so“. Daher sei die Linke in ihrem jetzigen Zustand weder als Partei noch als Fraktion koalitionsfähig. „Jede Stimme für die Linke ist deshalb eine Schwächung des linken Lagers, fällt für den Wechsel aus und stabilisiert Merkel“, betonte der SPD-Politiker.

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Ende November waren es 474.820 Mitglieder (März: 474.481). Der Höchststand wurde in der Weimarer Republik erreicht: Mit 1,261 Millionen im Jahr 1923. Das Durchschnittsalter liegt heute bei 59 Jahren – das älteste Mitglied ist 107. Die längste Mitgliedschaft betrug 88 Jahre.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 90er Jahren bis zu 10.000.

Finanzen

2011 betrugen die Einnahmen 155 Millionen, die Ausgaben 141 Millionen – allein der Bundestagswahlkampf in diesem Jahr hat mehr als 20 Millionen Euro gekostet. Solche Jahre werden in der Regel mit einem Minus abgeschlossen.

Spenden und Beiträge

2011 erhielt die Partei zwölf Millionen Euro an Spenden, die Mitglieder zahlten zudem 70 Millionen an Beiträgen, 2010 waren es 68 Millionen. Die Spenden steigen im Wahljahr meist an. 2009 lagen sie zum Beispiel bei 18,7 Millionen Euro.

Der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, wies den Verrats-Vorwurf von Grass gegenüber dem früheren SPD-Chef Lafontaine scharf zurück. „Ich halte diese Ausfälle für vollkommen daneben. Der größte Verräter an der Geschichte der SPD war zweifellos Gerhard Schröder und seine Gang von Sozialstaatsverächtern“, sagte Ernst Handelsblatt Online. Früher habe die SPD für soziale Sicherheit und gerechte Löhne gestanden, dank dem früheren Kanzler Schröder stehe sie nun für Lohndumping und Armutsrenten.

Lafontaine habe „die sozialdemokratischen Werte in die Linke gerettet“, sagte Ernst weiter. „Das nervt die SPD und treibt sie, beides leider noch nicht genug. Hätte der einst als Arbeiterkaiser titulierte Sozialdemokrat August Bebel die Wahl gehabt, „er hätte sich niemals neben den Honorarkönig Peer Steinbrück, sondern zum Sozialdemokraten Oskar Lafontaine gestellt“.

Kommentare (84)

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drandolf

15.08.2013, 12:19 Uhr

Endlich sagt es mal einer: "Schröder war der größte Verräter der SPD". Viele Millionen Stammwähler hat er vertrieben, weil er die sozialen Standards massiv untergraben hat. Das ist bis heute der Knackpunkt für die SPD. Neue Antworten hat sie immer noch nicht, Gerechtigkeit kennt sie nicht, eine bürgernahes Programm hat sie nicht. Somit geht sie im Einheitsbrei der Blockparteien unter, gezüchtigt durch die Grünen Bevormunder. Selbst Opposition kann die SPD nicht mehr! Damit wird Merkel das Feld ohne Wahlkampf bereitet und die AfD profitiert davon. Es scheint, die SPD verschenkt weitere 20 Jahre, zumindest nach heutigem Stand.

vandale

15.08.2013, 12:24 Uhr

Schröder hat durch die Agenda 2010 mit die Arbeitslosigkeit von 6 Mio auf 3,5 Mio. gesenkt.

Das ist für die Sozialdemokratie die am liebsten das Geld der Erwerbstätigen umverteilt ein schreckliches Erlebnis.

Fr. Merkel korrigiert einige der Agendapunkte und überweist das überschüssige Geld an südeuropäische Länder .

Vandale

Account gelöscht!

15.08.2013, 12:30 Uhr

Der Artikel bringt es zu 100 % auf den Punkt. Den Sozialstaat kaputt gemacht haben Schröder und seine Gang. Die jetzigen SPD Granden können daran nichts deuteln. Ein ehrlicher Weg wäre, dies auch einzugestehen und zusammen mit Linken und Grünen einen reformierten, aber funktionsfähigen Sozialstaat ohne Hartz IV Dramen und Altersarmut zu schaffen. Nochmals: Toller Artikel

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