Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2011

17:18 Uhr

Rede im Bundestag

Papst warnt Politiker vor den Gefahren des Erfolgs

Benedikt XVI hat seine mit hohen Erwartungen überfrachtete Rede zu einem Appell genutzt: Die Politiker dürften ihre Arbeit nicht am Erfolg ausrichten, sondern müssten die Grundlagen für Gerechtigkeit und Frieden legen.

Mit Applaus wurde der Papst im Bundestag empfangen. dpa

Mit Applaus wurde der Papst im Bundestag empfangen.

BerlinPapst Benedikt XVI. hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede im Bundestag die Verantwortung eines jeden Politikers für Gerechtigkeit und Frieden betont. „Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein“, sagte der Papst am Donnerstag vor den Abgeordneten im Reichstag. In weiten Strecken hatte die knapp 30-minütige Rede den Anstrich einer Vorlesung in den ethischen Grundlagen der Politik.

Die Politik müsse stets das „Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen“. Der Erfolg sei dem Maßstab der Gerechtigkeit und dem Willen zum Recht untergeordnet. Die Deutschen wüssten aus ihrer Vergangenheit, dass es kein leeres Schreckgespenst sei, wenn Macht von Recht getrennt werde und Macht gegen Recht stehe, sagte der Papst und fügte hinzu: „Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers.“ Der Papst bedankte sich zu Beginn seiner Ausführungen für die Einladung zu der Rede. Der Bundestag anerkenne damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukomme.

Benedikt XVI wies auf die Grenzen des demokratischen Mehrheitsprinzips hin und erinnerte die Politiker an ihre moralische Verantwortung. „In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig.“

Der Papst ging nicht direkt auf die bioethischen Debatten über Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik ein, betonte aber: „Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.“ Politiker und Wissenschaftler seien daher besonders gefordert, ihre Entscheidungen auch moralisch zu bedenken. Benedikt sagte weiter: „Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen. Für diese Menschen war es unbestreitbar evident, dass geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war.“

Anders als von vielen Politikern und Opferverbänden erhofft äußerte er sich nicht zu dem Skandal um zigfachen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester, der im vergangenen Jahr bekannt geworden war. Auch zu den aktuelle Themen Europa und Finanzkrise, die er zuvor mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besprochen hatte, sagte er nichts.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.09.2011, 17:52 Uhr

„Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein“
Genau, deshalb ist diese Regierung auch so erfolglos, den Merkel löst die Probleme immer vom Ende her. Der materielle Gewinn steht ausschließlich der katholischen Kirch zu.

Profit

22.09.2011, 18:25 Uhr

Die Rede des Papstes hat gezeigt, welch kleine Geister einige Abgeordnete sind. Ströbele, Künast und Gysi fallen einem dazu ein. Ich war vom Papst im Bundestag begeistert. Vor allem vom Tiefgang, der universellen Weite und Wärme seiner Rede. Welch ein Gleichnis vom König Salomon! Und welche Leere, im wahrsten Sinne des Wortes, bei einigen Abgeordneten. Ich bin zutiefst überzeugt, daß ein Mensch wie Ströbele mit sich selbst nicht im Reinen ist und eine tief traurige Kreatur ist.

hansmeiser

22.09.2011, 18:36 Uhr

@ Profit...Da hat der Papst ja genau den richtigen Befürworter in Ihnen gefunden. Bei Ihnen funktioniert doch die menschlichge Gesellschaft am besten ohne Menschen und nur mit Geld.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×