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06.09.2012

14:34 Uhr

Reform

Kampf gegen Ärztemangel beginnt mit Zulassungsstopp

Der Ärztemangel wird in vielen ländlichen Regionen immer spürbarer. Jetzt soll massiv gegengesteuert werden. Die Reform beginnt mit einem Paukenschlag.

Künftig solle eine bessere Verteilung der Mediziner in Deutschland gewährleistet werden. dapd

Künftig solle eine bessere Verteilung der Mediziner in Deutschland gewährleistet werden.

BerlinMit dem sofortigen Zulassungsstopp für bestimmte Arztgruppen ist eine groß angelegte Reform für eine bessere Verteilung der Mediziner in Deutschland angelaufen. Somit soll es künftig auch wieder mehr Hausärzte auf dem Land geben - statt immer mehr hochspezialisierte Ärzte in den Städten. Die befristete Sperre wurde am Donnerstag vom Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) in Berlin verhängt.

Sie betrifft unter anderem Jugendpsychiater, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Neurochirurgen, Humangenetiker, Laborärzte und Pathologen, die heute weitgehend ohne Beschränkung Praxen etwa in den Städten aufmachen können. „Bisher ist das für viele solcher Ärzte sehr lukrativ, ohne dass ein ständiger direkter Patientenkontakt besteht“, sagte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Im Gegenzug sollen neue Niederlassungsmöglichkeiten für Haus- und Kinderärzte vor allem dort geschaffen werden, wo bereits heute Lücken klaffen.

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Diese nun gesperrten Arztgruppen sollen am 1. Januar neu in die Bedarfsplanung einbezogen werden. „Hier wird es künftig Obergrenzen geben, wieviele Ärzte dieser Gruppen sich in einer der Regionen der Kassenärztlichen Vereinigungen niederlassen dürfen“, kündigte Hecken an. Mit der befristeten Sperre soll nun ein überbordender Anstieg von Anträgen auf Zulassung für solche lukrativen Arztsitze quasi in letzter Minute verhindert werden.

Der größere Teil der Reform soll erst Anfang 2013 folgen - und weit größere Auswirkungen gegen den Ärztemangel haben. Denn anders als bei Spezialärzten gibt es bei Haus- und Kinderärzten heute nur wenige Zulassungsmöglichkeiten, obwohl sie in vielen ländlichen Regionen Ost- wie Westdeutschlands händeringend gesucht werden. Grund: Die Planungsregionen für Arztsitze - die 372 Kreise und kreisfreien Städte - gelten als zu groß. „Viele Ärzte arbeiten in den Städten, auf dem flachen Land fehlen sie häufig“, sagte Hecken.

Künftig sollen für die Haus- und Kinderärzte die Planungsbezirke bei Bedarf geteilt werden - in bis zu 879 Mittelbereiche. „Auch strukturschwache Gebiete bekommen nun zusätzliche Zulassungsmöglichkeiten für Haus- und Kinderärzte“, kündigte Hecken an. So eine Teilung bringe es auf der anderen Seite automatisch mit sich, dass etwa in den Städten eine vorhandene Überversorgung besser festgestellt werde. „Erst wenn es dort weniger Praxen gibt, können auch wieder neue Zulassungen erfolgen.“ Unterm Strich soll die Verteilung der Ärzte also besser werden.

Gedreht werden nun zwar nur Stellschrauben in der Planung - Hecken erwartet dennoch Wirkungen. „Ärzte stehen dann also vor der Entscheidung: Entweder es gibt in einem Bereich eine Zulassung, in dem der Versorgungsbedarf auch tatsächlich besteht, oder es gibt überhaupt keine Zulassung“, sagte er. „Mehr junge Ärzte werden sicher die Entscheidung treffen, sich in bislang unterversorgten Regionen niederzulassen.“

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Die Koalition habe mit dem Versorgungsstrukturgesetz schließlich auch Anreize gesetzt. Es gebe Angebote an Ärzte, in offene Planungsbereiche zu wechseln. „Das wäre dann wirtschaftlich attraktiver.“ Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gehen über 40.000 Haus- und Fachärzte binnen fünf Jahren in den Ruhestand.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Tonne6

08.09.2012, 10:28 Uhr

Wir haben k e i n e n Ärztemangel in Deutschland, es mangelt lediglich an Ärzten die zu Schechtbezahlung arbeiten wollen. Junge Ärzte kann man vor der Niederlassung in Deutschland nur warnen. Wer einmal in der eigenen Praxis sitzt ist schwer lösbare Verpflichtungen gegenüber Vermietern, Banken und Angestellten eingegangen. Dies wissen Politik und Krankenkassen und nutzen diese Abhängigkeit aus. Praktisch kommt der Arzt nur durch Tod oder Privatinsolvenz vor dem 67. Lebensjahr aus seiner eigenen Praxis heraus und muss den Rest des Berufslebens über
j e d e s Stöckchen springen das Kassen oder Politik hinhalten. Zum Beispiel: Dienstverpflichtung zu Not- und Nachtdiensten ohne echtes Einkommen (Kosten höher als Honorar); eine schwangere Kassenärztin d a r f sich bis zu 12 Monate vertreten lassen – d a r f dafür aber auch die Kosten übernehmen, f a l l s sich ein bezahlbarer Vertreter finden lässt; Verpflichtung zur elektronischen Abrechnung (EDV) ohne Ersatz der hierdurch entstehenden Betriebs- und Personalkosten.

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