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16.01.2017

12:35 Uhr

Reaktionen auf Trump

„Haltung bewahren, selbstbewusst agieren“

VonDietmar Neuerer, Norbert Häring

Die Drohungen des künftigen US-Präsidenten gegen deutsche Autobauer sorgen für Unruhe in Berlin. Wirtschaftsminister Gabriel warnt vor Strafzöllen – und appelliert an das Selbstbewusstsein deutscher Unternehmer.

Der künftige US-Präsident droht deutschen Unternehmen - und löst damit teilweise trotzige Reaktionen aus. AP

Donald Trump.

Der künftige US-Präsident droht deutschen Unternehmen - und löst damit teilweise trotzige Reaktionen aus.

BerlinDie erneute Drohung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Strafzöllen auf Importe verunsichert die deutsche Autoindustrie. An der Börse lagen die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen am Montag deutlich im Minus. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und Analysten warnten vor möglichen negativen Folgen für die Wirtschaft weltweit. „Mit dem Aufbau von Zöllen oder anderen Handelsbarrieren würden sich die USA langfristig ins eigene Fleisch schneiden“, erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel warnte Trump davor, Strafzölle einzuführen. „Die amerikanische Autoindustrie wird dadurch schlechter, schwächer und teurer“, sagte der SPD-Politiker zu „Bild“. Es führe zu nichts, „andere schwächer zu machen, dadurch wird man selber nicht stärker.“ Gabriel warnte davor, in Hektik zu verfallen. Deutschland sei nicht unterlegen, es sei ein starkes Land und müsse jetzt selbstbewusst sein.

Gabriel äußerte zudem Zweifel daran, ob Trump seine Pläne etwa für Strafsteuern auf aus Mexiko importierte Autos überhaupt umsetzen könne: „Ich würde mal abwarten, was dazu der von Republikanern dominierte Kongress sagt. Das sind eigentlich Politiker, die das Gegenteil von Herrn Trump wollen.“ Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erinnerte Trump außerdem daran, dass internationale Abkommen einzuhalten seien. „Wir gehen davon aus, dass unser amerikanischer Partner sich auch weiterhin an die völkerrechtlichen Verpflichtungen und die WTO-Regeln hält“, sagte Steinmeier am Montag vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber, schloss Gegenmaßnahmen nicht aus, sollte Trump seine Drohungen wahrmachen. „Ob #Trump eine Sekunde darüber nachdenkt, was unsere Antwort auf Strafzölle wäre?“, schrieb Kelber auf Twitter.

Währenddessen plädiert CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn für einen persönlicheren Kontakt zwischen Bundesregierung und dem künftigen US-Präsidenten. „Donald Trump ist jemand, der sehr auf persönliche Beziehungen setzt, der viel mitnimmt aus persönlichen Gesprächen“, sagte Spahn am Montag in einer Talkrunde auf „bild.de“. Daraus könne eine Basis entstehen. Bei US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel habe die Beziehung auch nicht von Anfang an nur gut funktioniert.

Deutsche Autobauer in Mexiko und den USA

BMW in Mexiko

Der Münchner Oberklasse-Autobauer begann Mitte 2016 mit dem Bau seines ersten großen mexikanischen Werkes in San Luis Potosi. Ab 2019 soll dort der absatzstarke 3er für den Weltmarkt gebaut werden. Die jährliche Produktionskapazität des Werkes liegt bei 150.000 Stück. Es sollen mindestens 1500 neue Arbeitsplätze entstehen.

BMW in den USA

In seinem weltweit größten Werk Spartanburg, gemessen an der Produktionskapazität, baut BMW Geländewagen. Im vergangenen Jahr liefen rund 411.000 X-Modelle vom Band, 70 Prozent davon wurden aus den USA exportiert. An dem seit 1994 bestehenden Standort arbeiten mehr als 8000 Beschäftigte.

