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29.06.2016

18:10 Uhr

Rebecca Harms

Grüne fordern Garantien für junge Briten in Deutschland

Rebecca Harms, Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, fordert Staatsbürgerschaften für britische Studenten nach dem Brexit-Votum. Allerdings gibt es auch einen kuriosen Gegentrend.

Die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament will erreichen, dass die EU-Staaten unilateral dafür sorgen, dass britische Studenten, Austauschschüler oder Praktikanten keine Nachteile durch das Brexit-Votum haben. dpa

Rebecca Harms

Die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament will erreichen, dass die EU-Staaten unilateral dafür sorgen, dass britische Studenten, Austauschschüler oder Praktikanten keine Nachteile durch das Brexit-Votum haben.

BerlinDie EU-Staaten sollten nach Vorstellung der Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, Rebecca Harms, jungen Briten auf dem Kontinent sofort Rechtssicherheit über ihren künftigen Status anbieten. „Das kann vom Aufenthaltsrecht bis zum Angebot der Staatsbürgerschaft gehen“, sagte Harms am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel. Die 27 EU-Staaten könnten unilateral dafür sorgen, dass britische Studenten, Austauschschüler oder Praktikanten keine Nachteile durch das Brexit-Votum vom vergangenen Donnerstag hätten. Das Deutsche Studentenwerk forderte mehr Kooperationen im Hochschulsektor. Die Behörden verzeichnen derweil eine gestiegene Anfrage von in Großbritannien lebenden Deutschen, die sich für eine zusätzliche britische Staatsangehörigkeit interessieren. „In dieser Zeit großer Unsicherheit muss man den Bürger so viel Gewissheit wie möglich über ihre Zukunft geben. Das gilt gerade für Alltagsfragen“, sagte Harms. „Das wäre auf jeden Fall ein wichtiges politisches Signal.“

Studierende aus der EU profitieren unter anderem vom Programm Erasmus Plus, das erhebliche Finanzzuschüsse gewährt. Für Briten käme nach dem EU-Ausstieg die Unterstützung nicht mehr infrage. Hinzu kommen weitere Austausch- und Förderprogramme. Rund 2700 Briten studierten 2013 in Deutschland.

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Nach Angaben des Sprechers des Deutschen Studentenwerks, Stefan Grob, sind auch Nachteile für deutsche Studierende in Großbritannien zu befürchten. So sei davon auszugehen, dass die Studiengebühren stiegen und die Hochschullandschaft vor Ort noch stärker privatisiert werde als es in Großbritannien eh der Fall sei. Das Auslands-Bafög komme dann nicht mehr hinterher. Die deutsche Wissenschaftsgemeinschaft müsse auf Großbritannien zugehen und mehr Kooperationen zwischen Hochschulen starten und den Studentenaustausch fördern. Die drohenden Probleme ließen sich aber „nicht über Ein- oder Ausbürgerung lösen.“

Großbritannien muss nach einem Austritt die Beziehungen zur EU regeln. Zu klären sind dabei Visa-Themen ebenso wie die Frage von Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums schloss nicht aus, dass in Deutschland mehr Einbürgerungsanträge von Briten gestellt werden oder schon gestellt wurden. Denn nur so lange Großbritannien noch in der EU ist, kann beim Erwerb der deutschen Staatangehörigkeit die britische behalten werden. Mehrere Länder-Inneministerien konnten dazu noch keine Angaben machen.

Deutlich mehr Deutsche aus Großbritannien fragten derweil beim Bundesverwaltungsamt (BVA) an, um sich über den Erwerb der britischen Staatsangehörigkeit zu informieren. Eine Sprecherin sagte, allein von Freitag bis Montag habe es 50 Anfragen zu diesem Thema gegeben, während sonst fast keine Anfragen dazu einträfen. Offenbar erwögen die Personen, vorsichtshalber die britische Staatsangehörigkeit anzunehmen, um nicht irgendwann eine Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis zu benötigen. Würde Großbritannien aus der EU austreten, bräuchten Deutsche, die die britische Staatsangehörigkeit wollen, vor der Einbürgerung eine sogenannte Beibehaltsgenehmigung, um ihre deutsche Staatsbürgerschaft behalten zu können.

Von

rtr

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