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30.09.2013

17:30 Uhr

Reaktion auf Vorwürfe

Gauck fühlt sich ganz und gar nicht müde

Ist Bundespräsident Gauck überlastet? Ein Biograf meint schon. Mitarbeiter des Präsidialamtes sprechen ebenfalls von „Ermüdungserscheinungen“. Gauck nimmt es gelassen. Die Schuld trägt im Zweifelsfall sein Vorgänger.

Bundespräsident Joachim Gauck hat gelassen auf die Vorwürfe in einer Biographie reagiert. Anstelle müde zu sein, plant Gauck weitere Reisen – unter anderem nach Russland. Reuters

Bundespräsident Joachim Gauck hat gelassen auf die Vorwürfe in einer Biographie reagiert. Anstelle müde zu sein, plant Gauck weitere Reisen – unter anderem nach Russland.

BerlinWarum er denn die neue Biografie so habe durchgehen lassen, wird Bundespräsident Joachim Gauck am Rande der Ausstellung „Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929-1956“ gefragt. Gauck antwortet lächelnd: „Wir sind ein freies Land.“ Lese man die Biografie insgesamt, bekomme man ein anderes Bild, als wenn man sich nur auf ein Kapitel konzentriere.

„Der Spiegel“ zitiert in seiner neuen Ausgabe aus jener Biografie von Mario Frank. Danach halten enge Mitarbeiter den 73-jährigen Bundespräsidenten für überlastet. Eine Beraterin im Präsidialamt sprach von „Ermüdungserscheinungen“ bei Gauck. Der Präsident klage über zu viele Termin-Zusagen seiner Vorgänger, denen er Folge leisten müsse.

Gauck schien etwas gutgläubig zu meinen, in zahlreich gewährten Gesprächen die Meinung des Biografen ändern zu können. Im Präsidialamt heißt es nun, die Gespräche seien zu Beginn der Amtszeit vor fast anderthalb Jahren geführt worden. Heute ergebe sich ein anderes Bild.

Gaucks beste Sprüche

Gauck über die Euro-Krise

Gauck rief dazu auf, auch in der Euro-Krise am europäischen Gedanken nicht zu zweifeln. „Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren“. Gerade in Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgeprägt, sich in den Nationalstaat zu flüchten. „Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen.“
„Europa war für meine Generation Verheißung. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein Gewinn.“

Gaucks Appell an die Regierenden

„Erst redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.“

Gauck über Demokratie

Der Bundespräsident mahnte, die repräsentative Demokratie nicht generell infrage zu stellen. Die repräsentative Demokratie sei das einzige System, das Gemeinwohl- und Einzelinteressen ausgleichen könne. „Das Besondere des Systems ist nicht seine Vollkommenheit, sondern dass es sich um ein lernfähiges System handelt“, fügte Gauck hinzu.
Und die aktive Bürgergesellschaft bis hin zur digitalen Netzgemeinschaft ergänze das System und gleiche Mängel aus.

Gaucks Appell an die Regierten

„Seid nicht nur Konsumenten.“

Gauck über Freiheit

„Freiheit ist eine notwendige Bedingung für Gerechtigkeit.“ Umgekehrt sei Gerechtigkeit aber auch „Grundlage für die Freiheit“.

Gauck über Integration und Gesellschaft

„Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen.
Der Staat definiere sich immer mehr durch die Zugehörigkeit seiner Bürger zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft. Der Bundespräsident warnte davor, in Fragen des Zusammenlebens sich „von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen“ leiten zu lassen.

Gauck über (Selbst-)Vertrauen und Mut

„Ich bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen“.
Gauck erinnerte an ein Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi (1869-1948), wonach nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritt machen und Erfolge haben könne. Dann fügte er hinzu: „Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über aktive Bürger

Gauck sprach sich für die Stärkung der aktiven Bürgergesellschaft aus. Engagierte Bürger unterstützten die parlamentarische Demokratie und „gleichen Mängel aus“. Es seien gerade diese Bürger, die sich Demokratiefeinden und Extremisten entgegenstellen, sagte er. Zudem betonte Gauck die Notwendigkeit des Ehrenamtes.

