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06.03.2013

15:15 Uhr

Reaktionen

Wagenknecht preist Wirtschaftsmodell von Chávez

Washington reagiert verhalten, Moskau spricht von einer Tragödie. Und die deutschen Linken preisen das Wirtschaftsmodell des verstorbenen venezolanischen Staatschefs Chávez als wegweisend.

Die Linke Sahra Wagenknecht genießt in Geld-Angelegenheiten das Vertrauen des Hauptgeschäftsführers des deutschen Bankenverbands. dpa

Die Linke Sahra Wagenknecht genießt in Geld-Angelegenheiten das Vertrauen des Hauptgeschäftsführers des deutschen Bankenverbands.

BerlinStaatstrauer in Kuba, Argentinien und Iran – Hoffnung auf ein neues Kapitel in den USA: Der Tod von Hugo Chávez hat eine große Bandbreite von Reaktionen gefunden. Der venezolanische Präsident erweist sich auch darin als eine der schillerndsten politischen Persönlichkeiten der jüngsten Vergangenheit.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte das Interesse Washingtons an „der Entwicklung konstruktiver Beziehungen mit der venezolanischen Regierung“. Der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper wurde deutlicher: Er hoffe, dass die Venezolaner sich nun eine „bessere, glänzendere Zukunft gründend auf den Prinzipien Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Respektierung der Menschenrechte“ bauen könnten.

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Der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin bezeichnete Chávez' Tod als eine Tragödie: „Er war ein großer Politiker für sein Land, Lateinamerika und die Welt.“ Chávez habe eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung der venezolanisch-russischen Beziehungen gespielt. Venezuela ist einer der wichtigsten lateinamerikanischen Handelspartner Russlands, unter Chávez waren Waffenlieferungen aus Russland erhöht und die militärische Kooperation zwischen beiden Ländern intensiviert worden.

Ähnlich euphorisch reagierten die Linken in Deutschland. Sie werten den Tod von Chávez als Verlust. Mit ihm sei ein „großer Präsident gestorben, der mit seinem ganzen Leben für den Kampf um Gerechtigkeit und Würde stand und der die lateinamerikanische Integration wegweisend vorangetrieben hat“, erklärten die Vizevorsitzende der Linksfraktion, Sahra Wagenknecht, und die Außenexpertin  der Linken, Sevim Dagdelen, in einer gemeinsamen Erklärung.

Wie sich Venezuela unter Chavez entwickelt hat

Wie hat sich die Wirtschaft unter Chavez entwickelt?

Das je Einwohner erwirtschaftete Bruttosozialprodukt ist nach Angaben der Weltbank von 1998 bis 2010 um 6,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Von 1974 bis 1998 war es noch um 16 Prozent gefallen. Zu verdanken hat das Venezuela vor allem seinem Öl-Reichtum: Öl und Öl-Produkte machten 2012 rund 96 Prozent der Exporte aus; 1999 waren es lediglich 76 Prozent. Zudem ist der Öl-Preis deutlich gestiegen. Lag er zu Beginn von Chavez' Amtszeit noch bei zehn Dollar je Barrel, sind es jetzt etwa 110 Dollar.

Was sind die Probleme?

Die Inflationsrate gehört zu den höchsten der Welt. Im Februar lag sie bei 32 Prozent. Das staatlich verordnete Tauschverhältnis vom Dollar zum Bolivar von 1 zu 6,3 trifft die Wirtschaft hart und hat zu einem florierenden Schwarzmarkt geführt. Bestimmte Importgüter sind bereits knapp geworden. Dazu kommt, dass die weitgehend verstaatlichte Öl-Industrie teilweise marode ist, weil ausländische Investoren vertrieben wurden. So fiel die Öl-Produktion in der Chavez-Amtszeit von 3,5 auf 2,34 Millionen Barrel pro Tag.

Schwächelt nur die Ölindustrie?

Nein. Der Ausstoß der verstaatlichten Eisenerz-, Stahl- und Aluminiumindustrie fiel 2012 so gering aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Einst gehörte Venezuela zu den größten Aluminium-Exporteuren der Welt, inzwischen ist es zum Importland geworden. Der Industrie setzen häufige Stromausfälle zu. So sorgten Dürren in den vergangenen Jahren häufig für Blackouts bei Wasserkraftwerken, weshalb die Behörden die Energie für Industriebetriebe rationierten.

Können die Sozialausgaben weiter finanziert werden?

Aus den Gewinnen des staatlichen Öl-Monopolisten PDVSA flossen zwischen 2004 und 2010 etwa 61,4 Milliarden Dollar in Sozialprogramme. Ob auch künftig so viel Geld sprudelt, ist ungewiss. Die USA als einer der Hauptkunden sind gerade dabei, sich durch die Schieferöl-Förderung (Fracking) unabhängig von Importen zu machen und könnten in wenigen Jahren selbst zum Öl-Exporteur aufsteigen. Dazu kommt, dass die Raffinerien in Venezuela dringend modernisiert werden müssen. 2012 kamen bei einer Explosion in der größten des Landes 40 Menschen ums Leben. Sogar die eigentlich Chavez-freundlichen Gewerkschaften demonstrierten.

Wie steht es um die Beziehungen zu Deutschland?

Deutschland betreffen die Entwicklungen in Venezuela kaum. 2012 wurden lediglich Waren im Wert von 539 Millionen Euro nach Deutschland ausgeliefert. Damit belegt Venezuela in der Rangliste der wichtigsten deutschen Lieferanten lediglich Platz 73, noch hinter Ländern wie Kambodscha und der Elfenbeinküste. Die deutschen Ausfuhren nach Venezuela belaufen sich auf 904 Millionen Euro - das entspricht nicht einmal 0,1 Prozent des gesamten Exportvolumens.

Initiativen wie ALBA oder Petrosur zeigten, dass ein anderes Wirtschaftsmodell möglich sei. „Seine Wiederwahlen gegen massive Widerstände und Einflussnahme beweisen, wie populär eine solche Politik sein kann“, betonten die beiden Linkspartei-Politikerinnen. Mit seiner Politik habe Chávez nicht nur Venezuela, sondern Lateinamerika verändert. „ALBA und das bolivarische Projekt sind das Vermächtnis von Hugo Chávez, das es über seinen Tod hinaus zu erhalten und weiterzuentwickeln gilt. Die bolivarische Revolution ist zu verteidigen.“

Kommentare (16)

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Ben-Wa

06.03.2013, 15:26 Uhr

Die LINKE hätte nach dem Zusammenbruch der DDR genauso verboten werden müssen wie die Nazipartei nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs. Widerlich, daß dieser merkwürdigen Dame noch so viel Aufmerksamkeit gezollt wird. Ideologin bleib Ideologin!

Account gelöscht!

06.03.2013, 15:44 Uhr

Chavez hatte zur Bezahlung seiner Träume Öl.

Was hat die LINKE?
Das Vermögen der Reichen wird sich schneller erschöpfen und aus dem Staub machen, als Wagenknecht Steuern erhöhen kann.



Boehm

06.03.2013, 15:45 Uhr

Noch ein Beweis mehr, was die wirklichen Absichten der Linken = Sozialisten/Kommunisten sind. Eine neue DDR zu etablieren. Und SPD/Grüne, insbesondere Hr. Gabriel (vgl. Geheimplan) werden ihnen sicherlich behilflich sein. So gesehen wäre es besser bei der Teilung Deutschlands geblieben.

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