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04.02.2016

14:45 Uhr

Reallöhne sind stark gestiegen

Niedrige Inflation beschert Deutschen dickes Lohnplus

2015 hatten die Deutschen so viel mehr im Geldbeutel wie seit 2008 nicht mehr: Niedrige Inflation und Ölpreisverfall ließen die Reallöhne um 2,5 Prozent steigen. Besonders eine Einkommensgruppe profitiert besonders.

Die Deutschen machten im vergangenen Jahr ein deutliches Plus bei ihren Löhnen. dpa

Mehr Geld in der Lohntüte

Die Deutschen machten im vergangenen Jahr ein deutliches Plus bei ihren Löhnen.

Berlin, WiesbadenDie niedrige Inflation hat den Deutschen 2015 das größte Lohnplus seit mindestens zwölf Jahren beschert. Die Reallöhne kletterten um 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Dies sei der höchste Anstieg seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2008.

Wegen der geringen Teuerung schlugen die Lohnerhöhungen nahezu vollständig auf die Reallöhne durch, so dass die Menschen eine höhere Kaufkraft hatten, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Fachbegriffe zum Thema Lohn

Inflation

Als Inflation bezeichnet man eine Geldentwertung (Sinken des Geldwertes), die sich durch Steigen des Preisniveaus für Endprodukte (Konsumgüter, Investitionsgüter) ausdrückt. Nach klassischer Theorie entsteht eine Inflation durch anhaltende überhöhte Güternachfrage über das gesamtwirtschaftliche Güterangebot hinaus. Erfahrungsgemäß geht sie mit einer Erhöhung der umlaufenden Geldmenge und/oder der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes einher. Die Höhe der Inflation wird durch die Inflationsrate ausgedrückt.

Phillipskurve

Graphische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Preissteigerungsrate und Beschäftigungsgrad in einer Volkswirtschaft. Sie behauptet, dass mit steigender Beschäftigung auch das Preisniveau steigt. Die ursprüngliche Phillipskurve führt auf den britischen Ökonometriker A.W. Phillips (1958) zurück, sie beschreibt den negativen Zusammenhang zwischen Unterbeschäftigung und der Änderungsrate des Nominallohnsatzes. Er bewies damit, dass bei geringerer Arbeitslosigkeit die Nominallöhne der Arbeiter steigen und umgekehrt (Großbritannien 1861 - 1957). Seine Überlegungen gingen dahin, dass die Arbeitnehmer bei einem hohen Beschäftigungsstand, eine höhere Verhandlungsmacht haben, und dadurch höhere Löhne durchsetzen könnten (keynesianische Erklärung), dies geschieht allerdings nur einseitig und kann nicht umgekehrt verstanden werden. Im Laufe der Zeit wurden mehrfach Modifikationen an der Phillipskurve vorgenommen.

Reallohn

In der Volkswirtschaftslehre ist der Reallohn ein Maß für die Kaufkraft. Er stellt die Höhe der Arbeitsentgelte unter Berücksichtigung der Geldwertentwicklung dar. Für einen Arbeitnehmer ist somit nicht unbedingt die absolute Höhe seines Lohns oder Gehalts bedeutsam. Entscheidend ist vielmehr die Kaufkraft, also die Güter- und Leistungsmenge, die er für sein Einkommen kaufen kann.

Reservationslohn

Dies ist die Bezeichnung für den Lohn für Arbeit, zu dem ein Arbeitnehmer gerade noch bereit ist, seine Arbeitskraft anzubieten. Wenn der angebotene Lohn unter dem Reservationslohn liegt, so wird der Arbeitnehmer keine Arbeitskraft mehr anbieten. Freizeit stellt für den Arbeitnehmer ein ökonomisches Gut dar und deshalb muss er abwägen zwischen denjenigen Gütern, die er für den Lohn erwerben könnte und der Freizeit, die er für die Lohnarbeit opfern muss. Wird ein Lohn in Höhe des Reservationslohns angeboten, so ist der Arbeitnehmer indifferent zwischen der Arbeitsaufnahme und der Freizeit. Eine Arbeitsaufnahme kann also nur bei einem Lohnangebot größer oder gleich dem Reservationslohn erwartet werden.