Gauck zu Rechtsextremisten

„Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich“.
„Wir schenken euch auch nicht unsere Angst“.
„Ihr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben.“ Mit Blick auf die deutsche Geschichte nannte Gauck Deutschland ein „Land des Demokratiewunders“.

Gaucks Appell an die Deutschen

„Nur ein Mensch mit Selbstvertrauen kann Fortschritte machen und Erfolge haben - dies gilt für einen Menschen wie für ein Land.“
„Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über die 68-Generation

Im Westdeutschland der Nachkriegszeit sei der Umgang mit dem Nationalsozialismus zunächst defizitär geblieben, sagte Gauck. „Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert.“ Trotz aller Irrwege habe sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Gauck über Sport

„Wir brauchen den Sport in einer demokratischen Gesellschaft. Er ist ein wesentlicher Baustein.“ So hat Gauck vor einem Jahr im „Deutschlandfunk“ seine grundsätzliche Haltung zum Sport beschrieben.
Als Sportler könne man viel für das Leben lernen, und wenn da auch noch politisches Interesse dazu komme, „dann ist das ein großes Geschenk für die Gesellschaft“. Das hat Gauck in Berlin vor einer Woche bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Bürger Gauck vor jungen Eishockeyspielern gesagt, die sich eingesetzt haben für die von ihm angeführte Aktion „Für Zivilcourage - Gegen Diskriminierung im Sport.“
„Männer“, hat er hinzugesetzt, „ich verstehe nichts vom Eishockey, aber das was sie machen ist toll.“

In der Tat dürften die Reisen und Termine, die der vorzeitig aus dem Amt geschiedene Gauck-Vorgänger Christian Wulff nicht mehr abarbeiten konnte, zahlreich gewesen sein. Jede Reiseabsage aber hätte diplomatische Verstimmungen mit dem Reiseland nach sich gezogen. Von daher war Gauck in der Pflicht.

Zahlreiche Antrittsbesuche in den 16 Bundesländern seien zu absolvieren gewesen, sowie Antrittsbesuche bei den wichtigsten europäischen Nachbarländern, hieß es im Präsidialamt weiter. Eine solche Terminfülle ist wohl nicht ohne Stress abgegangen - zumal für einen, der kein Politprofi war und kaum Erfahrung in einer vergleichbaren, herausgehobenen politischen Funktion mitbrachte.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

30.09.2013, 18:08 Uhr

Wenn auch Gauck zurüchtreten sollte, kann es z.B., diese Gründe haben:

- er hat genug vom Amt und ihm ist die Alters-Pension schon sicher
- in Deutschland soll es wieder ein neues "Schein-Demokratie-Thema" geben, die Wahl eines neuen BP, mit dem man ablenken will von EU und EURO
- Gauck hat ggf. etwas falsch gemacht oder etwas falsches gemacht und wird abgesägt (siehe Wulff)
- Frau Merkel hat schon einen Anderen aus ihrem "Vertrauens-Kreis", dem sie einen "Posten" bescheren will und auf den sie sich "verlassen" kann, wahrscheinloch auch aus Mecklenburg ...

Fällt euch noch etwas anderes als Möglichkeit ein ??

DerMuede

30.09.2013, 18:11 Uhr

„Ermüdungserscheinungen“

Und nicht zu vergessen, eine Ehefrau und eine Lebensgefährtin.
Da darf man schon mal müde sein.

Was sollen die alten Geschichten mit dem Gulag ?
Meine Mutter war Sklavenarbeiterin in Deutschland, doch ich posaune das nicht bei jeder Gelegenheit durch die Gegend.
Man muss auch mal Vergangenheit, Vergangenheit sein lassen können.
Einem Mann wie ihm würde das gut zu Gesicht stehen wenn er das fertig bringen könnte.
Wie sollen wir mit Russland endlich unseren Frieden machen, wenn man so alte Geschichten auf wärmt.
Da hätten wohl sehr viele Russen auch Grund zur Klage über die Deutschen Besatzer.

Account gelöscht!

30.09.2013, 18:31 Uhr

Herrn Gauck hätten wir nun wirklich nicht gebraucht. Wenn er katholisch wäre hätte er vieleicht Pabst werden können. Allerdings nicht mit zwei Frauen! Wir sollten doch einen besseren finden.

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