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12.04.2016

18:21 Uhr

Rechtsterroristen in Freital?

Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Bürgerwehr

Handelt es sich bei der Freitaler Bürgerwehr um eine terroristische Vereinigung? Mitglieder sollen für Angriffe und Anschläge auf Flüchtlinge verantwortlich sein. Nun übernimmt die Bundesanwaltschaft die Verfahren.

Wochenlang demonstrierten Fremdenfeinde im vergangenen Sommer vor einem Flüchtlingsheim in Freital. AFP; Files; Francois Guillot

Rechte demonstrieren in Sachsen

Wochenlang demonstrierten Fremdenfeinde im vergangenen Sommer vor einem Flüchtlingsheim in Freital.

Karlsruhe/DresdenDie Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Mitglieder einer rechtsextremen Bürgerwehr aus dem sächsischen Freital übernommen. Es gehe um den Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Karlsruhe. Einzelheiten wollte sie mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Die zwei bislang von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführten Verfahren richten sich gegen fünf Männer und eine Frau im Alter von 18 bis 40 Jahren. Unter anderem werden ihnen Angriffe auf Asylunterkünfte und Flüchtlingsunterstützer vorgeworfen. Drei Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Ermittelt wird in dem einen Verfahren gegen vier Männer im Alter von 18, 24, 27 und 29 Jahren sowie eine 27-jährige Frau. Sie werden beschuldigt, einen Angriff auf eine Asylunterkunft in Freital und einen Sprengstoff- und Buttersäure-Anschlag auf ein alternatives Wohnprojekt von Flüchtlingsunterstützern in Dresden im vergangenen Oktober verübt zu haben.

Sachsen in Zahlen

Einwohnerzahl

In Sachsen leben nach Berechnungen des Landesstatistikamts rund 4,055 Millionen Menschen. Bei einer Fläche von 18.420 Quadratkilometern kommt das Bundesland auf etwa 220 Einwohner pro Quadratkilometer (Bundesdurchschnitt 225; Höchstwert Berlin 3785).

Finanzen

Zum Stichtag 30. September 2015 hatte das Land rund 6,6 Milliarden Euro Schulden. Seit der Aufnahme in den Länderfinanzausgleich 1995 gehört das Land zu den Nehmerländern – im Schnitt erhielt Sachsen seither rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Die Wirtschaft des Freistaats wuchs im ersten Halbjahr 2015 leicht um 1,7 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Im Januar 2016 betrug die Arbeitslosenquote in Sachsen 8,5 Prozent. Das liegt zwar unter dem ostdeutschen Durchschnitt von 9,6 Prozent, aber immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt (6,7 Prozent).

Bevölkerungsentwicklung

Seit 1950 ist die Einwohnerzahl Sachsens rückläufig. Viele Ortschaften dünnen durch Abwanderung aus. So haben seit 1950 rund eine halbe Million Sachsen das Bundesland verlassen. Bis 2030 soll die Einwohnerzahl nach einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung auf 3,7 Millionen Menschen schrumpfen.

Der durchschnittliche Sachse

Der Durchschnittssachse ist 46,6 Jahre alt und hat 1,57 Kinder. Damit liegt die Kinderquote deutschlandweit an erster Stelle unter den Bundesländern. Bei der Geburt ihres Kindes waren sächsische Mütter im Jahr 2013 durchschnittlich 27,6 Jahre alt (Bundesdurchschnitt 29,3 Jahre).

Religion

Der überwiegende Teil Sachsens ist laut Zensus 2011 konfessionslos (72,6 Prozent) oder evangelisch getauft (21,4 Prozent).

Angriffe auf Asylbewerberheime

Angriffe auf Asylbewerberheime werden mit deutlicher Mehrheit vor allem in Sachsen verübt. Allein von Januar bis September 2015 gab es im Freistaat 159 Attacken auf Unterkünfte – Platz 2 ging mit „lediglich“ 72 Übergriffen an Brandenburg.

Drei der Beschuldigten und ein 40-Jähriger sollen zudem für einen Sprengstoffanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Freital verantwortlich sein. Der 27-Jährige, gegen den in beiden Verfahren ermittelt wird, muss sich zudem Ende April in Dresden wegen eines weiteren Angriffs auf Flüchtlingsunterstützer unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Anfang November und zuletzt im März waren im Zuge der Ermittlungen bei zahlreichen Razzien in Wohnungen in Freital und Dresden Sprengmittel und Nazi-Devotionalien gefunden worden. Auch Computer wurden sichergestellt.

Freital, das nur wenige Autominuten von Dresden entfernt liegt, hatte im Sommer vergangenen Jahres bundesweit Schlagzeilen gemacht: Wochenlang demonstrierten Fremdenfeinde vor einem Flüchtlingsheim in einem ehemaligen Hotel. Immer wieder kam es zu Angriffen und Anschlägen auf Asylbewerber und ihre Unterstützer.

Von

dpa

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