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07.11.2014

13:10 Uhr

Reform tritt zum 1. Januar in Kraft

Mehr Geld für Pflegebedürftige

Rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland erhalten ab dem 1. Januar eine höhere finanzielle Unterstützung und neue Betreuungsmöglichkeiten. Der Bundesrat hat am Freitag den Weg für die Pflege-Reform geebnet.

Die Reform soll Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen dabei helfen, die Pflege zu Hause besser zu organisieren. dapd

Die Reform soll Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen dabei helfen, die Pflege zu Hause besser zu organisieren.

BerlinDer Bundesrat hat am Freitag grünes Licht für die erste Stufe der Pflegereform der großen Koalition gegeben. Die rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland erhalten damit ab dem 1. Januar eine höhere finanzielle Unterstützung und neue Betreuungsmöglichkeiten.

Finanziert werden sollen die neuen Leistungen über eine Erhöhung des Beitragssatzes um 0,3 Prozentpunkte, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Dadurch stehen rund 3,6 Milliarden Euro zur Verfügung.

Die schwarz-roten Pflege-Pläne

Die Pflege in zwei Schritten

Zwanzig Jahre nach dem Beschluss zur Pflegeversicherung will die schwarz-rote Bundesregierung die Pflege in Deutschland nun in zwei Schritten reformieren. Kernpunkte der Pläne von Union und SPD:

Anpassung an Preisentwicklung

Die gut 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sollen ab 2015 um bis zu vier Prozent erhöhte Leistungen bekommen.

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. In Heimen sind neben Fachkräften dafür etwa 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz – künftig sollen es 45 000 sein.

KURZZEIT- UND VERHINDERUNGSPFLEGE

Flexibler und großzügiger sollen Hilfen gewährt werden für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr, ferner für vier Wochen ambulante Pflege etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen.

LOHNERSATZ BEI PFLEGEORGANISATION

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit – künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

RECHTSANSPRUCH AUF FAMILIENPFLEGEZEIT

Angehörige können sich für eine Pflegezeit bereits bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit aber, in der man auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann, ist für die Unternehmen freiwillig. Auch hier soll ein Rechtsanspruch her.

Vorsorgefonds

Von 2015 bis 2033 sollen steigende Milliardensummen in einen Fonds fließen. Wenn die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge 1959 bis 1967 verstärkt pflegebedürftig werden, sollen mit diesem Geld Beitragssprünge vermieden werden.

Ausbildung

Die Ausbildung zu Alten- und Krankenpflegern soll einheitlich werden, so dass Altenpfleger später besser wechseln können und der Beruf attraktiver wird.

Demenz

In Reformstufe 2 soll mit einer Großreform die Versicherung besser auf die zahlreicher werdenden Demenzkranken eingestellt werden. Die heute drei Pflegestufen sollen durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen stärker zählen.

Finanzen

Der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unter Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen.

Die finanziellen Leistungen an die Pflegebedürftigen werden generell um vier Prozent erhöht. Zudem steigt die Zahl der Betreuungskräfte in Heimen von 25.000 auf 45.000, was die Pflegerinnen und Pfleger entlasten soll.

Die Reform soll Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zudem dabei helfen, die Pflege zu Hause stärker zugeschnitten auf ihren individuellen Bedarf zu organisieren. So können sie künftig etwa auch auf Haushaltshilfen oder Begleiter im Alltag zurückgreifen.

Mit einem Vorsorgefonds sollen 1,2 Milliarden Euro pro Jahr bei der Bundesbank für die Zeit ab dem Jahr 2035 angespart werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen. Im kommenden Jahr will Gesundheitsminister Hermann Gröhe eine weitere Reform der Pflegeversicherung erarbeiten. Die Beiträge sollen dann in dieser Wahlperiode erneut um 0,2 Prozentpunkte steigen.

Von

rtr

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