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30.12.2011

17:38 Uhr

Reaktion auf Kritik

Arbeitslosenstatistik nicht beschönigend

Die Kritik der Grünen an der Arbeitslosenstatistik wird von der Bundesagentur für Arbeit zurückgewiesen. Es werde nichts verschleiert, erklärte ein Sprecher. Dennoch tauchen nicht alle Erwerbslosen in dem Zahlenwerk auf.

Das Schild der Agentur für Arbeit am Eingang eines Jobcenters. dpa

Das Schild der Agentur für Arbeit am Eingang eines Jobcenters.

BerlinDie Bundesregierung hat den Vorwurf zurückgewiesen, dass sie die Arbeitslosenzahlen für Ältere durch Rechentricks beschönige. „Es wird nichts verschleiert“, erklärte das Arbeitsministerium. Die Grünen hatten der Bundesregierung vorgehalten, die Arbeitslosigkeit Älterer werde mit Blick auf den Einstieg in die Rente mit 67 „systematisch verharmlost“. Anlass dafür ist eine seit 2009 greifende Sonderregelung, wonach Hartz-IV-Arbeitslose ab dem Alter von 58 Jahren in der Arbeitslosenzahl nicht mehr auftauchen, wenn sie ein Jahr lang kein reguläres Job-Angebot erhalten haben. Im November 2011 waren dies laut Bundesagentur für Arbeit (BA) 104.600 Erwerbslose. Tatsächlich dürften es mehr sein, weil aus den 69 Optionskommunen, die Hartz-IV-Bezieher in Alleinregie betreuen, dazu keine Daten vorliegen.

„Notwendig ist eine ehrliche Statistik, die nicht länger verschleiert und beschönigt“, forderte die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer in einem Reuters vorliegenden Positionspapier. Auf ihre schriftliche Anfrage hatte das Arbeitsministerium die monatlich veröffentlichten Zahlen nochmals bestätigt. Demnach läge die Arbeitslosenquote der 55- bis 64-Jährigen im November bei 9,7 statt 8,0 Prozent, wenn die durch die Sonderregelung betroffenen Älteren als arbeitslos mit berücksichtigt würden.

Insgesamt wurden im November laut amtlicher Statistik sogar rund 240.000 ältere Erwerbslose aufgrund vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt. Dazu gehören auch Restbestände der 2008 beendeten Regelung, wonach Arbeitslose ab 58 Jahren dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen mussten - und dann aus der Statistik fielen.

Anfang 2008 wurden mit Hilfe dieser Regelungen nach Angaben des Ministeriums noch 620.000 Erwerbslose nicht als arbeitslos mitgerechnet. Die Inanspruchnahme vorruhestandsähnlicher Regelungen habe sich somit verringert, erklärte das Ministerium: „Damit werden mehr Personen als arbeitslos ausgewiesen.“ All diese Zahlen weist die Bundesagentur auch monatlich in ihren Statistiken aus - statt in der Arbeitslosenzahl aber in der Unterbeschäftigtenstatistik. Sie umfasst neben den Arbeitslosen auch Erwerbslose, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer einer Qualifizierungsmaßnahme, eines Ein Euro-Jobs oder einer Sonderregelung oder schlichtweg arbeitsunfähig krank sind. Damit will die BA ein „möglichst umfassendes Bild vom Defizit regulärer Beschäftigung“ geben.

Ohne Berücksichtigung der Kurzarbeit waren im November 3,859 Millionen Menschen unterbeschäftigt, fast 500.000 weniger als vor einem Jahr und über eine Million weniger als vor zwei Jahren. Die Unterbeschäftigung sinkt damit deutlicher als die registrierte Arbeitslosigkeit. Ein Grund dafür ist der Rückgang von Arbeitsmarktmaßnahmen: So gab es im November allein rund 177.000 weniger Erwerbslose, die in einer beruflichen Weiterbildung oder in einem Ein-Euro-Job waren.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

30.12.2011, 18:16 Uhr

Deutschland: Höchste Arbeitslosigkeit seit 1933
Von Peter Schwarz
3. März 2005
Mit über 5,2 Millionen hat die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland den höchsten Stand seit 1933, dem Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten erreicht.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldete für Februar eine Zahl von 5.216.434 Menschen, die offiziell als Arbeitslose registriert sind. Das entspricht einer Quote von 12,6 Prozent - 10,4 Prozent in den alten und 20,7 Prozent in den neuen Bundesländern. Den Spitzenwert hält Mecklenburg-Vorpommern, wo fast jeder Vierte ohne Arbeit ist. Bundesweit sind mehr als ein Drittel der Betroffenen Langzeitarbeitslose, das heißt, sie sind seit einem Jahr oder länger ohne Beschäftigung.
Die Bundesregierung hat versucht, diese Zahlen zu relativieren, indem sie auf die veränderte Zählweise aufgrund der Hartz-IV-Gesetze sowie den harten Wintereinbruch im Februar hinwies. Doch selbst wenn man diese Faktoren berücksichtigt, handelt es sich immer noch um die höchste Arbeitslosenzahl seit 1998, als SPD und Grüne die Regierung übernahmen. Und vom Anstieg um 161.000 gegenüber Januar sind gerade 16.000 auf die saisonale Winterarbeitslosigkeit zurückzuführen.

Bundeskanzler: Gerhard Schröder 27. Oktober 1998 - 22. November 2005 SPD

Worüber beschweren sich die grünen nun ?
Die höchste Arbeitslosigkeit seit 1933 haben auch die grünen zu verantworten , sie waren Koalitionspartner !!!

Ameliegnom

30.12.2011, 18:50 Uhr

sie schaffen Sonderregelungen und schon sind die unbequemen Langzeitarbeitslosen weg, schwubdiwub. So einfach kann man sich die Zahlen hinbiegen in der Regierung.
Aber diese Praktiken gibt es ja schon lange, es sollten nur in den Medien, bei Veröffentlichung der neuen Arbeitslosenzahlen, die Bürger auf diese eingeschränkte Zählung hingewiesen weil ansonsten ein völlig falscher Eindruck entsteht.
Hier noch eine kleine Auswahl von früheren Schönungen:

Im Januar 1986 tritt ein Gesetz in Kraft, wonach Empfänger von Arbeitslosenhilfe nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden, wenn sie Erziehungsgeld bekommen und wegen eines Kindes nicht mehr verfügbar sein müssen. Die Regel lief 1997 aus.
Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) gibt 1992 die Anweisung, Asylbewerber und ihre Angehörigen erst dann in die Statistik aufzunehmen, wenn sie staatliche Leistungen beziehen.
Wer Arbeitslosenhilfe bekommt und eine gemeinnützige Arbeit übernimmt, wird ab Mitte 1994 nicht mehr als arbeitslos gezählt.
Unter Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) fallen Teilnehmer an Trainings- und Eingliederungsmaßnahmen aus der Statistik. Die Regel gilt seit Januar 2004.
Parteifreund Olaf Scholz veranlasst 2008, dass Jobsuchende, die von privaten Vermittlern betreut werden, nicht mehr als arbeitslos gezählt werden.

Thomas-Melber-Stuttgart

30.12.2011, 19:46 Uhr

Interessant wäre zu erfahren, wer denn alles nicht mitgezählt wird. So weit ich weiß sind darunter auch krankgemeldete Arbeitslose und Zwangsverrentete. Ferner sollte man jene berücksichtigen, die zwangsweise Teilzeit arbeiten, jedoch einen Vollzeitarbeitsplatz suchen.

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