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02.02.2016

16:07 Uhr

Rechte Szene

Angreifer einer AfD-Demo erneut gewalttätig

Übergriffe auf Medienvertreter bei einer AfD-Demonstration haben Empörung ausgelöst. Der 18-jährige Verdächtige wird der rechten Szene zugeordnet. Wieder auf freiem Fuß, soll er erneut handgreiflich geworden sein.

Eine Polizeiabsperrung trennt AfD-Gegner von Anhängern der rechtspopulistischen Partei. dpa

AfD-Demonstration in Magdeburg

Eine Polizeiabsperrung trennt AfD-Gegner von Anhängern der rechtspopulistischen Partei.

MagdeburgNach dem Angriff auf Journalisten bei einer AfD-Demonstration in Magdeburg soll sich der mutmaßliche Täter an einem weiteren Überfall beteiligt haben. Vier Männer hatten am Samstag in Salzwedel einen 21 Jahre alten Mann krankenhausreif geschlagen, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Der Verdächtige, der von den Ermittlern der rechten Szene zugeordnet wird, soll am vergangenen Mittwoch ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und einen Kameramann des ZDF mit Pfefferspray angegriffen haben. Der 18-Jährige, der auch einen Totschläger bei sich trug, war festgenommen und später wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Das Opfer aus Salzwedel berichtete von vier vermummten Männern, die plötzlich aus einer Limousine ausgestiegen seien. Er habe weglaufen wollen, sei aber gestolpert, sagte der 21-Jährige der „Volksstimme“. „Ich habe sofort einen Schlag mit dem Baseballschläger auf meinen Kopf gespürt. Zum Schutz habe ich mein Gesicht in Richtung Boden gedreht und meine Hände über den Kopf gehalten.“

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Laut Polizei erlitt das Opfer mehrere Kopfplatzwunden, zudem wurden ihm drei Finger gebrochen. Das Motiv ist unklar. Das Opfer erklärte bei der Polizei, es vermute eine Verwechslung mit einem anderen Mann. Etwa zur Zeit des Überfalls war die Polizei informiert worden, dass in Salzwedel zwei Fahrzeuge unterwegs seien, in denen Vermummte säßen. Die Beamten entdeckten die Autos gut eine Stunde später, allerdings trugen die Insassen keine Masken.

Einer von ihnen war der 18-Jährige. Er befand sich in Gesellschaft von zwei 23 und 28 Jahre alten Männern, die die Polizei ebenfalls der rechten Szene zuordnet. Die Beamten stellten einen Elektroschocker und zwei Schlagwerkzeuge sicher und leiteten Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ein.

Von

dpa

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