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24.11.2014

17:39 Uhr

Reduzierung von Kohlekraftwerken

Die „Kohle-Wende“ kommt

Im Streit um die Klimapolitik stand Wirtschaftsminister Gabriel als Kohlefreund am Pranger. Nun will er die Stromkonzerne zu einer etwas geringeren Kohleverbrennung zwingen. Doch dabei bekommen sie ziemlich freie Hand.

Hinter Hochspannungsmasten steigt Wasserdampf aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerkes auf: Im Streit um eine Reduzierung von Kohlekraftwerken geht Wirtschaftsminister Gabriel in die Vollen. dpa

Hinter Hochspannungsmasten steigt Wasserdampf aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerkes auf: Im Streit um eine Reduzierung von Kohlekraftwerken geht Wirtschaftsminister Gabriel in die Vollen.

BerlinBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will gegen den Widerstand der Stromkonzerne CO2-Einsparungen bei schmutzigen Kohlekraftwerken durchsetzen. „Wir müssen bis 2020 zusätzlich 22 Millionen Tonnen CO2 im Kraftwerkspark einsparen“, sagte Gabriel am Montagnachmittag nach einem Treffen mit den Chefs führender Stromkonzerne in Berlin. „Die Unternehmen haben zurückhaltend freundlich reagiert“, meinte Gabriel. Er stellte klar, dass er keine Kraftwerksstillegungen verfügen werden.

Bis zum Sommer 2015 könnte das Gesetz stehen, hieß es. Es soll so gestaltet werden, dass die Unternehmen nicht auf Entschädigungen klagen können. Dafür sollen die Unternehmen flexibel entscheiden dürfen, wie sie von 2016 bis 2020 jährlich 4,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen, um dazu beizutragen, dass das Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2 im Vergleich zu 1990 noch geschafft wird. An dem Treffen nahmen Spitzenvertreter von RWE, Eon, EnBW und Vattenfall teil.

Gemessen an den rund 500 fossilen Kraftwerken in Deutschland soll ein Emissionsbudget festgelegt werden, zuletzt stießen die Kraftwerke (Strom und Wärme) pro Jahr 341 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. Das Budget müsste nach Gabriels Plänen bis 2020 auf 319 Millionen Tonnen sinken. Er lehnte die Forderung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft ab, die Regelung mit Extraprämien für unrentable Kraftwerke zu verknüpfen. Die Grünen kritisierten die Pläne als völlig unzureichend.

Oberstes Ziel sei es, die Strompreise zu stabilisieren, die Klimaziele zu schaffen und Versorgungssicherheit zu garantieren, betonte Gabriel. Insgesamt gibt es nach bisherigen Berechnungen eine Lücke von 62 bis 100 Millionen Tonnen CO2-Einsparungen bis 2020.

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat ein Maßnahmenpaket vorgelegt, darunter auch Anreize für energetische Gebäudesanierungen, um durch einen geringeren Energieverbrauch den CO2-Ausstoß zu drosseln. Aber die Vorschläge würden bisher nur Einsparungen von maximal rund 50 Millionen Tonnen CO2 bringen - die Einsparung im Kraftwerkssektor ist im Entwurf offengelassen worden.

„Die Kraftwerksbetreiber können frei entscheiden, wie sie die ihnen auferlegten Minderungsbeiträge dauerhaft erbringen: sie können sie gleichmäßig auf ihre Kraftwerke verteilen, auf einzelne Anlagen konzentrieren und zwischen Anlagen übertragen“, heißt es in einem Vorschlagspapier Gabriels, der als Energieminister für den Kraftwerkssektor zuständig ist. Braun- und Steinkohlestrom hat derzeit noch einen Anteil von 45 Prozent, Ökoenergie von rund 27 Prozent.

Am 3. Dezember soll das Klimapaket vom Kabinett verabschiedet werden. Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien stiegen zuletzt die CO2-Emissionen, auch weil 2011 acht Atommeiler stillgelegt worden waren.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.11.2014, 14:24 Uhr

Der Gabriel macht sich das Leben einfach nur selbst schwer. Er sollte mit dem Hinweis auf den CO2 Ausstoss und den nicht erreichen der CO2-Vermeidungsziele, die Kernkraft wieder in Deutschland vermehrt ans Netz bringen bzw. den Ausstieg aus dem Ausstieg ausrufen. Wie in Schweden und jetzt in der Schweiz geschehen. Selbst Japan steigt nächstes Jahr, ohne Probleme, in die Kernkraft wieder ein. All diese Länder werden mit der Kernkraft auf Dauer kein Problem mehr mit dem CO2 Ausstosszielen haben. Nur Deutschland vernichtet soeben mit dem Ausstieg aus der Kern- und Kohlekraft den wirtschaftsbasierenden Wohlstand. In dem die Grundstoffindustrie und mit ihr die gesamte Industrie und Handwerk ihre Wirtschaftsleistung runterfahren bzw. ins Ausland verlagern. Kohlekraft bedeutet nur, das der Mangel und die Armut im Energiewende/EEG Deutschland immer schneller voranschreitet.

Herr Christian Feld

24.11.2014, 15:55 Uhr

Sie stellen Ihrn Keller und Ihre Garage doch ganz sicherlich für den resultierenden Atommüll zu Verfügung, oder etwa nicht?

Atomenergie erzeugt auf der Erde _zusätzliche_ Radioaktivität, welche für einen sehr langen Zeitraum erhalten bleibt, weshalb sicher gestellt werden muss, dass sich jene zusätzliche Radioaktivität nicht auf der Erde veretilen kann.

Für Millionen von Jahren!

DAs ist einer der Gründe, warum die Menschen weg vom Atommüllstrom müssen.

Herr Hans Brandl

24.11.2014, 18:40 Uhr

@Herr Nicht Mein Name:
Ein typischer 1 GW Kohleblock gibt pro Tag ca. 50 Kg Uran ab!
Davon werden ca. 99% ausgefiltert und zb. als Füllmaterial zum Autobahnbau verwendet. Das restliche 1%, also ca 500, wird über den Schornstein gleichmäßig verteilt , ist in der Regel lungengängig und sammelt sich besonders in den Lungen von KKW-Gegnern an und strahlt dort nach deren Vorstellung Millionen von Jahren !
Deswegen geben diese auch immer so komische Meinungen ab wie hier zu lesen.

Übrigens, ein KKW , das nur ein einziges Gramm Uran über den Kamin abgeben würde, würde sofort unter lautem Gejohle von Gabriel, seinen grünen Freunden und den gleichgeschalteten Anti-KKW Medien stillgelegt werden.
Das Uran aus einem Kohleblock ist aber Öko-Bio-Uran und deshalb ungefährlich, also bleiben sie bei ihren Ansichten.

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