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11.11.2016

06:00 Uhr

Rechtspopulismus

„AfD kann zu realem Machtfaktor werden“

VonDietmar Neuerer

Gibt der Trump-Sieg der AfD Rückenwind für die nächsten Wahlen? Politikwissenschaftler bezweifeln das. Gute Erfolgschancen sehen sie dennoch für die Partei, wenn bestimmte Probleme hierzulande ungelöst bleiben.

AfD-Chefs Meuthen und Petry: Mit Trump-Effekt in den Bundestag? AFP; Files; Francois Guillot

AfD-Bundesspitze.

AfD-Chefs Meuthen und Petry: Mit Trump-Effekt in den Bundestag?

BerlinNoch sind die weltweiten Folgen des Sieges von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl nicht absehbar. In Europa wurde sein Erfolg von populistischen Parteien aber schon so überschwänglich gefeiert, dass man den Eindruck gewonnen konnte, in einigen EU-Ländern bahnten sich ähnliche politische Veränderungen an.

Die AfD denkt bereits, auch vor dem Hintergrund der Bundestagswahl im kommenden Jahr, in diese Richtung. Parteichefin Frauke Petry sprach mit Blick auf die US-Wahl von einem ermutigenden Signal für Deutschland. Und spielt damit auch auf die Chancen für ihre Partei an. Auf ihrer Facebook-Seite prangt denn auch unter ihrem Statement zur US-Wahl der Spruch: „Zeit für Veränderungen in Deutschland! Zeit für die #AfD.“

Für den Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst kommen solche von AfD-Politiker skizzierten rosigen Zukunftsszenarien nicht überraschend. „Es wäre verwunderlich, wenn die AfD nicht versuchen würde, Honig aus dem Wahlergebnis von Donald Trump zu ziehen. Schließlich hat er im Wahlkampf auf der gleichen Klaviatur wie sie gespielt“, sagte Probst dem Handelsblatt.

Ob Trumps Wahl „ein gutes Signal für die Welt“ sei, wie das von der AfD behauptet wird, müsse man noch abwarten. Es komme darauf an, ob er sich mäßige und seinen Charakter im Griff habe. „Sonst könnten wir auch auf mehr Konfrontation in der Welt zulaufen. Das wäre nicht in Deutschlands Interesse“, betonte der Politikprofessor.
Außerdem sei Trump in Deutschland, auch unter AfD-Wählern, „nicht gerade beliebt“, sagte Probst weiter. Viele hätten sogar Angst vor seiner Unberechenbarkeit. „Seine Wahl könnte also in Deutschland sogar eine Gegenreaktion auslösen – nach dem Motto: So weit soll es bei uns nicht kommen.“

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Gleichwohl hält es Probst auch für möglich, dass die AfD am Ende doch von einer Art Trump-Effekt profitiert, wenn bestimmt Umstände dies befördern. Denn, so der Politikwissenschaftler, die Wahl von Trump enthalte auch eine Botschaft an die demokratischen Parteien und die politischen Eliten in Deutschland. „Wenn es nicht gelingt, die wachsende Kluft zwischen den Eliten und Teilen der Bevölkerung zu schließen, können Rechtspopulisten auch in Deutschland zu einem realen Machtfaktor werden“, erläuterte Probst. „Es sind also beide Reaktionen möglich: Rückenwind oder Gegenwind. Das hängt vor allem davon ab, welche Lehren die demokratischen Parteien aus der amerikanischen Wahl ziehen.“

Kommentare (10)

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Herr Franz Paul

11.11.2016, 09:11 Uhr

Oh weh, der Hassprediger Neuerer hat wieder zuschlagen dürfen. Wann wird der endlich gefeuert? Wie immer liegt er völlig daneben, wenn er was über die AfD schreibt. Ebenso wie dieser "Experte". Ich bin (fast) von Anfang an bei der AfD. ALLE, die ich kenne (immerhin ein paar hundert) freuen sich über Trumps Sieg. Was daraus wird, bleibt natürlich abzuwarten.
PS: Neuerer und sein Experte haben kein Internet und sind nicht bei facebook, oder?
Achso, das interessiert sie alles gar nicht erst. Reicht ja, wenn man seine verbohrte, postfaktische Propaganda verbreiten kann. Dann werden sie halt eine Überraschung erleben, genauso wie im Fall Trump! Und können dann genauso heulen wie jetzt der ganze mainstream. Ist das schön!

G. Nampf

11.11.2016, 09:19 Uhr

"Politikwissenschaftler bezweifeln das."

Wenn diese "Wissenschaftler" genauso gut sind wie beim BREXIT und der US-Wahl, dann kann die AfD jetzt schon den Champagner kaufen.

Niemand braucht Politikwissenschaftler; sie sind einfach überflüssig.

Novi Prinz

11.11.2016, 09:22 Uhr

Vorzugsweise sollte man sich mit solchen "Politikwissenschaftlern " unterhalten , deren Aussagen richtig waren !

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