Rezession

Die Rezession ist eine Abschwungphase der Konjunktur. Dieser wirtschaftliche Abschwung ist oftmals auf anhaltende Kursverluste an der Börse (Baisse) zurückzuführen. Die Rezession ist eine abgeschwächte Form der wirtschaftlichen Depression, doch entwickelt sich im allgemeinen weniger dramatisch. Rückgang des saisonbereinigten realen BIP in mindesten zwei aufeinander folgenden Quartalen. Zur Messung werden die Werte mit dem jeweiligen Quartal des Vorjahres verglichen. Eine Rezession ist an der Abschwächung der Hochkonjunktur, der schlechten Beurteilung der Wirtschaftslage, der sinkenden Nachfrage, an überfüllten Lagern, den Abbauc von Überstunden und der beginnenden Kurzarbeit, sowie fehlenden Investitionen, der teilweisen Stilllegung von Produktionsanlagen und den stagnierenden bzw. sinkenden Preisen/ Löhne oder Zinsen zu erkennen.

Tarifvertrag

Arbeitgeber oder Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften schließen einen schriftlichen Tarifvertrag, um die Rechte und Pflichten der Vertragspartner zu regeln. Hinzu kommen rechtliche Vereinbarungen über den Inhalt, den Abschluss und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen (beispielsweise die Höhe von Lohn und Gehalt oder sonstige Arbeitsbedingungen). Außerdem enthalten Tarifverträge betriebsverfassungsrechtliche Regelungen. Tarifverträge sind auf der rechtlichen Grundlage der Tarifautonomie, die es den Tarifpartnern ermöglicht Verträge über Arbeitsbedingungen ohne staatliche Mitsprache auszuhandeln, abzuschließen und auch zu beenden. Rechtliche Grundlage ist das Tarifvertragsgesetz (TVG).

Warenkorb

Der Warenkorb ist eine statistische Größe. Es handelt sich um die Zusammenstellung von Waren und Dienstleistungen, die eine bestimmte Person oder eine Gruppe in einer gewissen Zeit typischerweise anbietet oder nachfragt. Der Inhalt eines Warenkorbes muss immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst werden.

2014 hatte es ein Plus von 1,7 Prozent gegeben. Und 2013 waren die Reallöhne sogar leicht gesunken. Damals lag die Inflationsrate noch bei 1,5 Prozent, 2015 jedoch nur bei 0,3 Prozent. Hauptgrund für die niedrigen Lebenshaltungskosten ist der Ölpreisverfall. Die Nominallöhne, bei denen die Veränderungen des Preisniveaus ausgeklammert werden, legten im vorigen Jahr mit 2,8 Prozent etwas stärker zu als 2014. Damals wurden 2,6 Prozent erreicht.

„Es zeigt sich, dass vor allem Beschäftigte mit eher durchschnittlichen Verdiensten hohe nominale Zuwächse aufwiesen“, teilte eine Statistikerin mit. In den östlichen Bundesländern blieb dabei mehr hängen: Das nominale Plus lag bei 3,9 Prozent, im Westen nur bei 2,5 Prozent: „Da die Durchschnittsverdienste im Osten niedriger sind als im Westen, passt das ins Bild.“

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Die meisten Experten rechnen auch für dieses Jahr mit einer sehr niedrigen Inflation. Gleichzeitig dürften die Löhne erneut deutlich kräftiger zulegen als die Preise. Für die Tarifrunde 2016 hat sich die IG Metall für eine Lohnforderung in Höhe von 4,5 bis 5,0 Prozent ausgesprochen. Die Metall- und Elektroindustrie ist mit über 3,5 Millionen Beschäftigten die größte Branche, über deren Löhne im laufenden Jahr verhandelt wird.

Der Einfluss des zum Jahresbeginn 2015 eingeführten Mindestlohns lasse sich auf der vorliegenden Grundlage nicht beziffern, erklärten die Statistiker. Es gibt aber einige Hinweise auf die Wirksamkeit der Vorgabe des Stundenlohns von 8,50 Euro. So erklärte etwa das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Januar, der Mindestlohn habe dazu beigetragen, dass die effektiven Bruttoeinkommen erstmals seit längerer Zeit stärker gestiegen seien als die Löhne von Tarifbeschäftigten. Deren Gehälter hätten real um 2,4 Prozent zugelegt. Besonders stark gestiegen sind im zurückliegenden Jahr die Löhne der ungelernten Arbeiter (+4,1 Prozent) und der geringfügig Beschäftigten (+4,7 Prozent). Im Osten mit seiner niedrigeren Gehaltsstruktur stiegen die Nominallöhne ebenfalls stärker (+3,9 Prozent) als im Westen (+2,5 Prozent).

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