Volkswagen in Mexiko

VW betreibt in Puebla seit mehr als 50 Jahren eines seiner größten Werke mit zuletzt annähernd 15.000 Beschäftigten. Der Großteil der dort vom Band laufenden Autos wie der Jetta oder der Käfer-Nachfolger Beetle wird in die USA geliefert. Nun kommt der SUV Tiguan hinzu, der als verlängerte Version unter dem Namen Allspace auf den US-Markt gebracht werden soll.

Volkswagen in den USA

VW hat sein 2011 eröffnetes Werk in Chattanooga/Tennessee zuletzt 2015 vergrößert. Die Fabrik mit ihren rund 3200 Beschäftigten hat eine Produktionskapazität von etwa 150.000 Stück. Neben dem Passat soll dort in diesem Jahr der neue SUV für den US-Markt namens Atlas vom Band rollen.

Audi in Mexiko

Die VW-Premiumtochter hat im Herbst 2016 ihr Werk in San Jose Chiapa eröffnet und fährt derzeit die Produktion hoch. Bis zu 150.000 Fahrzeuge können in dem Werk gebaut werden. Audi fertigt dort den Geländewagen Q5 - für mehr als 100 Märkte weltweit. Im Audi-Werk sollen insgesamt 4200 Arbeitsplätze entstehen.

Audi in den USA

In den USA hat die Marke mit den vier Ringen ebenso wie die Konzernschwester Porsche keine Fertigung.

Daimler in Mexiko

Daimler zieht gerade zusammen mit seinem französisch-japanischen Partner Renault /Nissan ein Pkw-Werk in Aguascalientes hoch, in dem Kompaktmodelle vom Band rollen sollen. Die Produktion von Fahrzeugen der Nissan-Nobelmarke Infiniti soll im November 2017 anlaufen, Mercedes-Benz will im Frühjahr 2018 mit Kompaktwagen wie der neuen A-Klasse oder dem Mini-SUV GLA starten. Die in der Nähe eines bereits bestehenden Nissan-Werks gelegene Fabrik soll eine Jahreskapazität von 230.000 Fahrzeugen haben und im Jahr 2020 rund 3600 Mitarbeiter beschäftigen.

Daimler in den USA

Mercedes-Benz baut am Standort Tuscaloosa/Alabama Geländewagen und die C-Klasse für den nordamerikanischen Markt. Die seit 1995 bestehende Fabrik hat mehr als 3500 Beschäftigte und eine Produktionskapazität von rund 300.000 Fahrzeugen im Jahr. Einschließlich Nutzfahrzeugproduktion und Forschung hat Daimler rund 22.000 Beschäftigte in den USA.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bezichtigte Trump, „völlig blind für ökonomische Zusammenhänge“ zu sein. Vor dem Hintergrund der eng verflochtenen Weltwirtschaft seien negative Rückwirkungen einer solchen Strafzoll-Politik nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch in den USA selber nicht auszuschließen. „Das werden auch die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger merken, dass dieser Pfad von Herrn Trump ein Holzpfad ist“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann am Montag in Berlin.

Hoffmann warnte vor einer Rückkehr zu Protektionismus und Kleinstaaterei. „Das verträgt sich überhaut nicht mit unseren Vorstellungen einer fairen Gestaltung von Handel und Globalisierung.“ Im Zuge der Globalisierung habe es zwar Unwuchten gegeben. Statt neue Grenzen oder Mauern zu bauen, komme es aber darauf, „die Wohlstandsgewinne, die ja mit Globalisierung durchaus einhergehen“, gerecht zu verteilen.

Trump hatte in einem Interview der „Bild“-Zeitung und der Londoner „Times“ mit Blick auf deutsche Autobauer gesagt: „Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen.“ Trump hatte zudem dem Autobauer BMW, der 2019 eine Fabrik in Mexiko eröffnen will, nahe gelegt, die Fabrik in den USA zu bauen. Der künftige US-Präsident hatte außerdem mehr amerikanische Autos auf deutschen Straßen gefordert. Gabriel erwiderte, dafür sollten die USA bessere Autos bauen.

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